Harnstoff

Syn.: H2N–CO–NH2; Kohlensäurediamid; Carbamidum; Urea

urea

Abbildung

(Rouelle 1733; Synthese 1828 durch Woehler) farb- u. geruchloses, kristallisierendes, gut wasserlösliches Endprodukt des Eiweißstoffwechsels bei Mensch u. Säugern, gebildet aus 2 Molekülen „NH3“ (Ammoniak) der Glutaminsäure bzw. aus der NH2-Gruppe der Asparaginsäure u. 1 Molekül Kohlendioxid (CO2) über Carbamylphosphat, unter Beteiligung von l-Ornithin; Schema (mit Krebs-Henseleit- = Harnstoffzyklus); s.a. Harnstoff-Stickstoff. Physiologie u. Pathophysiologie: Die Ausscheidung erfolgt durch die Niere (12,6–28,6 g/24 Std.) nach vollständiger Filtration in den Glomeruli u. teilweiser Rückresorption in den Tubuli; sie ist erniedrigt bei Niereninsuffizienz u. Lebererkrankungen, erhöht bei gesteigertem Eiweißabbau; s.a. Azotämie, dort Schema. Die Normalwerte betragen im Serum 100–450 mg/l (u. erreichen im Schweiß den ca. 2fachen Wert). Eigenschaften: H. bildet mit anorganischen u. organischen Säuren Salze bzw. Ureide, mit organischen Substanzen Einschluss-Verbindungen; kondensiert bei starkem Erhitzen zu Biuret; wirkt in konzentrierter Lsg. Eiweiß denaturierend. Findet Anw. bakt für Nährböden; histol als Fixierungsmittelzusatz; derm als Bestandteil von hornschichterweichenden u. glättenden Salben bei trockener, juckender Haut. pharm Wichtige Derivate sind u.a. Biotin, Barbitursäure. Nachweis: Der qualitative u. quantitative Nachweis erfolgt u.a. durch Farbreaktionen (z.B. mit Ehrlich-Reagens, Xanthydrol, als Hench-Aldrich-Probe), indirekt durch Abspaltung u. Bestimmung von Stickstoff (Bromlaugen-Methode, z.B. nach Knop-Hüfner, Kowarski), von CO2 (Henseleit-Krebs-Mikromethode) oder NH3, ferner mit Nessler-Reagens u. titri- u. elektrometrisch, enzymatisch (Spaltung mit Urease), chromatographisch.

Verwandte Themen:

Ammoniak; Asparaginsäure; Azotämie; Carbamid; Carbam(o)ylphosphat; Harnstoff-Stickstoff; Harnstoffzyklus; Karbamid; Krebs-Henseleit-Zyklus 3); Semicarbazid; Urea

Ausgewählte Internet-Seiten:

Leitlinien für Ärzte: Harnstoffzyklusdefekte in der Pädiatrie
Deutsche Gesellschaft für Biochemie und Mikrobiologie

© Urban & Fischer 2003 – Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl.