Kohlen|dioxid
Syn.: CO2
carbon dioxide
weit verbreitetes, farb- u. geruchloses, in Wasser unter Bildung von Kohlensäure (H2CO3) leicht lösliches Gas. Es ist schwerer als Luft und erstarrt unter Druck zu festem Kohlensäureschnee (Trockeneis). Stoffwechsel: CO2 ist eine für die meisten Lebewesen essentielle Verbindung („Fixierung“ durch Pflanzen in der Photosynthese; s. Abb.). Beim Menschen ist CO2 das Endprodukt vieler Abbauwege (z.B. im Citratzyklus; bei Decarboxylierung von Ketosäuren), das zum überwiegenden Teil durch die Lungen abgeatmet wird. Gelangt aus den Zellen über die interstitielle Körperflüssigkeit in die Blutkapillaren, wo ein kleiner Teil (10%) zu Kohlensäure hydratisiert wird, die in Bicarbonat u. Protonen dissoziiert (HCO3 u. H+; Letztere werden von Puffern des Plasmas abgefangen). Der Rest wird nach Diffusion in die roten Blutkörperchen z.T. an Aminogruppen des Hämoglobins (Carbaminobindung) gebunden, zum größten Teil aber durch Carbonat-dehydratase in Kohlensäure hydratisiert, die wie oben beschrieben zu Bicarbonat wird, das im Austausch gegen Chloridionen des Plasmas (Chloridverschiebung) in das Plasma gelangt (ca. 7580% des CO2-Transportes). In der Lunge, wo über die atemanregende Wirkung des CO2 auf das Atemzentrum durch einen Reglerkreis der CO2-Partialdruck selbst auf ca. 40 mmHg eingestellt ist, wird bis zum Ausgleich der Partialdrücke CO2 vom Blut an die Atemluft abgegeben. Dies erfolgt durch Freisetzung des in roten Blutkörperchen (u. z.T. in Plasmaeiweißkörpern) gebundenen CO2, v.a. aber durch Carboanhydrase-beschleunigte CO2-Bildung (in Umkehr der CO2-Einschleusung) aus dem im Blut vorhandenen Bicarbonat u. aus Protonen, die bei der Bildung sauerstoffbeladenen Hämoglobins (Oxyhämoglobin) freigesetzt werden. Giftigkeit: In unnatürlicher Konzentration ist K. giftig; Vergiftungen treten akut, z.B. in Gärkellern, Silos, Schiffsräumen auf oder chronisch bei Bronchialasthma, Emphysem, pulmonaler Globalinsuffizienz. Sie äußern sich in Kopfschmerzen, Herzklopfen, Blutdruckanstieg, Erregung; ab 6 Vol.-% in Atemnot, Tachykardie, Taumeln, Krämpfen, Bewusstlosigkeit („Kohlensäurenarkose“), Atemstillstand (bei 12% sofortiger Tod). Anw.: K. wurde früher wegen seiner atemanregenden Wirkung als Zusatz zu Narkosegas (Carbogen), ferner als Kältemittel u. in Bädern eingesetzt. S.a. Kohlensäure..., Carbonat...
Verwandte Themen:
Bicarbonat; Carbonat; Carbonat-dehydratase; Chloridverschiebung; Citratzyklus; CO2; Eukapnie; Kohlendioxidvergiftung; Kohlensäure; Kohlensäureanhydr(at)ase; Kohlensäureeis; Kohlensäurenarkose; Kryochirurgie; Pco2; Photosynthese; Proton
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© Urban & Fischer 2003 Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl.