Schwefel|wasserstoff

Syn.: H2S; Hydrogensulfid

hydrogen sulfide

farbloses, brennbares, in Luftgemisch explosibles, sehr giftiges Gas, das kräftig nach faulen Eiern riecht und in Erdgasen, Schwefelwässern u. als Fäulnis- u. Stoffwechselprodukt in Aborten, Kläranlagen („Kloaken-“, „Latrinengas“) und in Darmgasen vorkommt. Stark reduzierend u. mit Halogenen heftig reagierend. Anw. u.a. als analytisches Reagens (Fällungsmittel für Metall-Ionen), Rodentizid. Klinik: bewirkt Hornhautreizung (Keratitis superficialis punctata) u. Schädigung der Atemwegsschleimhäute u. des Nervensystems. Entspricht in der Giftigkeit etwa der Blausäure. Akute H2S-Vergiftung (Sulfhydrogenismus) führt zu Kopfschmerzen, Schwindel, evtl. Sulfhämoglobinurie. 150 ppm werden mehrere Stunden ohne Schädigung vertragen, bei 200 ppm treten nach 2–5 Min. brennende Schmerzen auf Schleimhäuten u. Augen auf, bei 360 ppm erfolgt langsame Vergiftung, bei hoher Konzentration (1400 ppm) kommt es bereits nach 1–2 Atemzügen zur akuten, apoplektischen Form mit Tod durch Atemlähmung, Kreislaufversagen. Ther.: Beatmung u. Anw. von 4-Dimethylaminophenol.

Verwandte Themen:

H2S; Schwefelwässer; Spinnerauge; Sulfhämoglobinämie; Sulfhydrismus

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© Urban & Fischer 2003 – Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl.