Toxo|plasmose

toxoplasmosis

weltweit verbreitete, oft asymptomatische Infektionskrankheit durch Toxoplasma gondii (Inkubationszeit nicht genau bekannt). Übertragung durch Zysten in rohem Fleisch oder durch Oozysten im Katzenkot bzw. Sand. Einteilung: als postnatal erworbene T. bei Kindern u. Jugendl. oder als angeborene T. (Fetopathia toxoplasmotica) infolge diaplazentarer Infektion in der 2. Schwangerschaftshälfte: bei massivem Befall Tot- oder Frühgeburt (Generalisation oder floride Enzephalitis) oder postenzephalit. Defektheilung; leichte Infektion erst nach Wo. oder Mon. manifest als Retinochorioiditis (evtl. mit Augenmuskellähmungen, Mikrophthalmie, Iritis), Lymphadenopathie, Enzephalomeningitis mit Hydrocephalus internus oder Mikrozephalus (Retardierung, Krämpfe, Paresen), Ikterus mit Hepatosplenomegalie; seltener Anämie, Hämorrhagien, Exanthem, Pneumonie, Myokarditis, Enterokolitis. Verlauf: Die Inkubationszeit bei der erworbenen T. beträgt meist 2–4 Wochen. Bei Erstinfektion zunächst lokale Erregervermehrung mit Herdnekrose, Einbruch in die Lymph- bzw. Blutbahn u. Generalisierung, Organbefall mit Vermehrung in den Zellen, Pseudozystenbildung u. latenten Infektionen. Verschiedene Ausprägungen möglich: serologisch erfassbare, klinisch latente Toxoplasmeninfektion; fieberhafte (grippale) Lymphadenose, v.a. des Halses; seltener als schwere viszerale T. (als pulmonal-kardiale thorakale Form oder als hepatosplenale abdominale Form, beide Formen mit ungünstigerer Progn.), oder die seltene zerebrale T. (lang dauernde Meningoenzephalitis mit Dauerschäden), auch als T. des Auges (Iridozyklitis, Chorioretinitis, Uveitis). Eine bestehende Infektionsimmunität ist durch die Anwesenheit von Pseudozysten im Wirtsgewebe charakterisiert. Zu einer Reaktivierung einer T., häufig mit Enzephalitis u. intrakranieller Raumforderung, kann es im Rahmen anderer Grunderkrankungen (z.B. Leukämie) oder Immunschwäche (z.B. bei immunsuppressiver Ther. oder AIDS) kommen. Diagn.: mikroskop. Parasiten-Nachweis im Liquorsediment (selten erfolgreich), Tierversuch, ELISA, Komplementbindungsreaktion (Warren u. Sabin; nur bei akuten Formen pos.), i.c. Reaktion mit Toxoplasma-Antigen (Frenkel), Sabin-Feldman-Test (quant. „dye-test“), Immunfluoreszenz (spezif. IgM), pass. Hämagglutinationstest. Ther.: z.B. mit Sulfonamiden, Pyrimethamin, Trimethoprim, Atovaquon.

Verwandte Themen:

ELISA; Encephalitis toxoplasmatica; Kokzidiose; Komplementbindungsreaktion; Sabin-Feldman(-Farbstoff)-Test; Toxoplasma

© Urban & Fischer 2003 – Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl.