Die Antibabypille enthält die beiden weiblichen Sexualhormone Östrogen (Follikelhormon) und Gestagen (Gelbkörperhormon). Sie entfaltet ihre Hauptwirkung zur Empfängnisverhütung (Kontrazeption), indem sie im Gehirn die Bildung von Botenstoffen hemmt, die normalerweise für den Eisprung (Ovulation) erforderlich sind.
Man bezeichnet sie deshalb auch als Ovulationshemmer. Ohne Eisprung
kann keine Eizelle befruchtet werden, und eine Schwangerschaft wird somit verhindert. Zusätzlich bewirkt das Gestagen
eine Veränderung des Schleimpfropfes im Muttermund, sodass die männlichen Samenzellen (Spermien) nicht mehr in die Gebärmutterhöhle aufsteigen können.
Die sogenannte Minipille enthält nur das Hormon Gestagen und wirkt ausschließlich über die Veränderung des Schleimpfropfes.
Wann darf die Pille nicht genommen werden?
Unter bestimmten Voraussetzungen sollte die Antibabypille nicht eingenommen werden:
- Erhöhtes Thromboserisiko
- Gerinnungsstörungen
- Venenentzündungen
- Ausgeprägte Krampfadern
- Herzgefäßverkalkungen
- Herzfehler
- Brustkrebs und andere hormonabhängige Tumoren
- Leberschäden
- Bauchspeicheldrüsenentzündung
- Starkes Übergewicht
- Bluthochdruck
- Zuckerkrankheit
- Schwangerschaft
Bei ungeklärten Störungen der Regelblutung muss der Arzt erst die Ursache finden, bevor er die Pille verordnet.
Ob im Einzelfall auch bei vorliegenden Risikofaktoren eine Pilleneinnahme möglich ist, sollte jede Frau individuell mit ihrem/ihrer Frauenarzt/-ärztin abwägen.
Welche Nebenwirkungen hat die Pille?
Im Allgemeinen kommen schwere Nebenwirkungen der Antibabypille selten vor. In den ersten Monaten kann es zu Zwischenblutungen kommen. Einige Frauen leiden unter anderem unter Migräne, Stimmungsschwankungen und Depressionen, Gewichtszunahme, Wassereinlagerung, Übelkeit oder Brustspannen.
Ob die jahrelange Einnahme der Pille negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann, wird noch immer diskutiert. Eine Erhöhung des Brustkrebsrisikos wurde bisher nicht nachgewiesen. Beobachtet wurde eine Verminderung bösartiger Tumore der Gebärmutterschleimhaut und der Eierstöcke.
Bei Frauen über 35 Jahre, insbesondere bei Raucherinnen oder bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren, muss jedoch mit einem erhöhten Risiko für Venenthrombosen, Herzinfarkten und Schlaganfällen gerechnet werden. Der Östrogenanteil der Pille kann die Entstehung von Gallensteinen fördern.
Wie sicher ist die Pille?
Die Pille schützt sehr zuverlässig vor einer ungewollten Schwangerschaft. Bei regelmäßiger Einnahme der Pille wird maximal eine von hundert Frauen ungewollt schwanger.
Voraussetzung für die zuverlässige Wirkung ist, dass die Pille regelmäßig und möglichst immer zur gleichen Tageszeit eingenommen wird. Einnahmefehler oder besondere Umstände wie Erbrechen oder Durchfall und die zusätzliche Einnahme von Medikamenten, zum Beispiel Antibiotika, können die Wirksamkeit der Pille herabsetzen.
Welche unterschiedlichen Antibabypillen gibt es?
Je nachdem, nach welchem Schema Östrogene und Gestagene miteinander kombiniert werden, und in welcher Dosierung sie vorliegen, unterscheidet man folgende Antibabypillen:
- Die Einphasenpille enthält in allen 21 Dragees die gleiche Kombination von Östrogen und Gestagen. Danach folgt eine siebentägige Einnahmepause.
- Die Zweiphasenpille (Sequenzpräparat) enthält in den ersten sieben Tagen nur Östrogene und in den restlichen 14 Dragees zusätzlich auch Gestagen.
- Die Dreiphasenpille enthält Östrogen und Gestagen in Konzentrationen, die dem weiblichen Zyklus angepasst sind.
- Die Minipille besteht nur aus Gestagenen.
- Die Mikropille enthält nur eine geringe Menge an Östrogen und dafür entsprechend mehr Gestagen. Diese Pille wird wegen der geringen Hormonkonzentrationen am besten vertragen und daher auch am häufigsten verordnet.
- Seite 1: Wie wirkt die Antibabypille?
- Seite 2: Häufige Fragen zur Pille
Autor: Andreas Becher; Dr. med. Martina Waitz, erstellt am 20.01.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Marina Hille am 29.08.11
Quelle: Bopp, A.: Handbuch Medikamente. Stiftung Warentest (2000); Goerke, K.: Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer, 5. Auflage, 2000; Lüllmann, H.: Pharmakologie und Toxikologie. Thieme (1999); Pfleider, A.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, 4. Auflage, 2001; Dietrich, K.; Holzgreve, W.; Jonat, W.; Schulte-Mosgau, A.; Schneider, K.; Weiss, J.: Gynäkologie & Geburtshilfe. 2. Aufl. Heidelberg: Springer-Verlag, 2007; Haag, P; Hanhart, N.; Müller, M.: Gynäkologie und Urologie für Studium und Praxis 2007/08. 3. Aufl. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, 2006

