Wird die Haut und darunter liegende Blutgefäße durch mechanische Gewalt (Sturz, Schnitt, Stich, Biss) verletzt, tritt Blut aus der Wunde. Man spricht von einer äußeren Blutung.
Was ist eine äußere Blutung?
Sind nur die kleinsten Blutgefäße der obersten Hautschicht beschädigt, ist der Blutverlust gering. Gefahr durch Verbluten besteht, wenn größere Blutgefäße, zum Beispiel durch tiefe Schnitt- oder Stichwunden, verletzt sind.
Für Erwachsene wird ein Blutverlust von einem Liter lebensbedrohlich, bei Kindern sind schon geringere Mengen gefährlich.
Bei größeren Blutgefäßen, die direkt unter der Haut liegen (Halsschlagader, Pulsadern am Handgelenk), reichen bereits flache Schnittwunden für eine stark blutende Verletzung aus.
Aus verletzten Arterien spritzt das Blut manchmal synchron zum Puls, da mit jedem Herzschlag Blut nach außen gepumpt wird. Bei venösen Blutungen fließen, je nach Größe der Vene, unterschiedliche Mengen Blut gleichmäßig nach außen.
Was geschieht mit der verletzten Person?
- Bei kleinen, schwach blutenden Wunden stehen für den Betroffenen die Schmerzen im Vordergrund.
- Bei starken Blutungen steht der Blutverlust im Vordergrund.
- Bei Blutungen droht ein Blutungsschock: Der Betroffene ist blass, friert und auf der Stirn erscheint kalter Schweiß.
- Der Blutende ist zunächst unruhig, später kann er das Bewusstsein verlieren.
- Der Puls ist schnell und kann teilweise nur noch an der Halsschlagader ertastet werden.
- Der Blutdruck fällt ab.
- Kann die Blutung nicht gestoppt beziehungsweise der Kreislauf nicht stabilisiert werden, kommt es zum Kreislaufzusammenbruch und Herz-Kreislauf-Stillstand.
- Bei jeder Blutung aus einer offenen Wunde besteht auch eine Infektionsgefahr.
- Bei einer kleinen Blutung ist häufig auch nur der Schreck so groß, dass der Betroffene blass wird und sich setzen muss.
Wie kann man bei einer Blutung Erste Hilfe leisten?
- Ziehen Sie sich zuallererst Einmalhandschuhe an!
- Ist die Blutung gering, reicht es aus, die Wunde keimfrei abzudecken. Bei kleinen Schnitten reicht ein Wundpflaster, bei größeren Wunden sollte die Wunde mit einer Auflage abgedeckt werden.
- Vermeiden Sie direkte Berührungen der blutenden Wunde! Die Säuberung der Wunde sollte nur durch den Arzt erfolgen!
- Steckt ein Fremdkörper in einer Wunde (Messer, Schraubenzieher et cetera), ziehen Sie ihn nicht heraus, da es beim Herausziehen zu einer plötzlichen, starken Blutung kommen kann! Der Fremdkörper wird erst im Krankenhaus, gegebenenfalls erst im Operationsraum entfernt!
- Bei stark blutenden Wunden stellt der Blutverlust eine große Gefahr für den Betroffenen dar. Legen Sie den Patienten hin und versuchen Sie, die Blutung zu stillen!
- Blutungen am Arm können gestoppt werden, indem Sie die zuführende Arterie in der Muskellücke an der Innenseite des Oberarmes mit vier Fingern Ihrer Hand fest gegen den Oberarmknochen abdrücken!
- Wenn Sie diese Arterie nicht finden, drücken Sie fest mit einer Kompresse oder einem Tuch auf die blutende Wunde!
- Holen Sie, wenn möglich, einen zweiten Helfer hinzu!
- Bei Blutungen aus Armen oder Beinen heben Sie die entsprechende Extremität an, ohne dabei den direkten Druck auf die Blutungsquelle zu vermindern!
- An Armen und Beinen können Sie anschließend einen Druckverband anlegen.
- Rufen Sie den Rettungsdienst! Wählen Sie den Notruf 112!
- Kontrollieren Sie regelmäßig Atmung, Kreislauf und Bewusstsein des Betroffenen!
- Bestehen Schockzeichen, lagern Sie ihn bitte in Schocklage!
- Ist er bewusstlos, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage! Auch in der stabilen Seitenlage können die Beine etwas angehoben werden (Schräglage).
- Decken Sie den Patienten mit einer Rettungsdecke ? alternativ mit einer Jacke oder Wolldecke zu, damit er nicht friert!
- Beruhigen Sie den Betroffenen und bleiben Sie bei ihm, bis der Notarzt eintrifft!
Autor: Uli Kraft; Dr. med. Martina Waitz, erstellt am 28.10.04; zuletzt aktualisiert am 12.09.11