Die operative Entfernung der Brust (Mastektomie) ist eine Möglichkeit zur Behandlung von Brustkrebs. Hierbei werden die gesamte Brustdrüse einschließlich der dazugehörigen Haut und der Brustwarze sowie die Achselhöhlenlymphknoten entfernt.
Brustkrebs ist mit jährlich circa 47.000 Neuerkrankungen in Deutschland die häufigste bösartige Krebserkrankung der Frau. Bei etwa 30 Prozent der Patientinnen lässt sich eine Mastektomie nicht vermeiden.
Für die Frau bedeutet der Eingriff oft auch eine große psychische Belastung. Heute ist es jedoch möglich, durch die Wiederherstellung der Brust bereits während der Operation oder auch zu einem späteren Zeitpunkt ein gutes kosmetisches Ergebnis zu erzielen. Die rekonstruktive Chirurgie hat in den vergangenen Jahren verschiedene Verfahren entwickelt, die eine naturgetreue Nachbildung der Brust ermöglichen.
Was sind die Gründe für eine Brustentfernung?
Die Entfernung der Brust aufgrund einer Brustkrebserkrankung wird immer dann empfohlen, wenn sie bessere Heilungs- und Überlebenschancen bietet als eine brusterhaltende Behandlung. Die Entscheidung darüber treffen der Arzt und die aufgeklärte Patientin in einer gemeinsamen Diskussion. Der behandelnde Arzt informiert vorher über alle Therapiemöglichkeiten und die Risiken der Operation.
Das Ziel brusterhaltender Behandlungskonzepte besteht darin, die Konsistenz und das Erscheinungsbild der Brust nach Möglichkeit zu erhalten, ohne die Chancen auf Heilung und das Leben der Patientin zu gefährden.
Ob eine brusterhaltende Operation möglich ist, hängt von zahlreichen technischen und biologischen Faktoren ab. Dank verbesserter Operationstechniken und neuer Medikamente können heute 70 Prozent aller Brustkrebsoperationen brusterhaltend durchgeführt werden.
Die Brustentfernung (Mastektomie) wird erwogen, wenn die Patientin dieses Vorgehen nach eingehender Beratung vorzieht, oder wenn
- Tumorknoten an mehreren Stellen in der Brust sind,
- der Tumor größer als drei Zentimeter ist,
- der Tumor in die Brustwand oder Haut eingedrungen ist,
- der Tumor die Brustwarze befallen hat.
Unter welchen Umständen kann die Brust vorbeugend entfernt werden?
Die vorbeugende Entfernung der Brust (prophylaktische Mastektomie) erfolgt, ohne dass ein Brustkrebs festgestellt wurde. Sie muss in folgenden sehr seltenen Fällen in Betracht gezogen werden:
- extrem gehäuftes Auftreten von Brustkrebs in der Familie mit Nachweis von Brustkrebsgenen (BRCA 1 oder BRCA 2),
- ausgedehnte Vorformen von Brustkrebs in der Brust,
- Auftreten von Brustkrebs in der anderen Brust,
- Notwendigkeit mehrerer Gewebeentnahmen an verschiedenen Stellen der Brust.
Vor einem solchen Eingriff sollten ausführliche Gespräche in einer spezialisierten Tumorrisiko-Sprechstunde mit Gynäkologen, Humangenetikern und Psychologen stattfinden, um den Nutzen gegen die Risiken abzuwägen und sich anschließend sicher für oder gegen den Eingriff entscheiden zu können.
Wie wird eine Brustentfernung durchgeführt?
Standard-Operationsverfahren zur Brustentfernung ist die sogenannte modifiziert radikale Mastektomie. Bei dieser Operation entfernt der Chirurg die gesamte Brustdrüse und die sie umgebenden Bindegewebshüllen, ebenso die Brustwarze sowie überschüssige Haut, falls sie nicht für eine nachfolgende Aufbauplastik benötigt werden.
Die Brustmuskulatur unterhalb der Drüse wird wenn möglich nur teilweise und nur dann entfernt, wenn der Tumor bereits in die Bindegewebshülle der Brustmuskulatur eingebrochen ist. Bestandteil der Operation ist auch die Entfernung der Lymphknoten aus der Achselhöhle der betroffenen Seite. Die entnommenen Gewebe werden im Labor genau auf Krebszellen untersucht.
Noch in derselben Operation kann ein Wiederaufbau der Brust durchgeführt werden. Wenn die Frau es wünscht oder wenn eine anschließende Strahlenbehandlung der Brust geplant ist, kann die Rekonstruktion auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.
Welche Komplikationen können auftreten?
Allgemeine Komplikationen der Operation sind Nachblutungen und Infektionen. Je nach Operationsverfahren können weitere Risiken wie Gefäß- und Nervenverletzungen hinzukommen.
Werden Kunststoffimplantate eingesetzt, kann sich eine derbe Bindegewebskapsel um das Implantat bilden. Dies kann zu einer schmerzhaften Spannung der rekonstruierten Brust führen, das kosmetische Ergebnis verändern und somit eine Entfernung beziehungsweise den Ersatz nötig machen. Gewisse Risiken der Muskel-Lappen-Rekonstruktion bestehen, wenn das Transplantat aufgrund unzureichender Blutversorgung nicht richtig einwächst.
Eine starke Narbenbildung kann zu Einschränkungen der Beweglichkeit führen oder kosmetisch störend sein. Auch können Behinderungen des Lymphstroms durch die Entfernung der Achsellymphknoten zu einer Schwellung des Armes führen.
- Seite 1: Was ist eine Brustentfernung?
- Seite 2: Welche Möglichkeiten der Brustrekonstruktion gibt es?
Autor: Jochen Niehaus; Ulrich Kraft, erstellt am 12.07.10; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Marina Hille am 29.08.11
Quelle: Tumorzentrum München an den Medizinischen Fakultäten der Ludwigs-Maximilians-Universität und der Technischen Universität München (Prof. Dr. med. Hansjörg Sauer): · Empfehlungen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Mammakarzinome. (8. Auflage 2001); Medizinischen Universitätsklinik der Charité, Berlin, Onkologie und Hämatologie (Prof. Dr. med. K.W. Possinger): Onkologische Leitlinien für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms; Dietrich, K.; Holzgreve, W.; Jonat, W.; Schulte-Mosgau, A.; Schneider, K.; Weiss, J.: Gynäkologie & Geburtshilfe. 2. Aufl. Heidelberg: Springer-Verlag, 2007; Haag, P; Hanhart, N.; Müller, M.: Gynäkologie und Urologie für Studium und Praxis - 2007/08. 3. Aufl. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, 2006

