Allen gerinnungshemmenden Medikamenten ist gemeinsam, dass sie auf die Gerinnungsfähigkeit des Blutes wirken und so nach Möglichkeit die Ausbildung eines Blutpfropfes, eines sogenannten Thrombus, verhindern. Im Volksmund werden diese Präparate auch als "Blutverdünnungsmittel" bezeichnet.
Die Gerinnungsfähigkeit des Blutes ist lebenswichtig, um bei Verletzungen ein Verbluten zu verhindern. Die Blutgerinnung
ist ein äußerst komplexer Vorgang, bei dem eine Vielzahl verschiedener Gerinnungsfaktoren und Co-Faktoren beteiligt sind. Einer dieser Co-Faktoren ist das Vitamin K. Gerinnungshemmende Medikamente vom Cumarintyp, zum Beispiel Phenprocoumon, blockieren den Gerinnungsprozess, indem sie die Bildung der sogenannten Vitamin K-abhängigen Gerinnungsfaktoren vermindern. Wird eine Therapie mit diesen Medikamenten begonnen, dauert es einige Tage, bis sie voll wirksam ist, da zunächst die bereits vorhandenen Gerinnungsfaktoren aufgebraucht werden.
Wann wird eine gerinnungshemmende Therapie durchgeführt?
Bei bestimmten Erkrankungen kann es zu einer spontanen Blutgerinnung und damit zu Blutgerinnseln kommen, die zu einem Gefäßverschluss führen, sogenannten Thrombosen und Embolien. Zur Behandlung und Vorbeugung solcher Ereignisse wird die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabgesetzt.
Die wichtigsten und häufigsten Anwendungsgebiete sollen hier kurz erläutert werden.
Thrombose und Embolie
Bei der Thrombose bildet sich ein Blutpfropf (Thrombus) in den Blutgefäßen. Meist sind die tiefen Beinvenen betroffen. Eine große Gefahr besteht darin, dass sich ein Teil eines solchen Thrombus löst und mit dem Blut in ein anderes Organ fortgeschwemmt wird, wo er ein Blutgefäß verschließen kann (Embolie, zum Beispiel Lungenembolie). Eine gerinnungshemmende Therapie ist ein wesentlicher Bestandteil der Vorbeugung und Langzeitbehandlung.
Abhängig von der Schwere der Lungenembolie und/oder der Lokalisation der Thrombose, zum Beispiel im Ober- oder Unterschenkel, werden unterschiedliche Zeiträume für eine gerinnungshemmende Behandlung empfohlen, um erneute Blutgerinnsel zu verhindern. Diese reichen im Durchschnitt von drei Monaten bis zu zwei Jahren. In speziellen Fällen, zum Beispiel bei wiederholten Lungenembolien, kann auch eine lebenslange Therapie notwendig sein.
Herzklappenersatz
Bei künstlichen Herzklappen aus Kunststoff ist eine lebenslange gerinnungshemmende Behandlung unbedingt notwendig, da sich sonst Gerinnsel auf den Herzklappen bilden können. Bei sogenannten Bioklappen, zum Beispiel Schweineklappen, ist eine solche Therapie im Allgemeinen nicht erforderlich.
Herzrhythmusstörungen
Bei bestimmten Herzrhythmusstörungen, zum Beispiel Vorhofflimmern oder stark eingeschränkter Pumpleistung des Herzens, können sich durch den verlangsamten Blutstrom im Herzen ebenfalls spontan Thromben ausbilden, die zu Embolien der Hirngefäße und damit zu einem Schlaganfall führen können.
Auch in diesen Fällen kann bei entsprechendem Risiko eine gerinnungshemmende Therapie notwendig sein.
Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?
Im Allgemeinen ist eine gerinnungshemmende Therapie gut verträglich. Zudem lässt sich die Therapie durch regelmäßige Untersuchungen der Blutgerinnungsaktivität zuverlässig kontrollieren.
Das Hauptrisiko der Behandlung besteht in der verstärkten Blutungsneigung, zum Beispiel bei Verletzungen. Die Blutungsgefahr ist insbesondere dann erhöht, wenn zusätzlich bestimmte Schmerzmittel eingenommen werden, die Acetylsalicylsäure
als Wirkstoff enthalten. Selten können allergische Reaktionen auftreten, die sich mit Juckreiz, Hautausschlag, Brechreiz, Durchfall, Gelenkschmerzen und Blutdruckabfall äußern. Eine schwerere allergische Reaktion ist sehr selten.
Weitere seltene Nebenwirkungen sind Haarausfall und Wundheilungsstörungen sowie Gewebeschäden mit Hautgeschwüren. Diese Nebenwirkungen verschwinden, wenn die Therapie beendet wird.
Wann sollte eine Behandlung mit Cumarinen nicht durchgeführt werden?
Gerinnungshemmende Medikamente sollten nicht bei Erkrankungen mit erhöhter Blutungs- oder Verletzungsneigung eingenommen werden. Auch direkt nach oder kurz vor einer Operation sind die Medikamente wegen der erhöhten Blutungsgefahr verboten. Bestehen Erkrankungen, bei denen der Verdacht auf eine Gefäßverletzung jeglicher Art besteht, zum Beispiel ein Magen-Darm-Geschwür, erweiterte Blutgefäße im Kopf (Hirnarterienaneurysma), unkontrollierter Bluthochdruck oder Augenerkrankungen mit Blutungsneigung, ist ebenfalls von einer solchen Therapie abzusehen.
Bei einem neu aufgetretenen Schlaganfall dürfen gerinnungshemmende Medikamente wegen einer erhöhten Einblutungsgefahr in das geschädigte Hirngewebe nicht eingenommen werden. Einige Zeit nach dem Schlaganfall kann eine gerinnungshemmende Therapie aber zur Verhütung von neuen Schlaganfällen sinnvoll sein.
In der Schwangerschaft und Stillzeit sind die Mittel ebenfalls nicht einzunehmen. Genauso wenig bei einem bekannten Anfallsleiden, zur Vermeidung einer Blutung nach einem Sturz.
Während der Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten ist es wichtig, dass sich der Patient sehr genau an die Anweisungen des Arztes hält, um Komplikationen zu vermeiden.
- Seite 1: Wie wirken gerinnungshemmende Medikamente?
- Seite 2: Welche anderen gerinnungshemmenden Medikamente gibt es?
Autor: Dr. med. Silke Mosebach; Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, erstellt am 24.04.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Marina Hille am 02.04.08
Quelle: Berthold, H.: Klinikleitfaden Arzneimitteltherapie. Urban & Fischer, 2. Auflage, 2001; Forth, W.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer, 2001; Herold, G.: Innere Medizin, Selbstverlag, Herold, Auflage 2007

