Kontinenz bedeutet, Urin willentlich gesteuert zu entleeren. Inkontinenz ist dementsprechend der unwillkürliche Abgang von Urin zu unpassender Zeit und an ungeeigneter Stelle.
Die häufigste Form des Urinverlustes ist die Belastungs-Inkontinenz oder auch Stress-Inkontinenz, eine vornehmlich bei Frauen auftretende Beckenboden- und Schließmuskelschwäche. Diese wird begünstigt durch viele vorausgegangene Geburten. Durch Mangel an weiblichen Hormonen (Östrogene
) bildet sich zudem bei Frauen mit zunehmendem Alter die Schleimhaut im Blasenausgangsbereich zurück, wodurch ein Urinverlust leichter möglich wird. Insbesondere unter Druckbelastung wie Husten, Niesen und Heben schwerer Gegenstände tritt Urinverlust auf.
Eine weitere Form des Urinverlustes ist die Drang-Inkontinenz. Hierbei tritt ein starkes Harndranggefühl unabhängig vom Füllungszustand der Blase auf. Der Betroffene muss häufig zur Toilette. Übersteigt der Druck der Blase die Kraft des Schließmuskels, tritt gleichermaßen bei Tag und Nacht Urinverlust auf.
Alle Erkrankungen, bei denen ein Abflusshindernis eine Blasenentleerungsstörung verursacht, können zu einer Harninkontinenz bei chronischer Harnretention (Überlauf-Inkontinenz) führen. Hierbei bleibt nach jedem Wasserlassen eine kleine Menge Resturin in der Blase zurück. Dieser sammelt sich über einen längeren Zeitraum an, bis die Blase zuletzt maximal gefüllt und überdehnt ist. Bei weiterer Füllung übersteigt der Druck in der Blase die Kraft des Schließmuskels und Urin geht unwillkürlich ab.
Die genannten Inkontinenzformen treten selten in reiner Form auf, Kombinationen sind häufig.
Seltenere Formen der Inkontinenz erfordern meistens eine intensive Abklärung in Fachabteilungen. Dies ist zum Beispiel die Inkontinenz aufgrund angeborener, erworbener oder unfallbedingter Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirns und des Rückenmarkes.
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Autor: Dr. med. Stefan Rütten, erstellt am 20.01.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Marina Hille am 31.08.11
Quelle: Dorner, P.: Harninkontinenz NIERE BLASE PROSTATA AKTUELL 1/99: 2, 1999; Hanno, P.: Clinical manual of Urology. McGraw-Hill, 3rd edition, 2001; Hautmann, R.: Urologie. Springer, 2. Auflage, 2001; Sökeland, J.: Urologie. Thieme, 12. Auflage, 2002; Dietrich, K.; Holzgreve, W.; Jonat, W.; Schulte-Mosgau, A.; Schneider, K.; Weiss, J.: Gynäkologie & Geburtshilfe. 2. Aufl. Heidelberg: Springer-Verlag, 2007; Haag, P; Hanhart, N.; Müller, M.: Gynäkologie und Urologie für Studium und Praxis 2007/08. 3. Aufl. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, 2006

