Die Herzklappen sorgen dafür, dass das Blut im Herzen in die richtige Richtung strömt. Ein Klappenfehler kann die Leistungsfähigkeit des Herzens mit der Zeit so stark einschränken, dass es nicht mehr in der Lage ist, den Körper ausreichend mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen.
Jede der beiden Herzkammern (Ventrikel) besitzt zwei Herzklappen, die als Ein- und Auslassventile dienen. Im linken Herzen befinden sich die sogenannte Mitralklappe und die Aortenklappe. Im rechten Herzen findet man die Trikuspidalklappe und die Pulmonalklappe. Bei einem Herzklappenfehler sind die Klappen entweder verengt, dann spricht man von einer Klappenstenose, oder sie schließen nicht mehr richtig dicht, was als Klappeninsuffizienz bezeichnet wird.
Beide Situationen führen dazu, dass das Herz nicht mehr so effektiv arbeiten kann wie es sollte. Das Herz wird insuffizient (Herzinsuffizienz). Wenn die Beeinträchtigung der Herzfunktion durch den Klappenfehler ausgeprägt ist, kann nur eine Operation der Herzklappen Abhilfe schaffen.
Welche verschiedenen chirurgischen Möglichkeiten gibt es?
Rekonstruktive (klappenerhaltende) Operation
Bei der sogenannten rekonstruktiven Operation versucht der Chirurg, die beschädigte Klappe durch Raffung oder Kalkablösung anatomisch wieder herzustellen (zu rekonstruieren). Dies funktioniert allerdings nur bei leichten Schäden. Sind die Herzklappen schwer vernarbt oder deformiert, ist eine Korrektur nahezu unmöglich. Am häufigsten wird die rekonstruktive Operation bei einer Mitralklappeninsuffizenz angewendet.
Herzklappenersatz
Eine Herzklappenoperation bedeutet fast immer, dass die geschädigte Herzklappe entfernt und durch eine Klappenprothese ersetzt wird. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Die aus hochmodernen Kunststoffen hergestellten mechanischen Klappen arbeiten sehr zuverlässig und haben eine praktisch unbegrenzte Lebensdauer. Deshalb eignen sie sich besonders gut für jüngere Patienten. Durch das körperfremde Material besteht allerdings die Gefahr, dass sich an der Klappe kleine Blutgerinnsel (Thromben) bilden, die dann vom Blutstrom mitgerissen werden und arterielle Blutgefäße verstopfen können. Um diese sogenannten Embolien zu vermeiden, müssen Menschen mit einer Kunststoffklappe lebenslang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.
Eine andere Möglichkeit sind biologische Prothesen. Diese entweder aus Hirnhaut oder aus dem Herzbeutel von Rindern, Pferden oder Schweinen gefertigten Klappen halten allerdings nur acht bis 15 Jahre. Deswegen sind die Bioklappen in erster Linie älteren Patienten vorbehalten. Bei biologischen Prothesen ist eine Gerinnungshemmung
nur in den ersten drei bis sechs Monaten nach dem Eingriff nötig, danach kann man wegen des geringen Embolierisikos auf die Medikamente verzichten.
Als Alternative gibt es die aus Herzen von Organspendern gewonnenen menschlichen Herzklappen. Sie vereinen die Vorteile der biologischen Prothesen mit einer langen Haltbarkeit, sind aber nur selten verfügbar.
- Seite 1: Was versteht man unter einer Herzklappenoperation?
- Seite 2: Wie läuft eine Herzklappenoperation ab?
- Seite 3: Wann muss ein Herzklappenfehler operiert werden?
Autor: Ulrich Kraft; Dr. med. Martina Waitz, erstellt am 20.01.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Marina Hille am 30.08.11
Quelle: Unger, F.: Herzerkrankungen und Interventionsmöglichkeiten. Springer (1997); Harrisons Innere Medizin, 13. Deutsche Ausgabe; AWMF Leitlinien Herzchirurgie, Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (2001); Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (Oktober 2001): Herztransplantation. URL: http://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll-na/011-013.htm; Herold, G.: Innere Medizin, Selbstverlag Herold, 2007.

