Insulin ist ein Hormon, das in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und im Kohlehydratstoffwechsel eine zentrale Rolle spielt.
Es sorgt dafür, dass die aus der Nahrung zugeführte Glukose (Traubenzucker) in die Muskel- und Fettzellen eingeschleust wird. Dort wird Glukose als direkter Energielieferant verwertet oder als Energiespeicher in Form von Glykogen oder Fett angelegt.
Über einen körpereigenen Regelmechanismus wird mithilfe des Insulins der Blutzucker in engen Grenzen konstant gehalten: Ein Blutzuckeranstieg, zum Beispiel nach einer Mahlzeit, regt die Insulinausschüttung an, ein Blutzuckerabfall wie zwischen den Mahlzeiten, bei körperlicher Belastung oder nachts, drosselt die Insulinausschüttung.
Menschen, deren Körper nicht oder in nicht ausreichendem Maß in der Lage ist, Insulin zu produzieren oder zu verwerten, leiden unter der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).
Bestimmte Formen der Diabeteserkrankung sind insulinpflichtig, das heißt die Krankheit lässt sich nur durch regelmäßige Hormongaben therapieren. Dazu gehören der sogenannte Typ-1-Diabetes mellitus, der Schwangerschaftsdiabetes (wenn Diät nicht zu normalen Zuckerwerten führt) sowie der Typ-2-Diabetes, bei dem der Blutzuckerspiegel durch Diät und Tabletten nicht ausreichend gesenkt werden kann.
Welche Insulinarten gibt es?
Zur Behandlung des Diabetes benutzt man heute grundsätzlich sogenannte Humaninsuline, die synthetisch oder gentechnisch hergestellt werden und deren biochemischer Aufbau mit dem des menschlichen Insulins identisch ist.
Man unterscheidet drei Formen von Insulinen.
Kurz wirkendes Insulin
Die Wirkung des kurz wirkenden Normalinsulins setzt 30 bis 45 Minuten nach der Injektion ein und hält circa fünf Stunden an. Um bei diesen Insulinen eine Unterzuckerung zu vermeiden, müssen die Patienten direkt nach der Injektion mit der Mahlzeit beginnen.
Verzögerungsinsulin
Bei den Intermediärinsulinen, einer Gruppe der Verzögerungsinsuline, setzt die Wirkung etwa eineinhalb Stunden nach der Injektion ein. Die Wirkdauer beträgt üblicherweise neun bis achtzehn Stunden.
Eine weitere Form der Verzögerungsinsuline sind die Langzeitinsuline. Sie wirken bis zu 24 Stunden lang. In diese Gruppe fällt auch das Analog-Insulin Glargin, das sich durch eine konstante 24-Stunden-Wirkung ohne Blutzuckerspitzen auszeichnet, nur einmal pro Tag gespritzt werden muss und unabhängig von den Mahlzeiten für einen gleichmäßigen Basisspiegel sorgt.
Mischinsulin
Mischinsuline bestehen aus der Kombination eines kurz wirkenden Insulins und eines Verzögerungsinsulins. Ihr Vorteil besteht darin, dass die Wirkung sowohl rasch einsetzt als auch lange anhält. Dadurch kann die Anzahl der notwendigen Injektionen reduziert werden.
Wie wird Insulin gespritzt?
Insulin wir in der Regel subkutan, also unter die Haut in das Unterhautfettgewebe gespritzt. Nach anfänglicher Übungsphase können die Patienten es sich meist selbst verabreichen. Eine Verabreichung in die Vene wird nur in Notfällen durch den Arzt im Krankenhaus durchgeführt.
Praktische Vorgehensweise
Die Injektion erfolgt mit einer sehr feinen und kurzen Nadel in eine angehobene Hautfalte. Die Haut muss dabei nicht desinfiziert werden. Bevorzugte Injektionsbereiche sind der Unterbauch und die Oberschenkel.
Injektionsgeräte
- Herkömmliche Spritzen: Der Vorteil herkömmlicher Spritzen besteht darin, dass Normal- und Verzögerungsinsulin individuell gemischt und über eine Injektion verabreicht werden können.
- Insulin-Pens: Sie sehen aus wie Füllfederhalter und haben eine feine, kurze, auswechselbare Nadel. Am entgegengesetzten Ende des Pens ist eine Drehvorrichtung. Die Zahl der jeweils ausgeführten Umdrehungen bestimmt, wie viel Insulin bei einer Injektion gespritzt wird.
- Insulinpumpe: Insulinpumpen sind kleine, elektronisch gesteuerte und programmierbare Pumpen, die am Körper getragen werden und über einen dünnen Kunststoffschlauch die zuvor einprogrammierte Dosis Insulin in das Unterhautfettgewebe am Unterbauch abgeben. Es handelt sich also um eine Art elektronische Dauerspritze, deren Spritzmethode die natürliche Insulinabgabe am besten nachstellt. Allerdings erfordert die Pumpentherapie vom Patienten viel Engagement und Eigenverantwortung.
- Seite 1: Was ist Insulin und welche Funktion erfüllt es im Organismus?
- Seite 2: Was muss man beim Umgang mit Insulin beachten?
Autor: Christine Ebbers; Ulrich Kraft, erstellt am 24.04.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Marina Hille am 19.09.11
Quelle: Appel: Bewertungsansätze für Verfahren zur Therapie von Diabetes mellitus (1999); Berger: Diabetes mellitus. Urban & Fischer (2000); Deutsche Diabetes-Gesellschaft (Mai 2002): Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2. http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/057-012k.htm (Stand 14.02.2008); Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, 2007; Gesenhues, S.; Ziesché, R.: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. 5. Aufl. München: Urban & Fischer, 2006.

