Lachen ist die beste Medizin
Der Volksmund hat es immer schon gewusst. Heute beschäftigt sich ein ganzer Wissenschaftszweig mit diesem Thema, die Gelotologie. Humorforscher und Mediziner finden immer mehr Belege dafür, dass Heiterkeit und Lachen gesund sind und Heilungsprozesse fördern können.
Lachen stärkt das Immunsystem
Aus eigener Erfahrung kann jeder nachvollziehen, dass Lachen befreit und deshalb gegen Stress wirkt. Es baut Verkrampfungen ab, bringt den Kreislauf in Schwung und stimuliert das Gehirn und das Immunsystem.
Welche Nervenreaktionen das Lachen im Gehirn auslöst, ist noch nicht genau bekannt. Fest steht, dass fröhliches Lachen die Produktion körpereigener Abwehrstoffe erhöht. Lachen drosselt die Produktion des Stresshormons Kortison und setzt sogenannte Endorphine frei, körpereigene Glückshormone.
Lachen kann sogar Schmerzen lindern. Viele Patienten berichten, dass sie nicht nur während einer Heiterkeitsattacke, sondern auch danach weniger Schmerzen verspüren. Dieser Effekt konnte allerdings bislang noch nicht anhand von messbaren Reaktionen belegt werden.
Lachen ist gut fürs Herz
Humor beugt Herzerkrankungen und Schlaganfall vor. Dies konnte eine Studie der Universität Maryland (USA) bestätigen. Herzkranke Patienten zeigten sich dieser Untersuchung zufolge deutlich humorloser als gesunde.
Ähnliches berichteten Forscher der Medizinischen Universitätsklinik München: Nach ihren Untersuchungsergebnissen verschlechterte sich eine bestehende bei als verbittert und einsam eingestuften Studienteilnehmern im Vergleichszeitraum von zwei Jahren häufiger als bei fröhlichen, geselligen Patienten mit stabilen sozialen Beziehungen.
Heitere Grundstimmung schützt gegen Stress
Stress wirkt negativ auf die Blutgefäße. Tatsächlich können Menschen mit einer optimistischen und heiteren Grundeinstellung Stressphasen besser bewältigen als Pessimisten. Sie entspannen sich leichter. Sie erfahren außerdem mehr Zuwendung von anderen Menschen. Lachen, Humor, eine positive Ausstrahlung ziehen an.
"Miesepeter" erfahren dagegen wenig Bestärkung von außen, sodass sie bei Stress und in Krisen leicht in eine Abwärtsspirale geraten - gesundheitlich, psychisch und sozial.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht
Wer Missgeschicke mit Humor nimmt, anstatt sie zu beklagen und mit dem Geschehenen nicht hadert, nimmt sie nicht so wichtig. Je größer das Unglück, je ernsthafter eine Erkrankung, desto schwerer ist es natürlich, gelassen und heiter damit umzugehen. Doch auch wer objektiv nicht viel zu lachen hat, kann für Momente die heilsame, entspannende Wirkung des Gelächters erleben.
Lächeln gegen schlechte Laune
Wer schlechter Stimmung ist und bewusst dagegen anlächelt, wird merken, dass die üble Laune allmählich schwindet. Das Lachen setzt den Lachenden in Bewegung. Ein gespieltes, bewusstes Lächeln bewirkt dabei ähnliche Körperreaktionen wie ein spontanes. Jede Gefühlsregung schlägt sich in der Mimik nieder und die der Mimik entsprechen Muskelbewegungen und Nervenimpulse wirken auf die Gefühle zurück.
Probieren Sie es selbst: Atmen Sie tief durch und lachen Sie. Hinterher wird Ihre Stimme weicher klingen, freundlicher und entspannter. Je herzhafter Sie lachen, desto stärker ist der Effekt.
Therapeutisches Lachen
Die heilende Wirkung des Lachens wurde zuerst in den USA und später auch hierzulande therapeutisch erprobt. In Lachclubs üben sich Teilnehmer in gemeinsamem Gelächter, um Stress abzubauen. Professionell geleitete Humor-Therapiegruppen unterstützen beim Genesungsprozess und können aus Depressionen heraushelfen. Mittlerweile bringen "Clown-doctors" in Krankenhäusern kleine und große Patienten zum Lachen.
"Wie ein lustiger Virus haben sich die Clownvisiten verbreitet", sagt Sigrid Karnath aus Heidesheim. Sie hat sieben Jahre eine Clownschule geleitet und zieht selber als Clownin "Doktor Rosina" über Kinderstationen. Karnath zufolge steigt die Nachfrage nach Clowns, die kranke Kinder aufmuntern, stetig. "Die Lebensenergie der Kinder muss für eine schnellere Genesung mitgepflegt werden", erklärt Doris Kiefer-Beciri, die als "Klecksi" in Berlin und Umgebung arbeitet. Doch nicht nur Kinder, auch Ärzte und Eltern genießen die Ablenkung von der Krankenhausatmosphäre.
Humor als Pflege-Hilfsmittel
Heitere Gelassenheit ist auch im Umgang mit Pflegebedürftigen und Demenzkranken die beste therapeutische Grundhaltung. Humor im Alltag erhöht die Lebensfreude und wirkt gegen Angst und Verbitterung. Lachen macht körperliches Leiden erträglicher, mobilisiert und hilft, sich trotz aller Gebrechen lebendig zu fühlen. Auch für die Pflegenden ist Lachen die beste Medizin gegen Stress und Frust im Arbeitsalltag.
Der Bonner Gerontopsychiater Rolf Hirsch ist Erfinder der "Humorprothesen", mit denen sich die Lachlust in Alten- und Pflegeheimen auf simple Weise steigern lässt. Die Prothesen, ein immer wieder neu gestalteter Witz-Flur, eine Humor-Bibliothek, lustige Gesellschaftsspiele oder ein Lachsack-Einsatz, sollen helfen, die meist wenig lustige Atmosphäre in Alteneinrichtungen zu lockern.
Den Pflegealltag humoristisch aufzumischen, hat sich auch die schweizerische Gesellschaft Humor Care vorgenommen. Deren Gründungsmitglied Iren Bischofsberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Bielefeld, fordert den Einsatz von Alltags-Humor als bewusste Pflege-Intervention. "Die Patientinnen und Patienten sollen unterstützt werden, Lustiges, Amüsantes oder Absurdes zu erleben, zu schätzen und auszudrücken. Auf diese Weise lassen sich Spannungen und Ärger abbauen und schmerzliche Gefühle besser bewältigen."
Ein solches Pflegekonzept ist für die Pflegenden durchaus eine Herausforderung: Es gilt, bei Scherzen den richtigen Ton zu treffen und zu spüren, wann es dem Heimbewohner möglich ist mitzulachen.