Jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens immer wieder und in unterschiedlicher Intensität Schmerzen.
Diese dienen dem Körper als lebenswichtiges Warnsystem, um gefährliche oder zerstörerische Einwirkungen auf den Organismus zu erkennen und wenn möglich zu beseitigen. Überall in der Haut, den Muskeln, Gelenken, Knochen, Geweben und Organen befinden sich spezielle Schmerzrezeptoren. Sie werden erregt, sobald ein mechanischer, thermischer oder chemischer Reiz eine bestimmte Schwelle überschreitet und melden damit dem Gehirn, dass das Gewebe zerstört zu werden droht.
Der medizinischen Definition nach ist Schmerz ein "unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit einer aktuellen oder potentiellen Gewebsschädigung verknüpft ist".
Welche Schmerzformen gibt es?
Da fast der ganze Körper Schmerzen empfinden kann, gibt es sehr viele verschiedene Schmerzformen. Statistisch am häufigsten sind Kopf- und Rückenschmerzen, gefolgt von Ohren- und Bauchschmerzen. Krebspatienten leiden durch den Tumor und seine Tochtergeschwulste sehr häufig unter Schmerzen. Verletzungen und Operationen sind immer mit Schmerz verbunden.
In der Schmerzmedizin werden nach ihrem Charakter drei Arten des Schmerzes unterschieden:
- Somatischer Schmerzen entsteht, wenn Schmerzrezeptoren in der Haut, den Weichteilen, Knochen oder Gelenken erregt werden. Das geschieht beispielsweise durch Zerren, Quetschen oder Erhitzen. Der Schmerz wird dann als brennend, dumpf oder spitz erlebt und ist gut lokalisierbar.
- Neuropathischer Schmerz entsteht, wenn Nervengewebe geschädigt wird. Das kann nach Amputationen, Querschnittslähmungen, Nervenkrankheiten oder einer Gürtelrose der Fall sein. Der Schmerz wird dann in dem gesamten Areal gespürt, das von dem betroffenen Nerven versorgt wird, obwohl die eigentliche Schädigung nur eine bestimmte Stelle betrifft.
- Viszeraler Schmerz entsteht an den inneren Organen, beispielsweise durch Dehnung der Gallenblase oder des Nierenbeckens. Die Schmerzen sind meist dumpf, brennend oder krampfartig und können nicht genau lokalisiert werden. Manchmal strahlt der Schmerz auch in eine andere Körperregion aus. So wird der Herzinfarkt oft als Schmerz im linken Arm empfunden, aber auch als Bauch- oder Zahnschmerz.
Ein wichtiges Kriterium zur Einteilung von Schmerzen ist ihre Dauer. Akute Schmerzen sind auf den Ort der Gewebsschädigung begrenzt.
Krankheiten
Ihr Ausmaß hängt von der Intensität des auslösenden Reizes ab. Wenn der Reiz verschwindet, also beispielsweise wenn eine Verbrennung abheilt, klingen auch die Schmerzen ab.
Chronische Schmerzen variieren zwar in ihrer Intensität, sind aber jeden Tag vorhanden, treten also dauerhaft auf. Nach einer gängigen Definition der Schmerzmedizin gelten Schmerzen als chronisch, wenn sie trotz Therapie nach einem halben Jahr nicht beherrscht werden können.
Tumor- und Rückenschmerzen sind die häufigsten chronischen Schmerzformen.
Wie werden Schmerzen behandelt?
An erster Stelle steht immer die Diagnose und Therapie der Grunderkrankung, die den Schmerz auslöst. Allerdings ist, beispielsweise nach einer Operation oder bei einem inoperablen Tumor, die Beseitigung der Ursachen zumindest zeitweise nicht immer möglich. Doch auch dann muss kein Patient unter Schmerzen leiden, denn der modernen Medizin stehen genügend wirksame Verfahren zur Schmerzbekämpfung zur Verfügung.
Eine optimale Schmerztherapie besteht meist aus verschiedenen Bausteinen. Grundpfeiler sind immer schmerzlindernde Medikamente, sogenannte Analgetika. Nervenblockaden besitzen bei einigen Krankheitsbildern in der Schmerztherapie ebenfalls einen hohen Stellenwert. Bei diesen Maßnahmen wird ein örtliches Betäubungsmittel, manchmal kombiniert mit Schmerzmitteln oder abschwellenden Medikamenten, in die Region gespritzt, in der ein schmerzender Nerv verläuft. Meist führt der Arzt die Therapie mehrmals durch.
Ergänzende schmerzlindernde Methoden wie Krankengymnastik, Massagen und Entspannungstraining runden die Behandlung ab.
Psychologische Therapien in der Schmerzbehandlung beinhalten außerdem Schmerzbewältigungstechniken oder suggestive Verfahren, zum Beispiel die Hypnose.
- Seite 1: Was sind Schmerzen?
- Seite 2: Die wichtigsten Medikamente der Schmerztherapie
- Seite 3: Warum ist eine effektive Schmerztherapie so wichtig?
Autor: Ulrich Kraft, erstellt am 24.04.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Julia Hofmann am 29.09.11
Quelle: Zerner, L.: Pharmakotherapie Schmerzen. Spitten Verlag (1998); Zenz, M.: Lehrbuch der Schmerztherapie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (1998);Internetauftritt der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. (2008).http://www.stk-ev.de/ (Stand 25.02.2008).

