Thalasso-Therapie (Meerestherapie) ist eine über 100 Jahre alte Behandlungsidee. Entwickelt wurde die Methode an der französischen Atlantikküste, heute ist sie auch in Deutschland etabliert.
Ärzte und Therapeuten behandelten bereits im 19. Jahrhundert Hautkrankheiten, Atemwegsprobleme, Tuberkulose sowie Herz- und Gefäßerkrankungen mit Seebädern. Im 20. Jahrhundert schickten Mediziner dann vor allem Kinder mit Abwehrschwäche in das Reizklima der Nord- oder Ostsee.
Thalasso-Therapie wird heute definiert als die "gleichzeitige Anwendung aller Elemente des Meeresmilieus unter ärztlicher Kontrolle". In Original-Thalasso-Zentren ist das Meer in unmittelbarer Sichtweite. Denn nicht allein die Bäder und Anwendungen tragen zur Erholung bei, sondern auch das gesunde Reizklima, frische Luft und viel Bewegung.
Allround-Heilmittel Meereskur
Eine Thalasso-Kur soll das Immunsystem stärken, den Stoffwechsel anregen und auch ansonsten vielfältige positive Wirkungen auf den Organismus haben: Die Therapie wird empfohlen bei Stress, zur Steigerung des Wohlbefindens, zur Entspannung, bei Rheuma, Beschwerden des Bewegungsapparates, allgemeinen Erschöpfungszuständen, Schlafbeschwerden und bei Übergewicht. Daneben gehören zur Thalasso-Therapie kosmetische Anwendungen zur Straffung der Haut oder Packungen, die das Abnehmen unterstützen sollen.
Von der reinen Meerwasserbehandlung hat sich Thalasso inzwischen zur "Heilbehandlung rund ums Meer" entwickelt. Meerwasser-Bäder und Wasser-Druckmassagen gehören genauso dazu wie Algen- und Schlickpackungen, Unterwasserübungen im Meerwasserpool und Dampfbäder. Pro Tag sind vier verschiedene Anwendungen üblich, eine ausgiebige Kur dauert sechs Tage.
Sprudelbad und Algenbrei
Ein elementarer Bestandteil der Salzwasser-Kur ist das Sprudelbad. Dabei werden als Badezusatz pulverisierte Algen im warmen Meerwasser gelöst. Sauerstoffdüsen massieren den Körper von Kopf bis Fuß und sorgen für Entspannung. Die im Meerwasser und den Algen enthaltenen Spurenelemente und Mineralien mit antibiotischer sowie entzündungshemmender Wirkung sollen durch die Haut in den Körper eindringen und auf den Organismus wirken. Gesund soll das Meerwasser auch deshalb sein, weil es chemisch dem menschlichen Blutplasma
sehr ähnlich ist.
Meeresschlamm und Algenbrei sind sehr mineralreich, wirken muskelentspannend, straffen die Haut und machen sie geschmeidig. Eine Schlammpackung aus dem Meer wird bei Rücken- und Gelenkbeschwerden, Arthrose und Arthritis sowie zu kosmetischen Zwecken eingesetzt. Dass der mineralische Schlamm gegen Cellulite wirkt, stimmt allerdings nicht. Zur Straffung des Bindegewebes der Haut hilft dagegen eher Aquagymnastik.
Sport am und im Meer
Gymnastik im erwärmten Meerwasser ist eine weitere wichtige Säule der Thalasso-Therapie. Dabei werden Muskelkraft und Ausdauer auf sehr gelenkschonende Weise trainiert: Der starke Auftrieb des salzhaltigen Wassers ermöglicht ein Training in nahezu schwereloser Umgebung.
Nicht zuletzt haben Strandwanderungen, Gymnastik und Ballspiele am Strand eine vitalisierende Wirkung auf den Körper.
Aerosol-Behandlung
Die Atmosphäre eines Spaziergangs am Strand wird bei der sogenannten Aerosol-Behandlung künstlich hergestellt: Aus Meerwasser und ätherischen Ölen wird ein Nebelgemisch erzeugt und in speziellen Räumen eingeatmet. Der "Küstennebel" befreit die Atemwege, stärkt die Widerstandskräfte und ist auch bei Lungenkrankheiten hilfreich.
Wer körperlich jedoch zu langen Strandwanderungen in der Lage ist, sollte diese vorziehen, weil die Bewegung den Gesundheitseffekt verstärkt.
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Autor: Sabine Keller, erstellt am 12.09.06; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Julia Hofmann am 05.09.11
Quelle: Verband Deutscher Thalasso-Zentren, Deutscher Heilbäderverband, Universität Kiel, dpa/gms

