Wiederbelebung mit Herzmassage und Atemspende

Internationale Experten empfehlen seit November 2005 bei der Ersten Hilfe durch Laien und professionelle Helfer eine neue Taktung bei der Wiederbelebung.

 

Das Ziel der neuen, überarbeiteten Richtlinien zur Notfallversorgung und Wiederbelebung ist mehr Menschenleben durch effektivere Erste Hilfe zu retten.

 

Bei Atem- und Kreislaufstillstand soll das Verhältnis von Herzdruckmassage zu Beatmung generell von bisher 15:2 auf jetzt 30:2 (30 Kompressionen des Brustkorbs pro zwei Atemstöße durch Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung) erhöht werden. Diese neue Regel sollte auch angewendet werden, wenn zwei Helfer zur Stelle sind. Einzige Ausnahme ist die Wiederbelebung von Kindern (außer Neugeborenen) durch zwei professionelle Helfer, wo weiterhin ein Verhältnis von 15:2 angezeigt ist.

 

Außerdem sollen die Laien-Ersthelfer nicht mehr nach komplizierten Zeichen für einen Herz-Kreislauf-Stillstand suchen, bevor sie eine Herzmassage beginnen. Denn diese sind für Ungeübte nur schwer mit Sicherheit zu bestimmen. Wenn ein Mensch nicht reagiert und nicht normal atmet, sollte mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden. Im Zweifelsfall ist immer die Herzmassage der Beatmung vorzuziehen.

 

Die Atemspende

Die Atmung ist für den Menschen ein lebensnotwendiger Prozess, da sie die Versorgung der Körperzellen mit Sauerstoff gewährleistet. Ist die Sauerstoffversorgung verringert oder fehlt vollständig, nehmen besonders die Hirnzellen rasch Schaden. Die Atmung aufrecht zu erhalten und gegebenenfalls durch eine Atemspende zu unterstützen, gehört deshalb zu den wichtigsten lebensrettenden Maßnahmen.

 

Freimachen und Freihalten der Atemwege

Stellt der Ersthelfer bei der Überprüfung der Lebensfunktionen fest, dass der Patient nicht atmet, sollte er zunächst sicherstellen, dass dessen Atemwege frei sind. Besonders bei auf dem Rücken liegenden Bewusstlosen werden die Luftwege oft durch Zurücksinken der Zunge gegen die Rachenwand verlegt. Durch Überstrecken des Kopfes in den Nacken lässt sich der gefährliche Zustand einfach beseitigen. Dabei fasst die eine Hand des Helfers an die Stirn des Patienten, die andere unter das Kinn. Dann wird der Kopf vorsichtig nach hinten überstreckt.

 

Zusätzlich sollte der Unterkiefer vorgeschoben werden, da sich dadurch der Mund öffnet. Das geht am besten mit dem so genannten Esmarch-Griff: Von hinten legt man die Fingerspitzen beider Hände an den rechten und linken Kieferwinkel, die Daumen umschließen das Kinn. Während die Daumen den Mund öffnen, schieben die Finger den Unterkiefer durch Druck auf den Knochen nach vorne. In dieser Position ist es auch möglich, die Mundhöhle auf Erbrochenes oder Fremdkörper zu untersuchen und diese gegebenenfalls mit dem Finger zu entfernen.

 

Durchführung der Beatmung

Atmet der Patient trotz freier Luftwege nicht, muss die Sauerstoffversorgung durch eine Atemspende aufrechterhalten werden. Die beste Methode ist die Mund-zu-Nase-Beatmung. Dabei kniet der Helfer auf Schulterhöhe seitlich neben dem auf dem Rücken liegenden Patienten. Eine Hand fasst an die Stirn, die andere unters Kinn. Jetzt wird der Kopf nach hinten überstreckt, der Unterkiefer vorgeschoben und der Mund durch Druck mit dem Daumen auf den Bereich zwischen Unterlippe und Kinn verschlossen.

 

Nachdem der Ersthelfer eingeatmet hat, setzt er den Mund über den Nasenöffnungen so auf, dass seine Lippen rund um die Nase des Betroffenen fest und luftdicht abschließen. Dann bläst er seine Ausatemluft mit sanftem Druck in die Nase, setzt ab, atmet erneut ein und wiederholt die Atemspende etwa zehn bis 15-mal in der Minute.

 

Dass die Luft auch in der Lunge ankommt, lässt sich daran erkennen, dass der Brustkorb des Patienten sich hebt. Sollte dies nicht gleich klappen, ist das kein Grund aufzugeben. Vielmehr sollte man dann den Kopf etwas weiter überstrecken und den Beatmungsdruck vorsichtig erhöhen.

 

Wenn Nasenverletzungen die Methode unmöglich machen, kann auch Mund-zu-Mund beatmet werden. Der Helfer überstreckt wiederum den Kopf des Patienten, öffnet aber durch Druck mit dem oberhalb der Kinnspitze liegenden Daumen den Mund. Daumen und Zeigefinger der anderen Hand verschließen die Nase. Der eigene Mund wird dann möglichst dicht über den des Patienten gelegt und die Luft wie bei der Mund-Nase-Technik eingeblasen.

 

Die Atemspende sollte auf jeden Fall solange fortgesetzt werden bis der Arzt oder ein Sanitäter übernimmt. Oft fangen die Patienten auch wieder selbstständig an zu atmen. Auch dann darf man sie auf keinen Fall allein lassen, sondern sollte dabei bleiben und die Atmung regelmäßig kontrollieren.

 

Die Herzdruckmassage

Das Blut hat im Körper die zentrale Aufgabe, alle Zellen mit lebensnotwendigen Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. Treibende Kraft hinter dem permanent zirkulierenden Blutstrom ist das Herz. Setzt es aus oder schlägt nicht mehr effektiv, bricht innerhalb von kurzer Zeit der Kreislauf zusammen. Die Organe erhalten nicht mehr genug Sauerstoff, was bereits nach wenigen Minuten schwerwiegende Schäden, besonders im Gehirn, verursacht.

 

Den Kreislauf bei Herzstillstand durch eine Herzdruckmassage zumindest teilweise aufrechtzuerhalten, gehört daher neben der Atemspende zu den wichtigsten lebensrettenden Notfallmaßnahmen. Da Herz und Atmung meist gleichzeitig aussetzen, werden die beiden Methoden in der Regel kombiniert. Dann spricht man von einer Herz-Lungen-Wiederbelebung.

 

Das Prinzip

Für den durch die Herzmassage erzeugten Blutstrom sind zwei Mechanismen verantwortlich, die sich gegenseitig ergänzen. Zum einen sorgt das Zusammendrücken des Herzmuskels zwischen Brustbein und Wirbelsäule für eine gewisse Blutzirkulation. Zum anderen verändert sich beim Pressen auch der Druck im gesamten Brustkorb (Thorax), was den Blutkreislauf durch eine Sogwirkung zusätzlich antreibt.

 

Durchführung der Herzdruckmassage

Als erstes legt man den Betroffenen mit dem Rücken flach auf eine harte Unterlage, am besten den Fußboden, und entfernt die Kleidung über dem Brustkorb. Jetzt gilt es den richtigen Druckpunkt zu finden, denn nur dort ist die Herzmassage wirklich effektiv. Anhaltspunkt ist das untere Ende des knöchernen Brustbeins. Am einfachsten tastet man sich mit dem Finger entlang der untersten Rippe bis zur Körpermitte vor. Der richtige Druckpunkt liegt dann exakt in der Mitte des Brustkorbs etwa drei Querfinger (fünf bis sieben Zentimeter) oberhalb des unteren Endes des Brustbeins. Um ihn rasch wiederzufinden, ist es sinnvoll, ihn mit dem Fingernagel oder einem Stift zu markieren.

 

Seitlich neben dem Patienten kniend, setzt der Helfer den Handballen der einen Hand genau auf diesen Punkt, die zweite Hand wird parallel oder über Kreuz auf die am Druckpunkt platzierte Hand gelegt. Die Schultern des Helfers sind über den Druckpunkt gebeugt, seine Arme durchgestreckt, sodass der Druck senkrecht von oben nach unten ausgeübt werden kann. Nur so bringt man genügend Kraft auf, denn bei einem Erwachsenen muss das Brustbein mindestens vier Zentimeter eingedrückt werden. In der Entlastungsphase ist es wichtig, den Druck ganz nachzulassen, damit der Brustkorb wieder in seine Ausgangslage zurückkehren kann. Die Handballen bleiben dabei am Druckpunkt.

 

Etwa 80-100mal in der Minute sollte gedrückt und wieder entlastet werden. Eine kraftraubende Angelegenheit, bei der man sich am besten mit einem anderen Helfer abwechselt. Dieser kann auch den Puls tasten und so kontrollieren, ob die Herzmassage effektiv ist. Manchmal fängt das Herz auch von selbst wieder an zu schlagen. Ist das nicht der Fall, sollte die Herzdruckmassage auf jeden Fall solange fortgesetzt werden, bis der Arzt oder der Rettungssanitäter eintrifft und sich um den Patienten kümmert.

 

 

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