Ist der Patient in Sicherheit gebracht, muss sich der Helfer schnellstmöglich einen Überblick über dessen Zustand machen. Danach richten sich alle weiteren Maßnahmen wie Beatmung und Herzdruckmassage oder die richtige Lagerung.
Prüfen lebenswichtiger Funktionen
Am wichtigsten ist die Kontrolle der lebenswichtigen Funktionen: Bewusstsein, Atmung und Kreislauf. Diese drei - auch Vitalzeichen genannte Funktionen - sind überlebensnotwendig und eine Störung ist fast immer lebensbedrohlich. Der Ersthelfer sollte deshalb die Vitalzeichen nicht nur einmal, sondern in regelmäßigen Abständen kontrollieren. So kann er schnell erkennen, wenn es einem Verletzten schlechter geht.
Laien-Ersthelfer sollten nicht zu viel kostbare Zeit verlieren, indem sie Puls, Atmung oder Bewusstsein überprüfen. In diesem Zeitraum könnten sie bereits lebensrettende Maßnahmen ergreifen. Der europäische Fachverband für Wiederbelebungs- und Notfallmedizin (European Resuscitation Council) empfiehlt Laien daher nicht mehr, den Puls zu tasten, da dieser für Ungeübte nur schwer mit Sicherheit zu bestimmen ist. Wenn ein Mensch nicht reagiert und nicht sicher atmet, kann der Helfer sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.
Notruf 112
Wirkt der Verunfallte bereits in seinen lebenswichtigen Funktionen beeinträchtigt, sollte direkt der Notruff (112) erfolgen.
Damit kann er einem anderen Anwesenden beauftragen oder, wenn er allein ist, es selbst tun. Anschließend beginnt er sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.
Bewusstsein
Das Bewusstsein überprüft der Helfer, indem er wie folgt vorgeht:
- Ansprechen
Der Helfer spricht den Betroffenen an und stellt ihm eine Frage, auf die der Patient einfach antworten kann. So fragt der Helfer beispielsweise, was passiert ist oder ob es dem Patienten gut geht.
Nur wenn der Betroffene klare und logische Antworten gibt, ist er bei vollem Bewusstsein. Erwidert er nichts, muss der Helfer anders versuchen, den Patienten zu „wecken“. - Berührung
So kann er an den Schultern rütteln oder den Betroffenen lauter ansprechen. - Schmerzreize
Reagiert dieser selbst auf Schmerzreize - zum Beispiel kräftig am Brustbein reiben - nicht, ist er bewusstlos.
An dieser Stelle sollte der Ersthelfer nach weiteren Helfern rufen, den Betroffenen auf den Rücken drehen und unverzüglich die Atmung kontrollieren.
Atmung
Die Atmung hat die lebenswichtige Aufgabe, das Blut mit Sauerstoff anzureichern, das dann über den Kreislauf zu allen Körperzellen transportiert wird. Bei einer eingeschränkten Atmung oder gar einem Atemstillstand kommt es zu einer Sauerstoffminderversorgung, die insbesondere das Gehirn rasch schädigt. Daher muss der Ersthelfer die Atmung stets kontrollieren.
Dazu gehört, zu überprüfen, ob die Atemwege frei sind. Der Ersthelfer überstreckt den Kopf des Patienten in den Nacken, öffnet dessen Mund und schaut hinein. Sieht er einen Fremdkörper oder Erbrochenes, entfernt er diese gegebenenfalls mit Handschuhen aus dem Mund. Anschließend kontrolliert der Helfer die Atemtätigkeit.
Ob ein Mensch atmet, kann man hören, sehen und fühlen. Um mit diesen drei Sinnen gleichzeitig die Atmung zu überprüfen, hält der Helfer Wange und Ohr über den Mund des Patienten, richtet den Blick in Richtung Brustkorb und legt die Hand auf den oberen Bauch.
Die Atemkontrolle sollte ausreichend lange andauern, um auch langsame und schwache Atmung zu erfassen, jedoch nicht länger als zehn Sekunden.
Atmet der Verletzte auch bei überstrecktem Kopf nicht normal, muss der Helfer spätestens an dieser Stelle einen Notruf (112) absetzen.
Vorsicht bei Schnappatmung
Sogenannte Schnappatmung tritt bei Herz-Kreislauf-Stillstand auf und darf nicht mit normaler Atmung verwechselt werden! Unter Schnappatmung verstehen Mediziner den Zustand, wenn ein Patient krampfhaft und tief nach Luft schnappt.
Kreislauf
Das Herz ist der Motor oder die Pumpe des Kreislaufs, der die Organe mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Bricht der Kreislauf beispielsweise durch einen Herzstillstand zusammen, ist das - ohne Herzdruckmassage - tödlich.
Die Kontrolle der Kreislauffunktion wird für Laienhelfer nicht mehr empfohlen, weil sie zu viele Fehlerquellen aufweist. So kann man beispielsweise leicht seinen eigenen, in der Aufregung pochenden Herzschlag irrtümlich für den Puls des Patienten halten oder bei der vergeblichen Suche nach einem Puls viel wertvolle Zeit verlieren.
Aus diesem Grund ist für nicht-professionelle Helfer bereits eine fehlende normale Atmung der Startschuss zur Herz-Lungen-Wiederbelebung.
Autor: Uli Kraft; Dr. med. Martina Waitz, erstellt am 14.02.06; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Julia Hofmann; Dr. med. Susanne Holthausen am 12.09.11
Quelle: Wenzel, V. et al.: Die neuen Reanimationsleitlinien 2005 des European Resuscitation Council. In: Der Anästhesist (2006) 55:958-979; Handley, A.J. et al.: European Resuscitation Council Guidelines for Resuscitation 2005 – Section 2. Adult basic life support and use of automated external defibrillators. In: Resuscitation (2005) 67S1:7-23