In einer gesunden Schwangerschaft kommt es durch die erhöhten Stoffwechselvorgänge zu einem um bis zu 50 Prozent gesteigerten Bedarf an Schilddrüsenhormonen.
Daher vergrößert sich die Schilddrüse der Schwangeren, was in gewissem Maße ganz normal ist. Schon die alten Ägypter bewerteten die Zunahme des Halsumfangs als Schwangerschaftszeichen. Normalerweise treten Schilddrüsenfehlfunktionen in der Schwangerschaft nicht auf.
Sehr wichtig ist die ausreichende Jodzufuhr in der Schwangerschaft, da der Jod-Bedarf pro Tag mit 200 Mikrogramm deutlich höher liegt als bei Nicht-Schwangeren. Eventuell ist nach Rücksprache mit dem Arzt sogar eine zusätzlich Gabe von Jod in Tablettenform notwendig, wenn der Bedarf über die Nahrung (jodiertes Speisesalz, Seefisch) nicht gedeckt werden kann.
Durch die ansteigenden Schwangerschaftshormone Östrogen und Humanes Choringonadotropin (HCG) verändern sich auch die Schilddrüsenhormonwerte. Daher reicht es zur Kontrolle der Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft nicht aus, nur das Hormon Thyroidea stimulierendes Hormon (TSH) der Hirnanhangsdrüse zu bestimmen, sondern es müssen die freien Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) im Blut gemessen werden. Außerdem können Ultraschalluntersuchungen der Schilddrüse stattfinden.
Besteht der Verdacht auf eine Schilddrüsenfehlfunktion, zum Beispiel durch ein zu starkes Wachstum der Schilddrüse oder knotige Veränderungen, dann muss dies zum Wohl des Kindes dringend abgeklärt werden. Wichtig ist, dass alle Schilddrüsenwerte sehr engmaschig überwacht werden, da sich durch das wachsende Baby auch der Schilddrüsenstoffwechsel stetig verändert. Die wichtigsten Schilddrüsenerkrankungen während und unmittelbar nach einer Schwangerschaft sind
- Schilddrüsenunterfunktion
- Schilddrüsenüberfunktion
- Struma, auch Kropf genannt
- "Post-Partum"-Thyreoiditis, Schilddrüsenentzündung nach der Entbindung
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Die Ursachen einer mangelnden Bildung von Schilddrüsenhormonen sind vielfältig. Die Gründe liegen meist in einer Schilddrüsenentzündung. Die Beschwerden einer Unterfunktion beginnen oft langsam, uncharakteristisch und schleichend. Bei vermehrter Müdigkeit, Verstopfung, Muskelschmerzen, verminderter körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit und vermehrtem Kältegefühl ist das Vollbild einer Unterfunktion erreicht. Bei einer nicht behandelten Schilddrüsenunterfunktion kommt es häufig zu Empfängnisproblemen, so dass vor einer geplanten Schwangerschaft auf jeden Fall eine adäquate Therapie eingeleitet werden muss. Durch eine Schilddrüsen-Hormonbestimmung aus dem Blut können auch leichte Formen einer Unterfunktion festgestellt werden.
Therapie: Eine Unterfunktion kann sicher mit Schilddrüsenhormon (Tabletten) behandelt werden und die Therapie schadet dem Kind in keiner Weise. Im Gegenteil, nur wenn die Therapie sofort nach Diagnose begonnen wird, besteht keine Gefahr für das Baby. Wird eine Frau schwanger, die bereits wegen einer Unterfunktion behandelt wird, so kann eine geringfügige Dosissteigerung der Medikamente erforderlich werden.
- Seite 1: Die Schilddrüse während der Schwangerschaft
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Autor: Datapharm, erstellt am 01.04.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Barbara Kurzidim am 09.08.11
Quelle: TK-Ärztezentrum / Harrisons Innere Medizin, ABW 2003; Herold G.:Selbstverlag 2006

