"Du musst jetzt für zwei essen." Welche Schwangere hat nicht schon einmal diesen Satz gehört? Doch der gut gemeinte Rat, der meist von der werdenden Oma stammt, ist so veraltet wie unsinnig. Denn schwangere Frauen benötigen vor allem eine ausgewogene Ernährung, die viele Vitamine und Mineralstoffe enthält. Dass in der Schwangerschaft auch bizarre Essgewohnheiten wie Rollmops mit Marmelade entstehen können, ist völlig normal.
Die Ernährung der Mutter spielt für eine gesunde Entwicklung des Kindes eine wichtige Rolle. Denn die mit der Nahrung aufgenommenen Stoffe gelangen über die Nabelschnur zu dem Kind. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt während der Schwangerschaft eine vitamin-, mineralstoffreiche, aber fettarme Ernährung. Der Nährstoffbedarf ist von Anfang an erhöht. Dagegen steigt der Energiebedarf erst ab dem vierten Monat um 300 Kalorien an. Dies entspricht einem Früchtemüsli oder einem Käsebrot mit einem Apfel. Richtig essen in der Schwangerschaft bedeutet: Mehr Obst, Gemüse, Kartoffeln, Vollkorn- und Milchprodukte verzehren, viel trinken und fett- und kalorienreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten meiden.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung macht besonders auf eine ausreichende Versorgung mit Folsäure, Eisen, Vitamin B12, Jod und Kalzium aufmerksam, um eine optimale Entwicklung des Kindes zu gewährleisten.
Folsäure
Schon im ersten Monat, wenn eine Frau von ihrer Schwangerschaft oft noch gar nichts ahnt, ist Folsäure besonders wichtig. Das Vitamin trägt zur gesunden körperlichen und geistigen Entwicklung des Kindes bei. Bei Folsäuremangel besteht die Gefahr eines Neuralrohrdefektes, das heißt, die Hauptbahnen des Zentralnervensystems werden nicht richtig ausgebildet, was zum Fehlen wichtiger Gehirnteile oder Bewegungsstörungen bis zur Lähmung führen kann. Deshalb rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Jede Frau mit Kinderwunsch sollte regelmäßig Weizenkeime, Blattgemüse, Obst und Vollkornprodukte essen. Viele Ärzte raten auch zu einer Supplementation mit 400-800 µg Folsäure.
Vitamin B12
Vitamin B12 wirkt zusammen mit Folsäure. Es ist in tierischen Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch, Geflügel, Milch, Ei und Käse enthalten. Von streng vegetarischer Ernährung für Schwangere und Stillende ist deshalb abzuraten.
Eisen
Eisen ist wichtiger Bestandteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin und des Muskelfarbstoffs Myoglobin. Es ist verantwortlich für den Sauerstofftransport im Körper. Die wichtigste Eisenquelle ist Fleisch. Schwangere sollten daher dreimal in der Woche mageres Fleisch und Wurst verzehren. Von rein pflanzlicher, sogenannter veganer Ernährung in der Schwangerschaft ist abzuraten.
Mit einem Trick lässt sich aber auch die Eisenzufuhr aus Vollkornprodukten oder Gemüse steigern, das in diesen Produkten in einer schlecht verwertbaren Form vorliegt: Gemüse wie Paprika oder Obst zur Mahlzeit fördern durch den Gehalt an Vitamin C die Aufnahme von Eisen in den Körperkreislauf.
Jod
Für die Jodversorgung sind ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche unverzichtbar, ebenso wie jodiertes Speisesalz und damit hergestellte Produkte. Schon ab der 12. Woche entwickelt das Kind Schilddrüsenhormone. Es braucht also für eine optimale körperliche und geistige Entwicklung unbedingt Jod. Bei Schilddrüsenerkrankungen der Mutter, zum Beispiel Überfunktion der Schilddrüse, muss unbedingt der Arzt zu Rate gezogen werden.
Kalzium
Für den Knochenaufbau des Kindes ist Kalzium besonders wichtig. Verzehren Sie deshalb täglich Milch- und Milchprodukte. Ungefähr ein Glas Milch, eine Scheibe Käse und ein Becher Joghurt sind ausreichend.
Energiebedarf pro Tag
Während der Schwangerschaft steigt der mütterliche Grundumsatz um etwa 20 Prozent.
Eine Frau braucht zirka 2100 Kilokalorien/Tag.
Eine Schwangere braucht etwa 2500 Kilokalorien/Tag.
Während des Stillens braucht eine Frau sogar rund 3000 Kilokalorien/Tag.
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Autor: Diplom-Ökotrophologin Alexandra Krotz, erstellt am 11.03.03; zuletzt aktualisiert von Diplom-Ökotrophologin Dr. Gunda Backes am 03.02.09
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung, TK

