Testaufgaben
Auch wenn sie keinen Besuch beim Kinderarzt ersetzen - mit diesen einfachen kleinen Tests können Sie sich ein Bild machen, wie gut Ihr Kind koordinativ entwickelt ist.
Kinder entwickeln sich nicht alle gleich. Manche Kinder können schon mit vier Jahren Fahrrad fahren, andere brauchen dafür noch ein paar Jahre. Die Spannbreite ist also riesig. Wenn Sportwissenschaftler, Mediziner und Ergotherapeuten den Entwicklungsstand von Kindern feststellen wollen, nutzen sie dafür besondere Tests. Sie enthalten für jede Aufgabe Anhaltspunkte, wie viele Kinder in welchem Alter die Aufgabe wie gut bewältigen.
Der Heidelberger Sportwissenschaftler Professor Klaus Roth hat für Eltern von Grundschulkindern eine Auswahl einfacher Spiele und Übungen aus zwei bewährten Testverfahren zusammengestellt. Die beiden ersten Aufgaben stammen aus dem Koordinationstest für Kinder der Sportwissenschaftler Friedrich Schilling und Ernst J. Kiphardt. Die hier angegebenen Zahlen wurden von Professor Roth anhand aktueller Daten hochgerechnet. Die sechs weitere Aufgaben stammen aus der Lincoln-Oseretzky-Skala. Dieser Test wird zum Beispiel in ergotherapeutischen Praxen eingesetzt.
Spätzünder? Bleiben Sie gelassen!
Wenn Sie ein paar von diesen Testaufgaben ausprobieren wollen, bedenken Sie bitte, dass die Ergebnisse immer nur beschränkt aussagefähig sind. Sie ersetzen keine ärztliche oder sportmedizinische Untersuchung. Betrachten Sie die Aufgaben eher als gemeinsames Spiel mit Ihrem Kind, lassen Sie es dabei Spaß haben und loben Sie es, egal, wie gut es die Aufgabe bewältigt.
Jedes Kind hat sein eigenes Tempo
So wie sich das Sprachvermögen, das Sozialverhalten und die Reife unterscheiden, ist auch die Koordination unterschiedlich ausgeprägt. Wenn daher Gleichaltrige motorisch weiter sind als Ihr Kind, ist das kein Grund zur Beunruhigung. Manche Heranwachsende sind einfach „Spätzünder“, in ihren körperlichen Voraussetzungen noch nicht so weit oder hatten noch nicht genug Gelegenheit, sich bewegen zu lernen. Professor Roth rät: "Bleiben Sie also entspannt, aber beobachten Sie die weitere Entwicklung Ihres Kindes aufmerksam. Ermöglichen Sie Ihrem Kind, viele angenehme Erfahrungen mit Bewegung zu machen." Nur wenn Sie merken, dass Ihr Kind bei allen Aufgaben weit von der altersgemäßen Bewältigung entfernt ist, lassen Sie sich am besten fachkundig von einem Kinderarzt, einem Sportlehrer oder einem Übungsleiter Ihres Vertrauens beraten.
Aufgaben aus dem Koordinationstest für Kinder
1. Rückwärts balancieren
Die meisten Kinder können am Anfang der Grundschule sechs Schritte rückwärts auf einem Balken oder einem dünnen Baumstamm balancieren. Eines von zehn Kindern schafft es noch nicht, andere Kinder dagegen balancieren zwölf Schritte und mehr. Am Ende der Grundschulzeit können neun von zehn Viertklässlern elf Schritte rückwärts balancieren, jedes zweite Kind 17 Schritte.
2. Seitwärts über eine Linie hin- und herhüpfen
Über eine Linie auf dem Boden, zum Beispiel einen Strich oder ein Seil, hin- und her hüpfen - das können Mädchen meist besser als Jungen. Neun von zehn Mädchen in der ersten Klasse springen 25mal über die Linie, neun von zehn Jungen schaffen es 20mal. Dabei zählt der Sprung hin als eins, der Sprung her als zwei und so weiter. In der vierten Klasse können neun von zehn Mädchen circa 47mal über die Linie springen, neun von zehn Jungen schaffen 33 Sprünge.
Aufgaben aus der Lincoln-Oseretzky-Skala
Die folgenden Aufgaben kann ein zehnjähriges Kind meist alle bewältigen. Gut wäre es, wenn Ihr Kind in der ersten Klasse zwei, in der zweiten Klasse drei und in der dritten oder vierten Klasse vier dieser Übungen bewältigen könnte.
3. Nase berühren
Im Sitzen Arme und Zeigefinger waagerecht ausstrecken. Augen schließen und dreimal abwechselnd mit den ausgestreckten Zeigefingern die Nase berühren. Dabei bleiben die Augen zu und der Kopf unbewegt. Jeder Zeigefinger berührt zweimal die Nase.
4. Auf einem Bein stehen
Auf dem bevorzugten Standbein stehen. Das ist das Bein, auf dem man es am besten kann. Die Sohle des anderen Fußes gegen die Innenseite des Standbeinknies stellen. Die Augen bleiben zu, die Arme werden nicht zum Balancieren verwendet, und das zweite Bein bleibt an der Innenseite des Standbeinknies.
5. Klopfen im Takt
Im Sitzen mit einem Fuß auf den Boden stampfen. Gleichzeitig mit dem Zeigefinger der gleichen Körperseite auf einen Tisch klopfen. Danach das Gleiche mit dem Fuß und dem Zeigefinger der anderen Körperseite. Finger und Fuß klopfen im gleichen Rhythmus jeweils 20 Sekunden lang.
6. Klopfen und Kreisen
Im Sitzen Arme und Zeigefinger waagerecht nach vorn ausstrecken und mit beiden Beinen abwechselnd auf den Boden stampfen. Gleichzeitig mit den beiden ausgestreckten Zeigefingern Kreise beschreiben, ohne Hand und Unterarm mit zu bewegen. Füße und Finger sollen sich 15 Sekunden gleichzeitig bewegen. Die Kreisbewegung der Zeigefinger ist deutlich zu sehen. Hand und Unterarm bleiben unbewegt.
7. Ball fangen
Einen Ball in der hohlen Hand fangen, der aus drei Meter Entfernung von unten zugeworfen wird. Toll ist es, wenn Ihr Kind mindestens drei von fünf Bällen fängt. Wenn Sie ungenau werfen, zählt der Wurf nicht.
8. Hochspringen mit Händeklatschen
Mit beiden Beinen hochspringen und in der Luft dreimal in die Hände klatschen, bevor man auf den Zehenspitzen wieder landet. Drei Wiederholungen. Ihr Kind hat es mindestens einmal geschafft, dreimal zu klatschen und wieder auf den Zehenspitzen zu landen? Super!