Das menschliche Immunschwäche-Virus (Humane Immundefizienz-Virus, abgekürzt HIV) ist ein Virus, das eine Immunschwäche-Krankheit (acquired immunodeficiency syndrome, abgekürzt AIDS) hervorruft. Die Krankheit ist derzeit nicht heil-, wohl aber behandelbar.
Anfang der 80er Jahre trat in Kalifornien und New York unter homosexuellen Männern eine bis dato unbekannte Erkrankung auf, die sich rasch ausbreitete. Die Betroffenen litten und verstarben vielfach an Infektionen, die bei Menschen mit intakter körpereigener Abwehr (Immunsystem) normalerweise nicht vorkommen.
Daraufhin begann die US-Gesundheitsbehörde mit einer umfassenden Ursachenforschung, bei der sich herausstellte, dass im Blut der Kranken die Zahl der sogenannten T-Helferzellen drastisch vermindert war. Da diese Zellen im Immunsystem eine Schlüsselrolle spielen, war klar, dass eine Schwächung der Immunabwehr für das rätselhafte Krankheitsbild verantwortlich sein musste.
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Zunächst schien die Erkrankung auf männliche Homosexuelle beschränkt zu sein. Als jedoch die ersten Heterosexuellen erkrankten, wurde deutlich, dass die Erkrankung jeden Menschen befallen konnte.
Fachleute waren sich schnell einig, dass der Erreger ein Virus sein müsse. Fast gleichzeitig identifizierten 1983/84 Luc Montagnier am Pasteur-Institut in Paris und der amerikanische Virologe Robert Gallo das sogenannte "human immunodeficiency virus", kurz HIV, als Ursache der neuen Erkrankung. Mit dem Begriff "Aquired Immune Deficiency Syndrome", also "erworbenes Immunschwäche-Syndrom" oder kurz AIDS, erhielt die Krankheit ihren offiziellen Namen.
Wie häufig ist die Erkrankung?
Ende 2009 lebten weltweit etwa 33 Millionen mit dem HI-Virus infizierte Menschen. Von ihnen waren etwa die Hälfte Frauen und etwa 2,5 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Allein im Jahr 2009 haben sich weltweit etwa 2,6 Millionen Menschen neu mit HIV angesteckt, und etwa 1,8 Millionen verstarben im gleichen Zeitraum an AIDS.
In Deutschland lebten Ende 2010 etwa 70.000 HIV-Infizierte (circa 57.000 Männer, 13.000 Frauen und 200 Kinder). 2010 kam es zu etwa 3.000 Neuinfektionen. Im gleichen Jahr wurde in etwa 760 Fällen der Ausbruch der Erkrankung, also die Diagnose AIDS, festgestellt. Etwa 550 Menschen verstarben hierzulande zwischen Januar und Dezember 2010 an AIDS.
In Deutschland hat sich die Zahl der jährlichen Neuinfektionen im Zeitraum von 2001 bis 2007 nahezu verdoppelt. Seit 2007 scheint sich die Zahl der jährlichen HIV-Neudiagnosen in Deutschland zu stabilisieren. Zwei Drittel der Neuinfektionen betreffen Männer, die sexuell mit Männern verkehren. Ursache der Zunahme scheinen ein vermindertes Risikobewusstsein (Verzicht auf Kondome) und die Vorstellung zu sein, die HIV-Infektion sei inzwischen eine einfach zu behandelnde Erkrankung.
AIDS ist weltweit die vierthäufigste Todesursache und damit eines der größten Gesundheitsprobleme unserer Zeit. Besonders in den Entwicklungsländern steigt die Zahl der Infizierten rasant an.
Trotz intensiver Forschungsbemühungen gibt es bisher keine Impfung und keine Heilung. Die derzeit verfügbaren Therapien können die Viren so stark unterdrücken, dass HIV-Infizierte heute eine nahezu normale Lebenserwartung haben.
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- Seite 2: Wie entsteht AIDS?
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- Seite 4: Wie werden HIV-Infektion und AIDS diagnostiziert?
- Seite 5: Wie wird die Krankheit behandelt?
- Seite 6: Welche Erfolgsaussichten hat die Therapie?
- Seite 7: Wie kann man sich vor AIDS schützen?
Autor: Ulrich Kraft; Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, erstellt am 14.07.05; zuletzt aktualisiert von Dr. Judith Neumaier am 25.05.11
Quelle: Harrison, T. R.: Harrisons Innere Medizin. ABW Wissenschaftsverlag (2003); Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2003) / Simon V., Ho D.D., Karim A.:HIV/AIDS epidemiology, pathogenesis, prevention, and treatment. Lancet 2006; 368: 489-504; UNAIDS: AIDS
epidemic update: November 2009 (http://www.unaids.org/en/media/unaids/contentassets/dataimport/pub/report/2009/jc1700_epi_update_2009_en.pdf); HIV and Its Transmission http://www.cdc.gov/hiv/resources/factsheets/transmission.htm (aktualisierte Fassung vom 08.03.2007); Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Gesundheit in Deutschland. http://www.rki.de; Leitlinien der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) und der Österreichischen AIDS-Gesellschaft (ÖAG) in Abstimmung mit weiteren Fachgesellschaften:Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-1-Infektion (Stand: 4.3.2010): http://www.rki.de/cln_116/nn_753398/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Therapie/Leitlinien/D__A__antiretroviral__03__10,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/D_A_antiretroviral_03_10.pdf; UNAIDS Report on the Global AIDS Epidemic (2010). http://www.unaids.org/globalreport/Global_report.htm ; Robert Koch-Institut (Hrg.): Zum Verlauf der HIV-Epidemie in Deutschland bis Ende 2010 und HIV/AIDS in Deutschland – Eckdaten (Stand: Ende 2010): Epidemiologisches Bulletin 46/2010.

