Was ist der Blutdruck?

Arterieller Blutdruck ist der Druck, mit dem das Blut durch die Schlagadern (Arterien) fließt. Er kommt durch die Kraft des Herzens und den Widerstand in den arteriellen Blutgefäßen zustande.

 

Wenn sich das Herz zusammenzieht, wird das Blut in die Arterien gepumpt: Diese Druckwelle kann man auch als Pulsschlag fühlen.

 

Der Druck, der während der Anspannungsphase (Systole) des Herzens in den Arterien herrscht, wird als systolischer Blutdruck bezeichnet. Danach entspannt sich das Herz, damit neues Blut in die Herzkammern fließen kann. Dadurch verändert sich in dieser auch als Diastole bezeichneten Phase der Blutdruck. Der Druck, der während der Entspannungsphase des Herzens weiterhin in den Arterien aufrechterhalten wird, ist niedriger und wird als diastolischer Blutdruckwert bezeichnet.

 

Bei der Blutdruckmessung bestimmt man stets beide Werte. Die Höhe des Blutdrucks wird in Millimeter (mm) Quecksilbersäule (Hg) angegeben.

 

Was ist Hypotonie?

Bei einem normalen Blutdruck beträgt der systolische, also der obere Wert zwischen 100 und 130 mm Hg, der diastolische bzw. der untere weniger als 85 mm Hg. Von einem erniedrigten Blutdruck (arterielle Hypotonie) spricht man, wenn der systolische Wert bei wiederholten Messungen unter 100 bis 105 mm Hg liegt. Der diastolische Blutdruck spielt bei der Hypotonie nur eine untergeordnete Rolle, einigen Fachbeiträgen zufolge sollte er unter 60 mm Hg liegen.

 

Prinzipiell werden zwei Formen unterschieden. Die sekundäre Hypotonie ist Symptom einer Grunderkrankung, beispielsweise einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, einer Störung des Hormonsystems oder eines Nervenleidens. Bei der wesentlich häufigeren primären Hypotonie liegt keine erkennbare Ursache vor. Diese Form wird deshalb auch als essentielle Hypotonie bezeichnet und betrifft vor allem Frauen unter 40. Die primäre Hypotonie kann für die Betroffenen zwar lästig sein, es handelt sich aber in der Regel um einen harmlosen Befund ohne Krankheitswert, der im Gegensatz zum Bluthochdruck (Hypertonie) die Organe nicht schädigt.

 

Eine recht häufige Sonderform der Hypotonie ist die so genannte orthostatische Dysregulation. Dabei handelt es sich um eine Störung der Kreislaufregulation bei einer Veränderung der Körperlage. Menschen, die unter einer orthostatischen Hypotonie leiden, haben in Ruhe meist einen normalen Blutdruck. Beim plötzlichen Aufstehen nach längerem Liegen oder Sitzen fällt ihr Blutdruck aber kurzfristig deutlich ab.

 

Um diese Veränderung festzustellen, wird der Blutdruck zunächst in Ruhe, dann nach vier Minuten in liegender Position gemessen. Wenn eine orthostatische Hypotonie besteht, fällt der systolische Blutdruck nach dem Aufstehen innerhalb von drei Minuten um mindestens 20 mm Hg oder der diastolische Blutdruck um mindestens 10 mm Hg ab.

 

Orthostatische Hypotonien kommen bei etwa jedem vierten über 65-Jährigen vor.

 

Wie macht sich ein Blutdruckabfall bemerkbar?

Die arterielle Hypotonie zieht in der Regel keine schwerwiegenden Symptome nach sich. Treten Beschwerden auf, beruhen sie vor allem auf einer Minderdurchblutung des Gehirns. Dann kann bei Betroffenen die Leistungsfähigkeit eingeschränkt sein, sie ermüden schneller und können sich schlechter konzentrieren, morgens benötigen sie relativ lange, um den Tag mehr oder weniger fit zu beginnen. Depressive Verstimmungen oder Schlafstörungen sind weitere Symptome, die bei einigen auftreten können. Manche haben kalte Hände und Füße.

 

Der plötzliche Blutdruckabfall bei der orthostatischen Hypotonie macht sich vor allem durch Schwindel, Schwarzwerden oder Flimmern vor den Augen bemerkbar, oft beim Aufstehen aus dem Bett oder beim Bücken. Manchmal kommt es auch zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit (Synkope).

 

Begleitend können Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Ohrensausen, Sehstörungen und ein Schwächegefühl auftreten. Auch Herzklopfen, Beklemmungsgefühle oder Schmerzen in der Herzgegend kommen vor.

 

Was ist die Ursache für einen Blutdruckabfall?

Bei der primären Hypotonie, der häufigsten Form, sind keine Ursachen bekannt. Sie kommt vor allem bei jungen, schlanken Menschen, insbesondere Frauen, vor, was darauf schließen lässt, dass die körperliche Konstitution eine gewisse Rolle zu spielen scheint.

 

Die sekundären Hypotonien können zum einen durch Medikamente, längere Bettlägerigkeit oder starken Flüssigkeitsverlust, zum Beispiel bei starkem Schwitzen oder bei länger anhaltendem Brechdurchfall, entstehen. Zum anderen unterstützen Erkrankungen zum Beispiel der Schilddrüse, der Nebennieren oder der Hirnanhangsdrüse die Neigung zu plötzlichen Blutdruckabfällen. Weiterhin kommen auch eine Schwäche des Herzmuskels oder eine Verengung der Hauptschlagader (Aorta) als Ursachen in Frage.

 

Die orthostatische Dysregulation kann auf dem Boden primärer und vor allem sekundärer Hypotonien entstehen. Weitere mögliche Ursachen sind: Venenleiden wie Krampfadern in den Beinen und Nervenschäden zum Beispiel durch eine langjährige Zuckerkrankheit.

 

Welche Komplikationen kann es geben?

Prinzipiell ist die arterielle Hypotonie harmlos und besitzt kaum Krankheitswert. Allerdings können die in einigen Fällen auftretenden oben genannten Symptome einschränkend wirken. Bei der orthostatischen Hypotonie besteht die Gefahr von Verletzungen und Knochenbrüchen, wenn die Patienten durch die eventuell vorkommende kurzfristige Bewusstlosigkeit stürzen.

 

Tritt der Blutdruckabfall in Folge einer organischen Erkrankung auf, insbesondere bei einer eingeschränkten Herzleistung, ist es wichtig die Beschwerden und Situationen, in denen sie auftreten, möglichst genau und vollständig zu schildern und ärztlich abzuklären.

 

Wie wird der Blutdruckabfall festgestellt?

Die Schilderung der Symptome lenkt oft bereits den Verdacht auf einen Blutdruckabfall. Am Beginn der Diagnostik steht ein ausführliches Gespräch, in dem der Betroffene dem Arzt alle Beschwerden schildert sowie über mögliche Begleiterkrankungen, seine Lebensgewohnheiten (Ernährung, Bewegung, Alkohol- und Nikotinkonsum und so weiter) und eine eventuelle Medikamenteneinnahme berichtet.

 

Anschließend erfolgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Der Blutdruck wird zunächst in Ruhe gemessen. Da Blutdruckwerte situationsabhängig stark schwanken können, ist eine wiederholte Messung sinnvoll. So kann man Ausreißer in den Messwerten von krankhaften Zuständen unterscheiden. Zudem kann der Arzt eine Langzeitblutdruckmessung veranlassen, bei der der Blutdruck über einen Zeitraum von 24 Stunden gemessen wird.

 

Zum Nachweis der orthostatischen Hypotonie eignet sich ein Kreislauffunktionstest, der Schellong-Test. Der Patient muss vor der Untersuchung zehn Minuten lang liegen und wird dann gebeten, aufzustehen. Dann werden Blutdruck und Puls zehn Minuten lang jeweils im Abstand von einer Minute gemessen und die Veränderung der Werte wird registriert. Normalerweise dürfen der systolische Blutdruck dabei nicht mehr als 20 mm Hg und der diastolische Blutdruck nicht mehr als 10 mm Hg abfallen.

 

Falls bei dem Betroffenen zusätzlich Bewusstseinsstörungen auftreten oder der Verdacht auf eine organische Ursache, also eine sekundäre Hypotonie besteht, ist eine umfangreichere Diagnostik mit weiteren Untersuchungen zur Abklärung notwendig.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Grundsätzlich muss eine primäre Hypotonie nur dann behandelt werden, wenn sie Beschwerden verursacht. Die Korrektur von Zahlenwerten ist also unnötig. Ein niedriger Blutdruck an sich ist nicht gefährlich. Sind die Blutdruckwerte dauerhaft zu niedrig ohne einen erkennbaren Grund, so bedeutet dies sogar eine höhere Lebenserwartung.

 

Wenn - wie bei der orthostatischen Hypotonie - der Blutdruck plötzlich abfällt, kann der Körper schnell mit Ohnmacht reagieren. Im Liegen kommt es aber zu einer schnellen Erholung der Betroffenen und sie werden rasch wieder wach. Das größte Risiko besteht darin, dass der Betroffene bei einem Blutdruckabfall hinfällt und sich bei dem Sturz unter Umständen schwer verletzen kann. Daher ist eine Behandlung empfehlenswert, wenn ein niedriger Blutdruck Beschwerden verursacht.

 

Falls therapeutische Maßnahmen notwendig werden, besteht das Ziel darin, plötzlichen Blutdruckabfällen vorzubeugen, etwa in dem man den Kreislauf stabilisiert. In vielen Fällen ist dann eine medikamentöse Therapie nicht notwendig.

 

Insbesondere für Menschen mit einer orthostatischen Hypotonie ist das Vermeiden eines plötzlichen Lagewechsels die beste Vorbeugung. Manchmal hilft es auch, im Bett den Kopf tief und die Beine erhöht zu lagern, um so den Rückfluss aus den Beinen zu fördern. Geeignete Maßnahmen sind zudem das Kreuzen der Beine im Stehen oder sich hinzuhocken.

 

Bei einer Neigung zur Hypotonie ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig, insbesondere bei erhöhten Außentemperaturen oder starken Flüssigkeitsverlusten. Zum Kreislauftraining empfiehlt sich regelmäßiger Ausdauersport, zum Beispiel Schwimmen,r Fahrradfahren, Wandern, Tanzen oder Gymnastik. Zusätzlich kann es im Einzelfall sinnvoll sein, unterstützend Massagen und Wechselbäder anzuwenden.

 

Eine tägliche Flüssigkeitszufuhr von etwa zweieinhalb Litern mit natriumreichem Mineralwasser, Tee sowie Säften ist zu empfehlen. Kaffee und schwarzer Tee sind bei einem niedrigen Blutdruck nur vorübergehend hilfreich.

 

Medikamente, die den Blutdruck erniedrigen (zum Beispiel entwässernde Mittel), sollte man - in Absprache mit dem Arzt - nach Möglichkeit vermeiden.

 

Sind diese Maßnahmen nicht ausreichend, kommt eine medikamentöse Therapie in Frage. Diese Medikamente (zum Beispiel Sympathomimetika) erhöhen die Spannung in den Gefäßen und regen das Herz und den Kreislauf an.

 

Als Nebenwirkungen kann es zu Durchblutungsstörungen, Herzrasen und Rhythmusstörungen, zu Übelkeit und anderem kommen. Auch dürfen diese Medikamente bei bestimmten Erkrankungen, wie der Koronaren Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörungen, nicht eingenommen werden.