Was ist das Borderline-Syndrom?

Das Borderline-Syndrom ist eine häufig diagnostizierte Persönlichkeitsstörung. Der englische Begriff Borderline (Grenzlinie) entstand, da die Symptomatik ursprünglich zwischen Psychose und Neurose eingeordnet wurde. Borderline-Patienten weisen eine weit gefächerte Symptomatik auf und zeigen auf vielen Ebenen ein instabiles Verhaltensmuster.

 

Hauptmerkmal der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie von deutlicher Impulsivität. Sie beginnt im frühen Erwachsenenalter und zeigt sich in verschiedenen Situationen. Schätzungen zufolge sind zwei Prozent der Bevölkerung betroffen. Überwiegend handelt es sich um junge Frauen.

 

Da zum Borderline-Begriff verschiedene Definitionen existieren, ist es sinnvoll, bestimmte Kriterien anzuwenden, um die Krankheit zu klassifizieren. Der Kriterienkatalog DSM-IV der American Psychiatric Association umfasst neun Kriterien, von denen fünf erfüllt sein müssen, damit die Diagnose gestellt werden kann.

 

Die DSM-IV-Kriterien der American Psychiatric Association lauten:

 

  1. Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden. Dieses Verhalten belastet zwischenmenschliche Beziehungen enorm. Betroffene haben Angst, allein zu sein.

  2. Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch den Wechsel zwischen den Extremen Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.

  3. Identitätsstörung: Ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.

  4. Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, „Fressanfälle“).

  5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten

  6. Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung.

  7. Chronische Gefühle von Leere.

  8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren.

  9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.

 

Viele Borderline-Patienten leiden zusätzlich zu ihrer Persönlichkeitsstörung unter anderen Symptomen wie Depressionen, Essstörungen oder Suchterkrankungen. Das macht die Diagnose für den Arzt schwierig. Gemeinsam ist den Betroffenen eine innere Anspannung und ein Wechsel der Gefühle – zwischen Liebe und Hass, Euphorie und Depression, Selbstzweifel und Selbstüberschätzung.

 

Wie entsteht das Borderline-Syndrom?

Die Ursachen der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind komplex und nicht abschließend geklärt. Insgesamt zeigen sich in den Biografien von Borderline-Patienten fast immer Spuren emotionaler Vernachlässigung. Etwa 40 bis 70 Prozent der Betroffenen berichten von Verwahrlosung, fehlender Zuwendung und mangelnder Anerkennung durch wichtige Bezugspersonen oder auch von sexuellem Missbrauch in der Kindheit.

 

Experten diskutieren außerdem erbliche Faktoren und Störungen im Gehirn. Fehlfunktionen in bestimmten Hirnregionen, die für Gefühlskontrolle, Angst und Aggressionen zuständig sind, sind vermutlich mitverantwortlich für die emotionale Instabilität der Borderline-Patienten.

 

Wie stellt der Arzt die Diagnose? 

Außergewöhnlich starke Stimmungsschwankungen oder häufiger Sexualverkehr mit wechselnden Partnern sind noch kein Beleg für eine Borderline-Störung. Ärzten steht heute deshalb ein international standardisierter Diagnoseschlüssel zur Verfügung, um eine Borderline-Persönlichkeitsstörung festzustellen.

 

Nicht jeder Borderline-Patient leidet unter allen Symptomen gleichzeitig. Meistens sind einzelne Verhaltensmuster unterschiedlich stark ausgeprägt.

 

Wie sieht die Behandlung des Borderline-Syndroms aus? 

Die Borderline-Störung ist wegen des selbstgefährdenden Verhaltens eine ernstzunehmende Erkrankung, deren Behandlung in die Hände eines Facharztes gehört.

 

Eine spezielle Psychotherapie hilft den Betroffenen, Maßnahmen zu erlernen, um ihr Verhalten zu kontrollieren. Die sogenannte Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) vereint verhaltenstherapeutische Modelle und Methoden miteinander. Dabei lernen die Patienten in mehreren Therapiemodulen, mit ihren extremen Empfindungen umzugehen. Zur Therapiemethode gehören Übungen zur Steigerung der inneren Achtsamkeit, die Schulung zwischenmenschlicher Fertigkeiten, der bewusste Umgang mit Gefühlen und die Verbesserung der Stresstoleranz.

 

Ist die Ursache der Krankheit auf ein Trauma zurückzuführen, kann auch eine spezifische Traumatherapie helfen. Diese erfolgt in der Regel erst dann, wenn der Patient wieder psychisch stabil ist.

 

In manchen Fällen kann der behandelnde Arzt auch spezielle Medikamente einsetzen. Sie können zum Beispiel Depressionen, Angstgefühle oder aggressives Verhalten positiv beeinflussen.