Was sind Brucellosen?

Brucellosen sind in Deutschland sehr selten vorkommende Infektionskrankheiten durch Bakterien der Gattung Brucella. Die Krankheit wird von Haustieren oder Tierprodukten auf den Menschen übertragen.

 

Die Viehbestände in Deutschland können diese Bakterien nicht übertragen, da sie brucellosefrei sind. In Deutschland treten etwa 30 Erkrankungen pro Jahr auf, meist durch Import oder Tourismus. Reisende bringen die Infektionskrankheit aus Endemiegebieten wie dem Mittelmeerraum, der Arabischen Halbinsel, Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika mit.

 

Die häufigsten Brucellosen beim Menschen sind das Maltafieber, importiert aus Gebieten von Schaf- und Ziegenzucht wie der Türkei, und der sogenannte Morbus Bang, importiert aus Rinder züchtenden Regionen.

 

Wie infiziert man sich mit Brucellen?

Meist stecken sich die Betroffenen durch Fleisch oder Produkte (zum Beispiel unpasteurisierte Milch) infizierter Tiere an. Aber auch der direkte Kontakt mit den Tieren beziehungsweise mit ihren Körperflüssigkeiten kann Ursache einer Infektion sein. Deshalb haben Personen, die berufsbedingt Umgang mit Tieren oder Tierprodukten haben, ein erhöhtes Infektionsrisiko (Fleischer, Bauern, Tierärzte, Schäfer und andere).

 

Die Brucellose wird bei Tierärzten, Landwirten und Schlachtern als Berufskrankheit anerkannt, sofern diese die Krankheit berufsbedingt bekommen. 

 

Die Erreger können auf verschiedenen Wegen in den menschlichen Körper eindringen. Hauptsächlich über

  • den Magen-Darm-Trakt (Genuss unpasteurisierter oder nicht abgekochter Milchprodukte),
  • die Atemwege (Einatmen von bakterienhaltigem Staub),
  • die Augenbindehaut (Spritzer von Tiersekreten),
  • kleinste Wunden.

Wie äußert sich eine Brucellose?

Der Verlauf einer Brucellose ist sehr unterschiedlich, wobei 90 Prozent aller infizierten Menschen keine Symptome der Erkrankung haben. Dass eine Brucellose vorliegt, ist für den Arzt dann nur an einem Nachweis von Antikörpern gegen die Erreger im Blut festzustellen. Bei den restlichen zehn Prozent variieren die Beschwerden von nicht spezifischen Entzündungszeichen wie Kopfschmerzen oder erhöhter Temperatur bis hin zu schweren Schädigungen der Organe.

 

Die akute Brucellose kann plötzlich oder schleichend einsetzen. Fünf bis 60 Tage nach der Ansteckung kommt es zu Krankheitssymptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Nachtschweiß, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit oder auch Gliederschmerzen. Im weiteren Verlauf treten zusätzlich eine Lymphknotenschwellung und eine Vergrößerung von Milz und Leber auf. Die Bakterien können außerdem verschiedene Organe bis hin zum Nervensystem, Knochen und Gelenke befallen und dort Schäden anrichten. Es kann sich zum Beispiel eine Arthritis entwickeln, mit der Gefahr, dass sie chronisch wird.

 

Chronische Form möglich

Folge einer nicht erkannten oder ausreichend behandelten akuten Erkrankung ist die chronische Brucellose. Als chronisch gelten Erkrankungen, die länger als ein Jahr dauern. Es kann etwa bei 5 Prozent aller Patienten zu chronischen Verläufen kommen, nachdem die akuten Symptome abgeklungen sind. Die chronische Form kann jahrelang anhalten und plagt den Betroffenen durch Leistungsabfall, Schweißausbrüche, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen. Oft entzünden sich auch die Wirbelkörper und das Herz. Letztendlich ist aber kein Organ vor einem Befall durch Brucellen geschützt.

 

Wie wird die Verdachtsdiagnose gesichert?

Entscheidend ist, an die Möglichkeit einer Brucellose überhaupt zu denken. Man geht davon aus, dass in Industrienationen nur einer von 26 Betroffenen tatsächlich erkannt wird. Treten die typischen Beschwerden bei einer Person aus einer Risikoberufsgruppe (zum Beispiel einem Fleischer) oder nach einem Auslandsaufenthalt (zum Beispiel in Malta) auf, sollte das den Verdacht des Arztes auf eine Brucellose lenken.

 

Blutuntersuchung notwendig

Im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten können entweder der Erreger selbst oder auch vom Körper gebildete Antikörper gegen den Keim nachgewiesen werden. Der Nachweis kann auch aus Lymphknoten oder anderen befallenen Organen erfolgen. Da Brucellen sehr langsam wachsen, ist es unter Umständen nötig, dass die Kulturen mehr als zwei Wochen bebrütet werden. Das Labor muss auf die Verdachtsdiagnose hingewiesen werden.

 

Wie wird die Brucellose behandelt?

Patienten mit begründetem Verdacht auf eine Brucellose erhalten eine sofortige Therapie mit Antibiotika (Bakterien abtötenden Medikamenten) über sechs bis zwölf Wochen. Antibiotika bekämpfen den Erreger und seine weitere Ausbreitung im Körper. Meist ist eine Kombinationstherapie mit verschiedenen Antibiotika (Doxycyclin plus Rifampicin) über längere Zeiträume erforderlich, um die Erkrankung auszuheilen. Bei Kindern und in der Schwangerschaft kann der Arzt Cotrimoxazol versuchen.

 

Mögliche unerwünschte Wirkungen der Antibiotika sind allergische Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sowie Blutbildveränderungen. Schwere Nebenwirkungen wie Schäden an Nieren und anderen Organen sind selten.

 

Die Prognose der Brucellose ist unter anderem von der Abwehrkraft des Betroffenen abhängig. Bei rechtzeitiger und konsequenter Therapie sind die Heilungschancen in aller Regel sehr gut und die Erkrankung ist in leichten Fällen nach wenigen (zwei bis drei) Wochen überstanden. Die durchschnittliche Sterblichkeit bei Brucellose liegt unbehandelt bei circa zwei Prozent.

 

Manchmal verbleibt der Erreger trotz scheinbarer Ausheilung und Beschwerdefreiheit im Körper. Die Brucellose kann dann, meist wenn der Betroffene allgemein geschwächt ist, wieder aufflammen. Deshalb ist es sinnvoll, das Blut ein Jahr nach der Krankheit noch einmal auf Antikörper untersuchen zu lassen (Titerkontrolle).

 

Wie kann man sich vor dieser Krankheit schützen?

Am wichtigsten ist es, sich vor Infektionsquellen zu schützen. Sie sollten grundsätzlich keine unpasteurisierte beziehungsweise nichtabgekochte Milch oder Milchprodukte und kein rohes Fleisch aus Gebieten verzehren, in denen die Brucellose verbreitet ist. Vor Reisen sollten Sie sich Informationen zum Infektionsrisiko einholen und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen beachten.

 

Bei berufsbedingter Gefährdung sind Hygienemaßnahmen und Körperschutzkleidung wichtig. In betroffenen Ländern werden kranke Tiere aus den Herden entfernt. Zudem ist es möglich, die Zuchttiere gegen Brucellose zu impfen. 

 

Ein Impfstoff gegen Brucellose ist in Deutschland nicht zugelassen. Die Erkrankung ist laut Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.