Chronisches Müdigkeits- beziehungsweise Erschöpfungssyndrom (CFS)
Das chronische Müdigkeits- beziehungsweise Erschöpfungssyndrom, auch Chronic Fatigue Syndrome genannt, ist bislang keine exakt definierte Krankheit. Es treten eine krankhafte Müdigkeit und verschiedene Kombinationen von Symptomen unklarer Ursache auf, weshalb von Syndrom gesprochen wird.
Beim "Chronic Fatigue Syndrome" (CFS) leiden Betroffene unter einer dauerhaften und überwältigenden Erschöpfung oder Müdigkeit und anderen Krankheitssymptomen, die selbst alltägliche Verrichtungen zu einer unüberwindlichen Hürde machen. "Fatigue" heißt wörtlich übersetzt "Müdigkeit".CFS-Betroffene können auch mit Schlaf keine ausreichende Erholung erreichen. Die lähmende Erkrankung führt zu einer dramatischen Leistungseinbuße. Sie betrifft Menschen aller Altersgruppen und Schichten. Oft fühlen sich Erkrankte mit ihren Problemen allein gelassen.
Welche Ursachen hat das CFS und wie verbreitet ist die Krankheit?
Die genauen Ursachen und Auslöser der chronischen Erkrankung sind Wissenschaftlern bisher unbekannt. Experten vermuten, dass eine Schwächung oder auch eine fortwährende Aktivierung des Immunsystems in Verbindung mit bestimmten Stresshormonen, Viren oder seelischen Belastungen die Krankheit ausbrechen lässt.
Bekannt sind unterschiedliche Auslöser der Krankheit. Manche Patienten berichten von banalen Infekten, aber auch schwere Erkrankungen oder Operationen können der Krankheit vorangehen. Stress, Verlusterlebnisse, Arbeitslosigkeit und andere Faktoren können ebenso auslösend sein.
Wegen der nicht gesicherten Diagnosen sind die Zahlenangaben über die Häufigkeit der Erkrankung sehr unterschiedlich. Für Deutschland gehen Experten von über 300.000 Fällen aus. Häufig erkranken beruflich erfolgreiche Erwachsene zwischen 30 und 50 Jahren. Frauen sind öfter betroffen als Männer. Je nach Studie liegt die Neuerkrankungsrate bei sieben bis 45 Prozent.
Welche Symptome sind typisch für das CFS?
In vielen Fällen bricht die Krankheit urplötzlich aus, sie kann sich aber auch über einen längeren Zeitraum hinweg entwickeln. Das Krankheitsbild ist komplex und führt zu einer mehr oder minder ausgeprägten Behinderung.
Kennzeichnend ist eine chronische oder wiederkehrende körperliche und geistige Erschöpfung, die sich durch Schlaf nicht bessern lässt. Dies führt zu einer zum Teil massiven Einschränkung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Die Beschwerden bestehen seit mindestens sechs Monaten. Begleitend leiden Betroffene unter einer Vielzahl möglicher weiterer Symptome, darunter:
- Muskel- und Gelenkbeschwerden ohne Rötung und Schwellung
- Muskelschwäche
- Kopfschmerzen
- Halsschmerzen
- Lymphknotenschwellungen
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Schlafstörungen
- Sehstörungen
- Fieber
Gereiztheit, depressive Verstimmungen
Die Beschwerden können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Während manche Betroffene unter einer weniger ausgeprägten Symptomatik leiden, sind andere schwer beeinträchtigt und können ihren Alltagsaktivitäten nicht nachgehen. Bereits geringe körperliche oder geistige Belastungen führen zu einer unverhältnismäßig starken Erschöpfung.
Wie wird die Diagnose gestellt und wie sieht die Behandlung aus?
Aufgrund der nicht einheitlich beschriebenen Symptome wird CFS häufig erst spät oder gar nicht erkannt. Auch ist das Syndrom an sich nach wie vor in der Medizin nicht allgemein akzeptiert. Es ist davon auszugehen, dass viele Ärzte die Krankheit auch deshalb nicht diagnostizieren.
Eine sichere Diagnose ist erst durch eine Langzeitbeobachtung möglich, bei der andere körperliche und psychische Krankheiten mit ähnlichen Merkmalen ausgeschlossen werden müssen.
Hinweise auf CFS sind nach Ausschluss anderer Krankheiten:
- Beschwerdedauer beträgt über sechs Monate
- Es bestehen erhebliche Einschränkungen im privaten und beruflichen Umfeld
- Schlaf ist nicht mit Erholung verbunden
Es bestehen körperliche oder psychische Begleitbeschwerden
Auch die Behandlungsmethoden beim CFS sind nicht gezielt und die Fachwelt ist sich uneins. Kontrollierte Therapiestudien gibt es nur wenige. Die Therapie sollte deshalb individuell ausgerichtet sein. Sinnvoll ist häufig eine Psychotherapie wie die kognitive Verhaltenstherapie, mit deren Hilfe nachweislich Verbesserungen zu erzielen sind.
Zudem sind Ernährungsumstellung und Physiotherapien sowie angemessene sportliche Betätigung zu empfehlen. Betroffene sollten dabei nicht über ihre Belastungsgrenze gehen, jedoch auch nicht unterfordert sein. Allgemein gültig ist der Rat, sein Leben konsequent dem eigenen Energiehaushalt entsprechend einzurichten und seine Grenzen akzeptieren zu lernen. Der Effekt von Selbsthilfegruppen wird kontrovers diskutiert.
Wie sieht das Leben mit der Krankheit aus?
CFS-Kranke leiden nicht nur unter ihren vielfältigen Beschwerden, sondern auch unter den sozialen, psychischen und materiellen Folgen ihrer Erkrankung. Ihnen schlägt häufig Unverständnis entgegen, denn CFS ist äußerlich nicht sichtbar, und nur wenige Menschen haben eine Vorstellung von den Belastungen, die die Krankheit für die Betroffenen bedeutet. Am Arbeitsplatz gelten sie schnell als Simulanten, die sich auf Kosten anderer vor Aufgaben und Verantwortung drücken wollen. Auch von manchen Ärzten werden sie aus Unsicherheit und Unkenntnis nicht ernst genommen.
Anstatt immer verzweifelter die allerletzten Energiereserven auszuschöpfen, um weiterhin die Anforderungen ihrer Umwelt zu erfüllen, sollten Erkrankte in die Offensive gehen. Es ist wichtig, offen mit anderen Menschen über die Krankheit zu sprechen, sie zu informieren und ihr Verständnis zu fördern. CFS-Kranke müssen sich der eigenen Einschränkungen bewusst werden, sie akzeptieren und einfache Strategien entwickeln, um die verbliebenen Kräfte vernünftig einzusetzen.
Dazu gehört, den Alltag so zu planen, dass Aktivitäten mit Ruhezeiten abwechseln. Unterstützung von außen hilft, wieder Reserven aufzubauen. Sich ohne schlechtes Gewissen Dingen zu widmen, die Freude machen, mobilisiert die Lebensgeister.
Wie ist der Verlauf des CFS?
Der Verlauf der Erkrankung ist unterschiedlich und eine Prognose lässt sich kaum abgeben. Häufig nehmen Beschwerden zyklisch ab oder zu, das heißt nach einer Phase der Verbesserung schließt sich eine Phase der Verschlechterung an. Manchmal verschwindet die Erkrankung nach einiger Zeit wieder. Es gilt: Je früher der Behandlungsbeginn, desto besser die Prognose.