Was ist ein Dekubitus?

Dekubitus bezeichnet ein örtlich begrenztes Absterben (Nekrose) der Haut und manchmal auch des darunter liegenden Gewebes infolge einer Druckbelastung und daraus folgender Minderversorgung des Areals mit sauerstoff- und nährstoffreichem Blut. Dementsprechend bezeichnet man das Krankheitsgeschehen auch als Druckgeschwür.

 

Der Volksmund spricht auch vom Wundliegen, da ein Dekubitus vor allem Menschen betrifft, die lange Zeit im Bett liegen müssen. Sieben Prozent aller Krankenhaus-Patienten entwickeln einen Dekubitus.

 

Grundsätzlich kann ein Dekubitus überall am Körper entstehen. Besonders gefährdete Stellen sind aber vor allem Knochenvorsprünge. Hier können auch Katheterschläuche oder im Bett vergessene Gegenstände durch Druck zur Gewebeschädigung führen. Erhöhte Aufmerksamkeit ist am Fersenbein, an den Knöcheln und den Knieinnenflächen, am Kreuz-, Steiß- und Sitzbein, an den Hüftknochen, am Brustbein, an den Ellenbogen, am Schulterblatt, am Hinterkopf und an der Ohrmuschel geboten.

 

Jedes Druckgeschwür muss ernst genommen und rechtzeitig behandelt werden. Die offene Stelle kann als Eintrittspforte für Keime (Bakterien, seltener auch Pilze) dienen und zu einer lebensgefährlichen Blutvergiftung (Sepsis) führen.

 

Wie kommt es zu einem Dekubitus?

Für die Entstehung des Hautschadens ist die Dauer des Drucks auf die entsprechende Stelle eher ausschlaggebend als die Druckstärke. Die länger anhaltende Druckbelastung komprimiert die kleinen Blutgefäße, sodass die Region schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Infolgedessen stirbt das Gewebe ab. Betroffen sind meist bettlägerige und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Patienten mit schweren Grundkrankheiten.

 

Begünstigend auf die Entstehung eines Druckgeschwürs wirken außerdem:

 

  • Schlechter körperlicher Allgemeinzustand
  • Mangelernährung
  • Blutarmut
  • Eiweißverlust
  • Blutzuckerkrankheit und damit verbundene Nervenschädigungen
  • Allgemeine Abwehrschwäche
  • Abwehrschwäche, die durch Medikamente (zum Beispiel Chemotherapie) hervorgerufen wird
  • Flüssigkeitsmangel durch mangelnde Zufuhr oder erhöhten Bedarf (Fieber)
  • Durchblutungsstörungen
  • Inkontinenz

 

Ferner können alle Medikamente, die das Körperempfinden einschränken, die Entstehung eines Druckgeschwürs beschleunigen, weil die Patienten dann Druckstellen nicht rechtzeitig bemerken. Dazu zählen zum Beispiel Beruhigungsmittel oder Schmerzmedikamente.

 

Welche Erscheinungsformen können Druckgeschwüre haben?

Man unterscheidet folgende Stadien eines Dekubitus:

 

Als Alarmsignal gilt ein geröteter Hautbezirk, wobei die Rötung nicht wegdrückbar ist. Aus einem nicht heilenden Hautdefekt kann sich ein Geschwür (Ulcus) entwickeln.

 

  • Stadium I: Die Haut ist gerötet. Die Rötung ist nicht wegdrückbar und bleibt auch bei Entlastung der betroffenen Stelle bestehen. Die Hautoberfläche ist noch unversehrt.
  • Stadium II: Die Haut weist an der Druckstelle einen oberflächlichen Defekt auf, sodass das Unterhautgewebe frei liegt.
  • Stadium III: Der Gewebeschaden reicht bis zur Knochenhaut. Haut, Unterhautgewebe, Sehnen, Muskeln und Bänder sind beschädigt.
  • Stadium IV: Der Knochen ist angegriffen.

 

Wie wird ein Dekubitus festgestellt?

Meist kann der Arzt die Diagnose sofort stellen. Wundabstriche zu Beginn und regelmäßig im weiteren Verlauf geben wichtige Anhaltspunkte für eine angepasste und phasengerechte Behandlung.

 

Eventuell werden weitere diagnostische Maßnahmen wie eine Röntgenaufnahme oder schnittbildgebende Verfahren wie die Kernspintomografie erforderlich, um die Knochen- und Weichteilschädigung besser beurteilen zu können.

 

Wie werden die Druckgeschwüre behandelt?

Es gibt allgemeine Maßnahmen bei Stadium I und II, die auch der Vorbeugung des Wundliegens dienen. Wichtigstes Ziel ist hierbei die Druckentlastung. Gleichzeitig ist die Grundkrankheit des Patienten mit zu behandeln.

 

Umlagern

Das Umlagern alle zwei bis drei Stunden dient der Druckentlastung der betroffenen oder gefährdeten Stellen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Stellen, die zum Offenliegen neigen, nicht zu sehr belastet werden. Hier gibt es bestimmte erprobte Lagerungspositionen je nach Sitz des Druckgeschwürs oder gefährdeter Stelle, die auch Angehörige erlernen können. Patienten mit Druckgeschwüren am Kreuzbein sollten zum Beispiel in 30°-Schräglage mit Schaumgummielementen gelagert werden.

 

Gefährdete Hautstellen sollten regelmäßig auf nicht wegdrückbare Rötungen hin kontrolliert und Falten der Unterlage vermieden werden.

 

Hautpflege

Eine geeignete Hautpflege – besonders bei alten Menschen – vermindert Scher- und Reibekräfte zum Beispiel mit der Matratze, welche Druckgeschwüre begünstigen. Feuchte Nässe sollte vermieden werden. Es ist auf sorgfältige Hygiene bei Kathetern und Stuhlentleerung zu achten.

 

Krankengymnastik

Krankengymnastik ist ebenfalls zur Druckentlastung und Durchblutungsförderung sehr wichtig.

 

Sanitär- und orthopädietechnische Hilfsmittel

Sanitär- und orthopädietechnische Hilfsmittel können viel zur Behandlung und Vermeidung offener Stellen beitragen. Dazu gehören verschiedene Unterlagen, Polsterungen, zuschneidbare Schaumstoffe, Fersenkappen, Gelkissen und Watteverbände. Auch Matratzen mit entsprechenden Aussparungen, Spezialbetten mit geeigneten Füllungen (zum Beispiel Schaumstoff-, Wechseldruck-, statische oder dynamische Luftmatratze) unterstützen die Pflege.

 

Wundreinigung und Infektionsbekämpfung

Wichtig sind regelmäßige Wundreinigung und Infektionsbekämpfung. Dabei ist die Entfernung des abgestorbenen Gewebes (Debridement) unerlässlich. Zur Wundreinigung und Wundheilung stehen verschiedene phasengerechte Wundauflagen und Wundspüllösungen zur Verfügung.

 

In den Stadien III und IV bleibt manchmal nur die operative Therapie. Das Geschwür wird komplett entfernt. Manchmal muss dabei auch ein Teil des darunter liegenden Knochens entfernt werden. Die Abdeckung des entstandenen Defekts ist teilweise nur mit der Transplantation gesunden Gewebes möglich. Hierzu dienen meist Lappen aus Muskel- und Hautgewebe. Vor, während und nach einem operativen Eingriff erfolgt eine intravenöse Antibiotikaprophylaxe.

 

Bei mangelernährten, ausgezehrten oder ausgetrockneten Patienten ist es sinnvoll, die fehlenden Nahrungsbestandteile oder fehlende Flüssigkeit durch Infusionen zu ergänzen. Unbewegliche Patienten bekommen regelmäßig Heparinspritzen, um der Bildung von Blutgerinnseln vorzubeugen.

 

Im Verlauf eines Dekubitalleidens kann es zu einer Infektion kommen, die in manchen Fällen eine Therapie mit Antibiotika notwendig macht. Um den Erreger zu identifizieren und gezielt das richtige Medikament auszuwählen, helfen Wundabstriche und sogenannte Blutkulturen (Anzüchtung des sich bei Blutvergiftung in der Blutbahn befindlichen Keims).

 

Manchmal ist auch der Einsatz von Schmerzmitteln erforderlich. Auch hier gibt es verschiedene Behandlungskonzepte, die speziell für den Einzelfall ausgesucht werden müssen.

 

Die Prognose ist abhängig von der sorgfältigen Pflege. Für den Therapieerfolg ist es von erheblicher Bedeutung, dass der Patient, seine Angehörigen, die Pflegefachkräfte und die behandelnden Ärzte eng miteinander zusammenarbeiten. Der Betroffene sollte, soweit wie möglich, in seine Behandlung mit einbezogen werden.