Dickdarmdivertikel sind flaschenförmige Ausstülpungen der Darmwand. Treten sie gehäuft auf, spricht man von einer Dickdarmdivertikulose. Die Ausstülpungen und Aussackungen kommen meistens im s-förmigen Teil des Dickdarms (Sigma) vor, dem letzten Teil des Verdauungstraktes. Divertikel können allerdings auch im gesamten Magen-Darm-Trakt auftreten.
Dickdarmdivertikel bilden sich in der Regel im Bereich von Muskellücken in der Darmwand, wo zum Beispiel die Blutgefäße durch die Darmwand treten.
Krankheitswert erhalten Divertikel erst, wenn eine Entzündung - eine Divertikulitis - auftritt, was in etwa 20 Prozent der Fälle geschieht. Von einer Dickdarmdivertikulose betroffen sind vorwiegend ältere Menschen, so haben 50 bis 60 Prozent der 80-Jährigen Divertikel im Dickdarm.
Wodurch werden Divertikel verursacht?
Die Divertikulose ist eine sogenannte Zivilisationskrankheit, das heißt, sie wird vor allem durch die modernen (westlichen) Lebensverhältnisse bestimmt. Dafür spricht, dass Divertikel und Divertikulose in den Industrieländern relativ häufig, in vielen Ländern Afrikas oder Asiens hingegen sehr selten sind.
So geht man heutzutage davon aus, dass eine dauerhafte ballaststoffarme Ernährung die Entstehung der Divertikel fördert. Dadurch braucht der Nahrungsbrei beziehungsweise der Stuhl länger, um den Darm zu passieren, ihm wird zu viel Flüssigkeit entzogen und die Stuhlmenge nimmt ab. Das kann den Druck im Darm sowie auf die Darmwand erhöhen und den Stuhlgang erschweren, was letztlich die Entstehung von Divertikeln an „Schwachstellen“ der Darmwand fördert.
Weitere mögliche Risikofaktoren sind genereller Bewegungsmangel, Fettsucht und eventuell auch das Rauchen. Außerdem können altersbedingte Veränderungen bestimmter Bindegewebsanteile die Herausbildung von Divertikeln unterstützen.
Die Divertikelentzündung (Divertikulitis) entsteht vermutlich aufgrund verbliebener Kotreste in den Ausstülpungen: Normalerweise ist die Darmwand glatt. Entstehen Aussackungen, lassen die sich nicht wie der übrige Darm aktiv entleeren. Es kommt zur Verstopfung und damit zur Einwanderung und Vermehrung von Bakterien, die auf die Darmwand übergreifen und ganze Darmabschnitte befallen können.
Welche Beschwerden verursacht eine Dickdarmdivertikulose?
Dickdarmdivertikel verursachen bei ungefähr 80 Prozent der Betroffenen keine Beschwerden. Die meisten solcher Divertikel sind ein Zufallsbefund bei einer aus anderen Gründen durchgeführten Darmspiegelung
. Selten treten Schmerzen im Unterbauch mit Blähungen auf, die sich meist nach Stuhlabgang bessern.
Erst die Entzündung der Divertikel führt zu heftigeren Bauchschmerzen, bevorzugt im linken Unterbauch, aber unter Umständen auch auf der rechten Seite. Essen kann die Schmerzen verstärken, Stuhlgang und Windabgang lindern dagegen die Beschwerden. Hinzu kommen mitunter Appetitlosigkeit, Unwohlsein und Erbrechen. Je nach Ausmaß der Entzündung treten Verstopfung oder Durchfälle hinzu. Oft klagen die Betroffenen über starke Blähungen oder vermehrte Windabgänge.
Mögliche Komplikationen sind etwa ein Darmdurchbruch mit Ausbreitung der Entzündung auf das Bauchfell, Ansammlung von Eiter (Abszessbildung), Blutung, Ausbildung einer Verbindung zwischen Dickdarm und Blase oder Scheide sowie ein Darmverschluss.
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- Seite 2: Wie wird eine Divertikulitis festgestellt?
Autor: Kirsten Luckhaus; Janna Christoffers, erstellt am 14.07.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Anne-Kristin Schulze am 04.04.11
Quelle: Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004 und 2007); Hahn/Riemann: Klinische Gastroenterologie. Thieme (2000) / Müller, M.: Chirurgie für Studium und Praxis,: 8. Auflage 2006/07, Medizinische Verlags- und Informationsdienste; Dietel, M., Suttorp, N. und Zeitz, M. (Hrsg.): Harrisons Innere Medizin Deutsche Ausgabe in Zusammenarbeit mit der Charité, 16. Auflage 2005, ABW Wissenschaftsverlag; Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München - Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin (EKFZ): Dickdarmdivertikel und Dickdarmkrankheit. www.med.tu-muenchen.de/de/gesundheitsversorgung/kliniken/ernaehrungsmedizin/PDF/Divertikelkrankheit.pdf (Stand 20.01.2011); Charité - Klinik für Allgemein-, Visceral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie Campus Mitte: Entzündliche Darmerkrankungen - Dickdarmdivertikulitis. www.charite.de/ch/chir/chir/leist/divant.htm (Stand 20.01.2011); Reindl, W.; Schmid, R. M.: Divertikulitis. Diagnose und Therapie. Gastroenterologe 2009; 4: 357-366

