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Was ist Erbrechen?

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Erbrechen ist eine häufige Begleiterscheinung einer Vielzahl von Erkrankungen. Als wichtiger Schutzreflex des Körpers soll es verhindern, dass schädliche Stoffe in den Organismus aufgenommen werden. Dem Erbrechen geht oft Übelkeit voraus.

Beim Erbrechen ziehen sich Magen und Zwerchfell sowie Bauchmuskulatur zusammen und der Magenschließmuskel öffnet sich, sodass Mageninhalt, in schweren Fällen auch Darminhalt, über die Speiseröhre in den Mund und zurück nach außen gelangt.

 

Im zentralen Nervensystem (ZNS), genauer im verlängerten Rückenmark, gibt es eine Ansammlung von Nervenzellen, das sogenannte Brechzentrum (Area postrema). Das Brechzentrum steuert die Vorgänge beim Erbrechen.

 

Welche Ursachen für Erbrechen gibt es?

Erbrechen tritt als relativ unspezifisches Symptom bei ganz unterschiedlichen Erkrankungen auf. Die möglichen Ursachen sind vielfältig, lassen sich aber in Untergruppen einteilen:

 

  • Erbrechen aufgrund von Störungen im Verdauungstrakt
  • Erbrechen aufgrund von Störungen im Gehirn
  • Erbrechen durch Stoffwechsel- bzw. Hormonstörungen
  • Erbrechen durch Giftstoffe und Arzneimittel
  • Andere Ursachen wie zum Beispiel Schmerzen oder Ess-Brech-Sucht

 

Erbrechen aufgrund von Störungen im Verdauungstrakt

Zu den häufigsten Ursachen im Bereich der inneren Organe zählen Infektionen des Magen-Darm-Trakts häufig mit Bakterien oder Viren, Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüre. Mechanische Hindernisse im Magen oder Darm, beispielsweise eine Verengung des Magenausgangs oder ein Darmverschluss, aber auch Darmkoliken sowie eine Blinddarmentzündung können ebenfalls mit Erbrechen einhergehen.

 

Weitere mögliche Gründe für Erbrechen sind entzündliche Erkrankungen der Leber (Hepatitis Glossar-Symbol) oder der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) sowie Erkrankungen der Gallenblase und der Gallenwege (Gallenkolik, Gallenblasenentzündung, Gallensteinleiden).

 

Erbrechen aufgrund von Störungen im Gehirn

Diese Form von Erbrechen nennt man auch zentrales oder zentral ausgelöstes Erbrechen. Ursachen können unter anderem eine Gehirnerschütterung, eine Schädel-Hirn-Verletzung, eine Hirnhautentzündung durch Bakterien oder Viren oder ein Sonnenstich sein. Auch ein Tumor im Gehirn, ein Schlaganfall, Blutungen im Schädel oder Abflussbehinderungen des Hirnwassers im Schädel können zu Erbrechen führen. Bei Migräne kommen ebenfalls Übelkeit und Erbrechen als Begleiterscheinungen vor. Kurvige Autofahrten, Schiffsreisen, Achterbahnfahrten oder Erkrankungen des Innenohrs können das Gleichgewichtsorgan stören und Brechreiz auslösen.

 

Erbrechen durch Stoffwechsel- beziehungsweise Hormonstörungen

Nicht wenige werdende Mütter leiden in den ersten Monaten der Schwangerschaft unter Übelkeit und Erbrechen. Die Ursachen dafür sind nicht bekannt, doch könnte ein Zusammenhang mit der Umstellung des Hormonhaushalts bestehen. Typisch ist dann vor allem morgendliches Erbrechen. Auch eine Überfunktion der Nebennierenrinde (Hyperkortisolismus, Morbus Addison) oder der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus) führen häufig zu Übelkeit. Bei Nierenschäden häufen sich Stoffe im Blut an, die normalerweise mit dem Urin ausgeschieden werden. Dies kann ebenfalls Erbrechen verursachen.

 

Erbrechen durch Giftstoffe und Arzneimittel

Vergiftungen gehen in vielen Fällen mit Erbrechen einher. Dabei wirken die Giftstoffe entweder direkt auf die Magenschleimhaut oder sie gehen ins Blut über und reizen das Brechzentrum. Besonders häufig ist Erbrechen nach der Aufnahme von großen Mengen Alkohol. Bei Lebensmittelvergiftungen treten die Beschwerden je nach Erreger zwischen sechs bis 24 Stunden nach der Nahrungsaufnahme auf.

 

Aber auch verschiedene Medikamente können Erbrechen auslösen, so zum Beispiel Mittel zur Krebstherapie (Zytostatika Glossar-Symbol), Antibiotika oder bestimmte Schmerzmittel. Andere Erbrechen auslösende Giftstoffe sind zum Beispiel Nikotin oder bestimmte Pflanzeninhaltsstoffe. Am Arbeitsplatz können Substanzen wie organische Lösungsmittel, Phosphorsäureester, Quecksilber und andere Schwermetalle Erbrechen hervorrufen.

 

Andere Ursachen für Erbrechen

Starke Emotionen wie Schreck, Ekel, Stress, Angst und Schmerzen können zu Erbrechen führen, indem sie das unbewusste (vegetative) Nervensystem aktivieren. Kinder übergeben sich manchmal, wenn sie sehr aufgeregt sind. Zudem kann sich der Auslöser in ganz anderen Bereichen des Körpers befinden. So machen sich unter Umständen ein Herzinfarkt und eine nachlassende Herzfunktion (Herzinsuffizienz) durch Erbrechen bemerkbar. Augenerkrankungen, die mit einer Erhöhung des Augeninnendrucks einhergehen, verursachen ebenfalls oft Übelkeit. Infektionen und Entzündungen anderer Organe wie der Harnblase (Harnwegsinfekt, Blasenentzündung) oder der Nieren sind manchmal ebenfalls von Übelkeit und Erbrechen begleitet. Bei einigen psychiatrischen Erkrankungen wie der Ess-Brech-Sucht (Bulimie) wird Erbrechen von den Betroffenen selbst herbeigeführt. Nicht zu vergessen ist das Auftreten von Übelkeit und Erbrechen nach Operationen.

Autor: Till Hartlieb; Dr. med. Dirk Nonhoff, erstellt am 25.10.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Anne-Kristin Schulze am 25.02.11

Quelle: Hahn/Riemann: Klinische Gastroenterologie. Thieme (2000); Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2003, 2007) / Dietel, M.;, Suttorp, N. und Zeitz, M. (Hrsg,): Harrisons Innere Medizin. 16. Auflage 2005, ABW Wissenschaftsverlag (2005); Diedrich, K.,; Holzgreve, W.,; Jonat, W. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. 2. Auflage 2007, Springer Medizin Verlag (2007); Janiak, P.; Fried, M.: Differenzialdiagnose Nausea und Erbrechen. Gastroenterologe 2007; 2: 201-211; MayoClinic.com: Nausea and vomiting. Mai 2009. URL: http://www.mayoclinic.com/health/nausea/MY00572/METHOD=print (Stand 24.02

 
 
 

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