Die Bulimia nervosa (Bulimie oder Ess-Brech-Sucht; genaue Übersetzung: Ochsenhunger) ist eine Essstörung, auch wenn die Betroffenen oft nicht durch Über- oder Untergewicht auffallen. Deshalb ist die Krankheit besonders für Außenstehende nicht leicht erkennbar.
Kennzeichen der Bulimia nervosa sind wiederholte Heißhungerattacken und Fressanfälle ein- oder mehrmals pro Woche, auch mehrmals pro Tag. Die zugeführte Kalorienmenge variiert und kann über 10.000 Kilokalorien betragen.
Der Drang, möglichst viel Nahrung in kurzer Zeit zu verschlingen, ist nicht kontrollierbar. Die Nahrungsaufnahme erfolgt entsprechend exzessiv. Die Nahrungsmittel sind leicht verfügbar, schnell zu essen, kalorienreich und eigentlich in der Vorstellung des Betroffenen verboten (zum Beispiel Pudding, Schokolade, Chips, Fastfood).
Meist verbergen Bulimiker die Fressattacken vor anderen und halten bestimmte Rituale ein. Sättigungsgefühle nehmen sie in der Regel nicht wahr. Die Anfälle enden erst wegen Schmerzen, Mangel an weiteren Nahrungsmitteln oder Störungen von außen.
Da die Fressattacken nicht kontrollierbar sind, wird das Gewicht typischerweise durch Erbrechen und die Einnahme von Abführmitteln und/oder harntreibenden Medikamenten (Diuretika) kontrolliert. Dieses sich permanent wiederholende Verhalten hat körperliche und psychische Folgen, die den Krankheitsprozess unterhalten.
Psychische Veränderungen
Im Vordergrund steht die krankhafte Sorge um die Figur und das Körpergewicht. An Bulimie Erkrankte haben meist eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers (Körperschemastörung): Sie schätzen ihr Aussehen und ihre Figur sehr negativ ein, obwohl sie objektiv normalerweise attraktiv und schlank sind. Sie haben übertriebene Angst vor einer Gewichtszunahme. Ihre Angst beherrscht das Denken, Fühlen und nicht selten den ganzen Tagesablauf und damit die persönliche Freiheit.
Bulimiker leiden häufig unter depressiven Verstimmungen bis hin zur Selbstmordgefährdung. Sie sind pessimistisch und haben ein geringes Selbstwertgefühl.
Wie häufig ist die Erkrankung?
Etwa 90 Prozent aller an Bulimie Erkrankten sind Mädchen und Frauen. Unter den 18- bis 20-Jährigen ist die Zahl der Betroffenen besonders hoch. Etwa zwei bis vier Prozent der Bevölkerung leiden an Bulimie.
Einzelne Symptome der Essstörung finden sich sogar bei zwei bis acht Prozent der gesamten weiblichen Bevölkerung, ohne dass es zum Vollbild der Bulimie kommt.
Autor: Barbara Janker; Dr. med. Martina Waitz, erstellt am 20.01.05; zuletzt aktualisiert von Dr. Judith Neumaier am 29.09.11
Quelle: Buhl, C.: Magersucht und Esssucht. Ursachen, Beispiele, Behandlung. Trias (1991); Jacobi, C.T. Kognitive Verhaltenstherapie bei Anorexia und Bulimia nervosa. Psychologie Verlags Union Verlagsgruppe Beltz (2000); Laessle, R.G.: Essstörungen. H. Reinecker, Lehrbuch der klinischen Psychologie. Modelle psychischer Störungen. Hogrefe Verlag (1998); Uexküll,T.von: Psychosomatische Medizin. Urban & Fischer, 5. Auflage (1998); Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS Info): Essstörungen, Suchtmedizinische Reihe, Band 3 (2004); Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und das Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin: S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Essstörungen, 12/2010 (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf); Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: http://www.bzga-essstoerungen.de.

