Bei Erwachsenen kommt das Fremdkörpergefühl im Ohr meist durch einen Ohrenschmalzpfropf (Cerumen obturans) zustande. Die Ursache für das Verstopfen ist fast immer ein vorangegangener Reinigungsversuch mit einem Wattestäbchen oder anderem Gerät. Bei Kindern sind es meist Kleinteile, die sie selbst ins Ohr gesteckt haben. Beim Versuch, die Gegenstände zu entfernen, rutschen sie mitunter immer tiefer hinein.
Wie ist der Gehörgang aufgebaut?
Der äußere Gehörgang verbindet die Ohrmuschel mit dem Trommelfell. Seine Wand ist mit Haut überzogen und besteht im äußeren Teil aus elastischem Knorpel, im inneren aus Knochen. Am Übergang zwischen knorpeligem und knöchernem Teil ist der Gehörgang leicht abgeknickt und verengt. An seinem hinteren Ende grenzt er an das Trommelfell, das an den Seiten über einen Knorpelring mit dem Schädelknochen verwächst.
Das Trommelfell hat zwei Aufgaben: Zum einen verschließt es das Mittelohr nach außen und schützt so die empfindlichen Gehörknöchelchen vor Infektionen und Beschädigung. Zum anderen überträgt es Schallschwingungen über die Gehörknöchelchen-Kette auf das Innenohr. Damit ist es direkt am Hörvorgang beteiligt.
Im äußeren knorpeligen Teil des Gehörgangs liegen Talgdrüsen und Haarfollikel (Haarbälge), deren gelbliches Sekret zusammen mit abgeschilferten Hornstückchen das Ohrenschmalz (Zerumen) bilden.
Wie kann man sich vor Fremdkörpern im Ohr schützen?
Im Gehörgang sollte nicht mit Instrumenten wie Pinzetten hantiert werden. Auch Wattestäbchen sind zur Reinigung des Gehörganges ungeeignet. Bei Reinigungsversuchen mit einem Wattestäbchen oder anderem Gerät schiebt man das Ohrenschmalz nach hinten in Richtung Trommelfell, wo es stecken bleibt. Häufig bleiben bei Erwachsenen auch Reste von Watte, Ohrstopfen oder ähnlichem im Gehörgang zurück. Selten gelangen Insekten in den Gehörgang.
Ohrenschmalz ist Teil des natürlichen Schutzes des Gehörgangs, den man eigentlich nicht herausholen muss. Beim normalen Waschen des Ohres gelangt überflüssiges Zerumen auf ungefährliche Weise hinaus. Zu häufiges Reinigen des Gehörgangs verstärkt dagegen die Produktion von Ohrenschmalz und führt zu Austrocknung der Haut. Infektionen und Ekzeme können die Folge sein.
Sobald Kleinkinder dazu in der Lage sind, stecken sie unter Umständen alles, was klein genug ist, in Mund, Nase und Ohren. Eltern achten am besten darauf, in dieser Entwicklungsphase entsprechende Dinge nicht in Reichweite der Kinder herumliegen zu lassen. Dazu können auch Speisen wie Erdnüsse, Kernobst oder bestimmte Frühstücksflocken zählen. Auch sollte man die Altersangaben auf Spielwarenverpackungen beachten. Sie beziehen sich im Kleinkindbereich vor allem darauf, ob ihre Bestandteile in kindliche Körperöffnungen hineinpassen.
Welche Beschwerden entstehen durch Fremdkörper im Ohr?
Wichtige Symptome, die bei Fremdkörpern im Ohr auftreten können, sind vor allem Ohrenschmerzen und Schwierigkeiten beim Hören. Zu weiteren möglichen Symptomen gehören zum Beispiel Jucken, Ausfluss aus dem Ohr oder Schluckauf.
Zerumenpfröpfe können eine beachtliche Größe erreichen und das Hörvermögen deutlich beeinträchtigen. Wenn Wasser in einen verstopften Gehörgang gelangt, verschlimmern sich die Beschwerden oftmals, weil das Ohrenschmalz aufquillt. Die eigene Stimme klingt dann ungewohnt, da die über den Knochen zum Innenohr geleiteten Schwingungen nun deutlicher wahrgenommen werden als sonst. Begleitend können ein dumpfes Druckgefühl, Ohrensausen oder Schwindel auftreten.
Fremdkörper im Ohr von Kindern führen beim Hineindrücken oder beim Versuch, sie zu entfernen, möglicherweise Verletzungen herbei. Spitze, längere Gegenstände können das Trommelfell durchstoßen. Das verursacht einen spitzen Schmerz, gefolgt von einer plötzlichen Hörminderung. Eventuell rinnt danach etwas Blut aus dem Ohr.
Schnitte oder Blutergüsse im Gehörgang sind meist sehr schmerzhaft, da die Haut dort fest und unverschieblich dem Knochen aufliegt. Schwellungen durch Verletzung oder Entzündung führen sehr leicht zu erheblichen Spannungen und Irritationen der empfindlichen Knochenhaut.
Häufig kommt es vor, dass Kleinteile im Ohr der Kinder längere Zeit nicht bemerkt werden. Sind die Fremdkörper flexibel und stecken tief im Gehörgang, sind sie von außen nicht mehr sichtbar. Unter solchen vergessenen Objekten können sich sehr leicht Infektionen entwickeln (Otitis externa). Das Ohr ist dabei gerötet und druckschmerzhaft. Insbesondere beim Druck auf den vorderen Ohrknorpel und beim Zug am Ohrläppchen entstehen Schmerzen. Manchmal rinnt etwas gelblicher Eiter aus dem Gehörgang. Eltern erkennen das Problem, wenn sie ihr Kind genau beobachten. So greift es sich immer wieder ans Ohr und ist sehr unruhig oder weint. Auch das Kauen tut weh, sodass das Kind sich weigert zu essen. Manchmal macht auch ein schlechter Geruch aus dem Ohr auf die Entzündung aufmerksam.
Verbleibt der Gegenstand weiter im Ohr und schreitet die Entzündung fort, kann sich eine eitrige abgekapselte Entzündung (Abszess) bilden, die unter Umständen auf das Mittelohr und den Knochen übergreift.
- Seite 1: Wie kommen Fremdkörper in das Ohr?
- Seite 2: Welche Untersuchungen werden durchgeführt?
Autor: Jochen Niehaus; Dr. med. Dirk Nonhoff, erstellt am 25.10.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Anne-Kristin Schulze am 09.03.11
Quelle: Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (3. Auflage 1999); Boenninghaus, H. G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (11. Auflage 2000) / Speer. C. P. und Gahr, M.: Pädiatrie. 2. Auflage 2005, Springer Medizin Verlag, 2. Auflage (2005); Boenninghaus, H. G. und Lennarz, T.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. 13. Auflage 2007, Springer Medizin Verlag; Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde. Differenzierte Diagnostik und Therapie. Heidelberg: Springer Medizin, 2009; Brüggemann, M. et al.: Gesundheitsstörungen. Heidelberg: Springer Medizin, 2008; Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Ohrenschmerzen. August 2005. URL: http://leitlinien.degam.de/uploads/media/LL_OhrenE04_02.pdf (Stand 08.03.2011)

