Was ist Gebärmutterhalskrebs?

Im Frühstadium erkannt, kann der Frauenarzt Gebärmutterhalskrebs sehr gut heilen. Bei regelmäßigen Untersuchungen kann er die Erkrankung relativ gut entdecken, da sie vom scheidennahen Ende der Gebärmutter ausgeht.

 

Der Gebärmutterhals, auch Cervix uteri oder kurz Zervix genannt, verbindet das obere Ende der Scheide und die Gebärmutter der Frau. Das untere Ende der Zervix, der Muttermund, ragt zapfenförmig in die Scheide hinein und kann durch Einführen des Fingers in die Scheide getastet werden.

 

Im Bereich des Muttermunds befindet sich eine Übergangszone zwischen den sehr unterschiedlich aufgebauten Schleimhäuten der Scheide und der Gebärmutter. In diesem Übergangsbereich zwischen den beiden Gewebearten kommt es häufig zu Zellveränderungen. Sind diese bösartig, spricht man von Gebärmutterhalskrebs. Die Krebszellen breiten sich unkontrolliert aus und wachsen in das umliegende Gewebe hinein. Ist das der Fall, sprechen Mediziner von einem Karzinom des Gebärmutterhalses beziehungsweise von einem Zervixkarzinom.

 

In Deutschland erkranken nach aktuellen Schätzungen des Robert Koch-Instituts etwa 5.500 Frauen im Jahr neu an dieser Krebsart. Seit Einführung der gesetzlichen Krebsfrüherkennung ist die Zahl der Neuerkrankungen hierzulande stark gesunken. Während es in den 70er Jahren noch der häufigste Tumor der Frau war, macht das Zervixkarzinom in Deutschland heute weniger als drei Prozent der Krebsneuerkrankungen aus und ist nur noch der zwölfthäufigste Tumor. Auch die Sterberate sinkt seit 1980 kontinuierlich.

 

Dank der Früherkennungsuntersuchungen können Frauenärzte den Tumor in früheren Stadien feststellen, in denen die Aussicht auf Heilung viel größer ist. Experten verzeichnen einen Anstieg bei den diagnostizierten Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs, die Krankheit wird zunehmend schon im jüngeren Alter erkannt. Das mittlere Alter bei Diagnosestellung eines invasiven Zervixkarzinoms liegt bei 52 Jahren.

 

Welche Ursachen gibt es?

Der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs ist die Infektion mit humanen Papillomaviren, abgekürzt HPV. Diese werden in erster Linie beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Vor allem die Hochrisiko-Virustypen HPV 16 und 18 begünstigen, dass Gebärmutterhalskrebs entsteht. Experten gehen davon aus, dass diese beiden HPV-Typen 70 Prozent aller Zervixkarzinome verursachen.

 

In Ländern, in denen Männer beschnitten sind, ist das Zervixkarzinom deutlich seltener. Dies spricht dafür, dass beschnittene Männer weniger oft das Virus tragen und weitergeben. Allerdings erkrankt längst nicht jede Frau mit einer HPV-Infektion an Gebärmutterhalskrebs. In den meisten Fällen heilt diese folgenlos aus.

 

Weitere Risikofaktoren sind wahrscheinlich andere Infektionen im Genitalbereich, etwa mit Chlamydien oder Herpesviren. Weitere Faktoren, die ein Zervixkarzinom begünstigen:

 

  • Rauchen,

  • Passivrauchen,

  • eine vitaminarme Ernährung sowie

  • eine erworbene Immunschwäche, zum Beispiel AIDS oder eine HIV-Infektion, und

  • Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken  

 

Was kann man zur Vorsorge tun?

Jährliche Krebsvorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt helfen, dem Gebärmutterhalskrebs vorzubeugen. Sie ermöglichen es, Zellveränderungen bereits im Frühstadium zu entdecken und eine Behandlung einzuleiten. Nach dem gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramm sollte jede Frau ab 20 Jahren einmal im Jahr zur Vorsorgeuntersuchung gehen.

 

Eine Methode, um die meisten Vorstadien des Zervixkarzinoms zu entdecken, ist der sogenannte PAP-Test. Dabei entnimmt der Gynäkologe jeweils einen Abstrich  von der Scheide, dem Muttermund und dem Gebärmutterhals. Für die Frau ist das schmerzfrei. Nach einem speziellen Färbeverfahren lassen sich entzündliche Veränderungen, Vorstufen von Krebs sowie Krebszellen erkennen. Die Treffsicherheit liegt bei knapp 90 Prozent. Bei auffälligem Ergebnis wiederholt der Arzt den Abstrich oder rät zur Gewebeprobenentnahme. Liegt bei Frauen über 30 Jahren ein auffälliges Abstrichergebnis vor, empfehlen Mediziner zusätzlich, sich auf eine Infektion mit humanen Papillomaviren testen zu lassen.

 

Beim Geschlechtsverkehr schützen Kondome vor der Übertragung von Krankheitserregern. Wer sein persönliches Risiko für Gebärmutterhalskrebs senken will, sollte zudem mit dem Rauchen aufhören und sich gesund ernähren.

 

Schutzimpfung

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt seit März 2007 die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV Typ 16 und 18) als Standardimpfung für alle Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren. Für eine vollständige Impfung sind drei Dosen nötig. Sie sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein.

 

 

Welche Beschwerden macht Gebärmutterhalskrebs?

Tückischerweise verursacht Gebärmutterhalskrebs im frühen Stadium kaum Beschwerden. Das kann dazu führen, dass der Tumor erst dann entdeckt wird, wenn er sich schon weit ausgebreitet oder Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet hat. Anhaltender dünner, wässriger Ausfluss oder Blutungen außerhalb der Regel oder nach dem Geschlechtsverkehr können erste Warnzeichen sein, treten aber auch bei anderen Erkrankungen auf.

 

Eindeutigere Symptome zeigen sich erst, wenn die Krankheit weiter fortgeschritten ist und der Tumor in Nachbarorgane wie Harnblase, Harnwege oder Niere wächst. Dann leiden die Betroffenen unter Beschwerden und Schmerzen beim Wasserlassen, Bauch- und Rückenschmerzen, unerklärlichem Gewichtsverlust, Nachtschweiß und einer sinkenden Leistungsfähigkeit. 

 

Mit welchen Untersuchungen wird Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert?

Tastuntersuchung und PAP-Test sind ein wichtiger Bestandteil von Vorsorgeuntersuchungen und Basisdiagnostik. Finden sich beim PAP-Test Hinweise auf Zellveränderungen, sind weitere Untersuchungen nötig. Bei der Kolposkopie begutachtet der Frauenarzt Gebärmutterhals und Scheide mit einer Lupe.

 

Besteht der Verdacht auf ein Karzinom, entnimmt der Frauenarzt eine oder mehrere Gewebeproben. Diesen Vorgang nennen Mediziner Biopsie. Ein Pathologe kann feststellen, ob es sich um gut- oder bösartige Veränderungen handelt. Er hat sich auf die Analyse von Gewebeproben spezialisiert. Entdeckt er in der Biopsie bösartige Zellen, gilt die Diagnose Gebärmutterhalskrebs als gesichert. In diesem Fall wird nun das Stadium der Krebserkrankung bestimmt.

 

Dazu sind verschiedene Untersuchungen nötig. Bildgebende Verfahren wie Computertomografie, Magnetresonanztomografie, Ultraschall und Röntgen stellen die Ausdehnung des Tumors fest und können Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, finden. Eine Spiegelung, auch als Endoskopie bezeichnet, von Darm und Harnblase klärt, ob der Tumor sich bereits auf diese Organe ausgedehnt hat. Wie weit der Tumor in den Gebärmutterhals vorgedrungen ist, kann der Arzt durch eine Endoskopie des Gebärmutterhalses und der Gebärmutter herausfinden. Auch Blutuntersuchungen können zum Einsatz kommen.

 

Welche Stadien werden unterschieden?

Die ausführliche Diagnostik legt in erster Linie das Stadium der Krebserkrankung fest. Danach richtet sich die weitere Therapie. Am weitesten verbreitet ist die TNM-Klassifikation. Das T steht für Größe und örtliche Ausdehnung des Tumors, das N für den Lymphknotenbefall (für lateinisch Nodus - Knoten) und das M für Bildung von Tochtergeschwülsten in anderen Organen oder Geweben des Körpers, auch Metastasierung genannt.

 

So bedeutet die TNM-Klassifizierung T1N0M0, dass sich der Tumor auf den Gebärmutterhals beschränkt, die benachbarten Lymphknoten nicht befallen hat und keine Tochtergeschwülste nachgewiesen werden können.

 

Die Internationale Vereinigung für Gynäkologie und Geburtshilfe, kurz FIGO, unterscheidet folgende Stadien, die sich noch weiter unterteilen lassen:

 

  • Carcinoma in situ: Der Krebs wurde schon in einem sehr frühen Stadium entdeckt. Entartete Zellen finden sich nur in oberflächlichen Schichten der Schleimhaut.
  • Stadium I: Der Tumor ist auf den Gebärmutterhals beschränkt.
  • Stadium II: Der Tumor hat sich bereits über die Gebärmutter hinaus ausgedehnt, aber noch nicht bis zur Beckenwand oder ins untere Drittel der Scheide.
  • Stadium III: Der Tumor hat das untere Drittel der Scheide und die Beckenwand befallen und verursacht oft einen Stau in den Harnwegen.
  • Stadium IV: Der Tumor überschreitet das kleine Becken und ist in die Schleimhaut von Blase und/oder Darm gewachsen.

 

Wie wird Gebärmutterhalskrebs behandelt?

Die Wahl der Behandlungsmethode orientiert sich vor allem am Stadium der Krebserkrankung. Aber auch individuelle Faktoren, zum Beispiel ob die betroffene Frau noch Kinder bekommen möchte, spielen eine Rolle.

 

Krebsbehandlung in frühem Stadium

Befindet sich der Krebs noch in einem sehr frühen Stadium, Mediziner sprechen von einem Carcinoma in situ, reicht mitunter eine Laserbehandlung. Andernfalls entfernt der Arzt das auffällige Gewebe, indem er eine kegelförmige Gewebeprobe aus dem Gebärmutterhals entnimmt. Das Fachwort dafür ist Konisation. Dieses Verfahren erfolgt heutzutage mit einer sogenannten elektrischen Schlinge oder mit einem Laser. Es verläuft dadurch schonender als mit einem Skalpell. Die Konisation kann unter Umständen auch schon bei der Diagnose zum Einsatz kommen, wenn die Biopsie kein eindeutiges Ergebnis liefert. Bestätigt sich dadurch, dass nur Oberflächenschichten der Schleimhaut betroffen sind, wird die Konisation zugleich als Behandlung angewendet. Dann sind keine weiteren Maßnahmen notwendig.

 

Auch im frühen Stadium I kann eine Konisation sinnvoll sein, sofern der Tumor nicht weiter als drei Millimeter tief in den Gebärmutterhals vorgedrungen ist. Bei abgeschlossener Familienplanung kann man die operative Entfernung der Gebärmutter erwägen. Bei größeren Tumoren ist dies auf jeden Fall ratsam. Danach schließt sich oft eine Strahlentherapie, häufig kombiniert mit einer Chemotherapie, an. Man bezeichnet das als Radiochemotherapie.

 

Krebsbehandlung in fortgeschrittenem Stadium

Liegt ein fortgeschrittenes Stadium I oder Stadium II vor, empfehlen Mediziner eine Entfernung der Gebärmutter, der dazu gehörenden Lymphknoten im Beckenbereich, des oberen Drittels der Scheide und bei Frauen nach den Wechseljahren auch der Eierstöcke. Dafür sind ein Bauchschnitt und eine Vollnarkose notwendig. Die Funktion der Vagina bleibt bei diesem Eingriff erhalten. Dieser Radikaloperation schließen sich oft eine Strahlenbehandlung oder eine Radiochemotherapie an. So lassen sich eventuell verbliebene Krebszellen abtöten.

 

Die Operateure brechen gegebenenfalls den chirurgischen Eingriff ab, wenn sie während der Operation feststellen, dass mehr Lymphknoten befallen sind oder der Tumor weiter fortgeschritten ist als angenommen. Sie raten dann zunächst eher zu einer Radiochemotherapie.

 

Hat der Tumor bereits die Beckenwand erreicht, also ab Stadium III, ist die Strahlen- oder kombinierte Strahlen- und Chemotherapie meist erfolgreicher als die Operation. Die Radiotherapie oder Radiochemotherapie ist deshalb im Stadium III die Behandlung der Wahl.

 

Im Stadium IV entscheiden die Ärzte individuell, welche Therapie geeignet ist. In vielen Fällen erzielt eine Strahlentherapie gute Erfolge. Allerdings sind die Heilungsaussichten bei diesem fortgeschrittenen Tumorleiden eher gering. 

 

Was geschieht nach der Behandlung?

Ob eine Patientin zur nachfolgenden Behandlung im Krankenhaus bleiben muss oder ob sie ambulant behandelt werden kann, hängt von der Art des Eingriffs ab. Wichtig für alle Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs ist die Nachsorge.

 

Für die operative Entnahme einer kegelförmigen Gewebeprobe, die Konisation, bleiben die meisten Patientinnen zwei bis drei Tage im Krankenhaus. Sie kann auch ambulant erfolgen. Bei einer Radikaloperation dauert der Klinikaufenthalt normalerweise bis zu drei Wochen. Zur besseren Erholung kann eine Anschlussheilbehandlung sinnvoll sein.

 

Eine Krebserkrankung bedeutet neben den körperlichen Veränderungen auch eine persönliche Krisensituation für Betroffene und Angehörige. Ein offener Umgang mit den entstehenden Problemen und Fragen kann die Ungewissheit und Ängste der Betroffenen erleichtern und die Lebensqualität erhöhen. Krebs-Selbsthilfegruppen oder -Sportgruppen unterstützen die Betroffenen.

 

Auch nach erfolgreicher Behandlung dauert es noch Jahre, bis man sicher von einer Heilung sprechen kann. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen spielen eine wichtige Rolle. Hier kontrolliert der Arzt nicht nur, ob der Tumor wieder ausgebrochen ist, sondern untersucht auch auf mögliche Folgeschäden der Therapie. Die Nachsorge zielt auch darauf ab, die bestmögliche Lebensqualität wiederherzustellen. Patientinnen, die vor der Erkrankung berufstätig waren, sollen mithilfe der Nachsorge leichter in ihren Beruf zurückkehren können.

 

Der Arzt berät und betreut die Frau darüber hinaus in psychosozialen Fragen, auch zu Themen wie Sexualität und Partnerschaft. In den ersten zwei Jahren sollten Nachsorgeuntersuchungen vierteljährlich erfolgen. Im dritten bis fünften Jahr untersucht der Arzt die Patientin in der Regel halbjährlich und danach jedes Jahr einmal. Je nach Fall können manchmal auch andere Zeitintervalle erforderlich sein.