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Wohlstandserkrankung Gicht
Plötzliche, starke Gelenkschmerzen, die mitten in der Nacht auftreten - so erleben die meisten Betroffenen ihren ersten Gichtanfall. Begünstigt wird die Erkrankung oftmals durch ungesunde Gewohnheiten wie übermäßigen Alkoholkonsum oder eine sehr fettige Ernährung. Um akute Schübe zu vermeiden, ist daher häufig eine Umstellung des Lebensstils erforderlich.
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Charlotte Schade, Dres. Schlegel + Schmidt Medizinische Kommunikation GmbH
Was ist Gicht?Bei Gicht handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich die Gelenke entzünden und äußerst schmerzempfindlich sind. Hervorgerufen werden diese Entzündungen von winzigen Harnsäurekristallen, auch Uratkristalle genannt, die sich in den Gelenken, aber auch in Sehnen oder in der Niere anlagern. Die Kristalle können entstehen, wenn sich zu viel Harnsäure im Blut ansammelt - entweder weil der Körper zu viel davon herstellt oder weil zu wenig ausgeschieden wird.Gicht tritt in der Regel schubartig auf. Das bedeutet, dass Betroffene immer wieder akute Anfälle erleiden, zwischen denen unter Umständen Monate oder gar Jahre liegen können. Wird der erhöhte Harnsäurespiegel nicht behandelt, kann es auf Dauer zu Bewegungseinschränkungen und Verformungen der Gelenke sowie zu chronischen Schmerzen kommen. Auch Niere und Herz können in ihrer Funktion beeinträchtigt werden.Was einen Gichtanfall begünstigtBei der Entstehung von Gicht spielen die Gene eine zentrale Rolle: Die meisten Betroffenen haben erblich bedingt einen erhöhten Harnsäurespiegel. Einzig aufgrund dieses erhöhten Harnsäurespiegels muss sich allerdings nicht zwingend ein akuter Gichtanfall entwickeln. Ausschlaggebend sind in der Regel Lebensstilfaktoren wie zum Beispielübermäßiger Konsum von Alkohol oder fruktosehaltigen Getränken,eine fettige, unausgewogene Ernährung,starker körperlicher Stress, z. B. durch Verletzungen, Infekte oder ungewohnte Anstrengung,Bewegungsmangel, Übergewicht undradikale Diäten.Auch die Faktoren Alter und Geschlecht spielen eine Rolle: In der Regel betrifft Gicht ältere Menschen, Männer deutlich häufiger als Frauen. Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Leukämie sowie bestimmte Medikamente können ebenfalls Gichtanfälle begünstigen.Gicht wird auch als Wohlstandskrankheit bezeichnet, weil viele der Risikofaktoren mit einem privilegierten Lebensstil in Verbindung gebracht werden. In Industrienationen gilt Gicht als die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung und die Zahl der Betroffenen steigt stetig an.
Bier, Burger und Co.: Trigger für Gicht?Über die Nahrung nehmen wir Purine auf - das sind Substanzen, die im Körper zu Harnsäure umgewandelt werden. Eine purinreiche Ernährung kann somit auf Dauer den Harnsäurespiegel erhöhen und einen Gichtanfall begünstigen. In hoher Konzentration sind Purine etwa in Fleisch, Wurst, Innereien, Fisch und Meeresfrüchten enthalten. Für Gicht-Patientinnen und Patienten ist es ratsam, auf diese Lebensmittel möglichst zu verzichten.Doch auch bei Getränken gibt es einiges zu beachten: Vor allem Alkohol kann einen negativen Effekt haben, denn er behindert die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere. In der Folge steigt der Harnsäurespiegel an. Besonders ungünstig ist Bier, da dieses zusätzlich zum Alkohol viel Purin enthält.Auch fruktosehaltige, also mit Fruchtzucker gesüßte Getränke wie Säfte und Softdrinks sind bei Gicht ungünstig: Die Fruktose steigert zum einen indirekt die körpereigene Herstellung von Purin, zum anderen hemmt sie - ähnlich wie Alkohol - die Ausscheidung der Harnsäure.
Wenn der Schmerz kommtTypischerweise tritt ein Gichtanfall nachts oder am frühen Morgen auf. Dabei trifft es oftmals den großen Zeh, genauer gesagt das Großzehengrundgelenk: Es schwillt plötzlich an, die Haut rötet sich und fühlt sich heiß an. Die Schmerzen sind massiv und können durch Bewegung und Berührungen verstärkt werden. Bereits eine leichte Bettdecke auf dem Zeh kann dann unerträglich sein. Seltener von einem Gichtschub betroffen sind etwa das Sprung-, das Fußwurzel- oder das Kniegelenk. Ohne Behandlung dauert ein Anfall etwa ein bis zwei Wochen an.Ärztliche Untersuchung beim akuten GichtanfallIhre Ärztin beziehungsweise Ihr Arzt untersucht zunächst das schmerzende Gelenk. In einem ausführlichen Gespräch geht es dann um Ihre Beschwerden, Ihre Ernährung und die Einnahme bestimmter Medikamente. Auch eine familiäre Häufung von Gicht wird erfragt, um Ihr erbliches Risiko einzuschätzen. Anschließend werden Ihr Blut und Ihr Urin getestet, um erhöhte Harnsäurewerte oder eine verminderte Ausscheidung über die Niere festzustellen.Unter Umständen entnimmt Ihre Ärztin beziehungsweise Ihr Arzt Ihnen etwas Gelenkflüssigkeit durch eine Gelenkpunktion, um den Verdacht auf Gicht zu bestätigen. Ist die Erkrankung weit fortgeschritten, lassen sich gichttypische Veränderungen der Gelenke und sogenannte Gichtknoten auch auf Röntgenaufnahmen nachweisen.Behandlung: Schmerzen lindern und Anfälle reduzierenWenn Sie einen Gichtanfall erleiden, ist eine ärztliche Behandlung essenziell, um Schmerzen zu lindern und bleibenden Schäden an Knochen und Gelenken möglichst entgegenzusteuern.Bei einem akuten Schub helfen oft entzündungshemmende Schmerzmittel wie zum Beispiel nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder Colchicin gegen die Beschwerden. Möglicherweise verschreibt Ihre Ärztin beziehungsweise Ihr Arzt Ihnen auch kurzfristig ein Kortisonpräparat. Zusätzlich können Sie Ihr Gelenk schonen und hochlagern. Auch kühlende Umschläge können helfen, die Schmerzen zu reduzieren.Medikamentöse DauertherapieDaneben gibt es erprobte Arzneimittel, die die Erkrankung auf Dauer eindämmen und zukünftige Gichtanfälle abwehren können. So hemmen etwa sogenannte Urikostatika wie zum Beispiel Allopurinol den Umbau von Purinen zu Harnsäure. Sogenannte Urikosurika können wiederum die Harnsäureausscheidung über die Niere erhöhen. Diese Arzneimittel müssen langfristig eingenommen werden. In Ihrer ärztlichen Praxis können Sie sich ausführlich zu den verschiedenen vorbeugenden Medikamenten beraten lassen.Ihre Mithilfe zähltAuch wenn Sie erblich bedingt zu einem erhöhten Harnsäurespiegel neigen, können Sie selbst viel tun, um Ihr Risiko für Gichtanfälle zu reduzieren:Bewusst essen: Mit einer ausgewogenen, purinarmen Ernährung, bei der viel Obst und Gemüse auf dem Speiseplan stehen, können Sie Ihren Körper optimal unterstützen. Auch Milchprodukte können einen günstigen Effekt haben, da sie die Ausscheidung von Harnsäure fördern.Normalgewicht anstreben: Wenn Sie von Übergewicht betroffen sind, ist es ratsam, Ihr Körpergewicht behutsam zu reduzieren . Ein rasanter Gewichtsverlust, etwa durch radikale Diäten, kann hingegen negative Auswirkungen haben und Gichtschübe auslösen. Seien Sie deshalb sanft mit sich und streben Sie höchstens zwei bis drei Kilogramm Gewichtsabnahme pro Monat an. Sie sind unsicher, welches Ihr persönliches Normalgewicht ist und wie Sie es erreichen? Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt berät Sie gern und kann Ihnen hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben.Alkohol und Softdrinks meiden: Alkohol und zuckerhaltige Getränke wie Limonaden mit hohem Fruktoseanteil fördern das Gichtrisiko. Wer den Konsum einschränkt oder ganz vermeidet, unterstützt den Stoffwechsel und beugt Gichtanfällen vor.Auf den Flüssigkeitshaushalt achten: Regelmäßig Wasser zu trinken unterstützt den Körper dabei, Harnsäure über die Niere auszuscheiden. Fachleute empfehlen zwei bis drei Liter Wasser oder ungesüßten Tee am Tag.
Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI) e. V. - Internisten im Netz: Gicht: Was ist das?, 25.07.2022. URL: https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/gicht/was-ist-gicht.html (abgerufen am: 27.10.2025).Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) - gesund.bund.de: Gicht, 16.12.2022. URL: https://gesund.bund.de/gicht (abgerufen am: 27.10.2025).Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.: Gicht: Ursachen, Symptome, Therapie, 06.2025. URL: https://www.rheuma-liga.de/rheuma/krankheitsbilder/gicht (abgerufen am: 27.10.2025).Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) - gesundheitsinformation.de: Gicht, 12.01.2022. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/gicht.html (abgerufen am: 27.10.2025).Rheumaliga Schweiz: Gicht, o. J. URL: https://www.rheumaliga.ch/rheuma-von-a-z/gicht (abgerufen am: 27.10.2025).
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