Der Begriff Glomerulonephritis ist eine Sammelbezeichnung für Nierenerkrankungen, bei denen es zu Veränderungen an den sogenannten Glomeruli, einem Teil der Nierenkörperchen, kommt. Charakteristischerweise sind beide Nieren betroffen.
Die Glomeruli sind kleinste Gefäßknäuel (lateinisch: glomus = Knäuel), die in der Nierenrinde liegen. Sie erfüllen wichtige Aufgaben in der Niere: Sie filtern das Blut und reinigen es von Schadstoffen und unerwünschten Abbauprodukten des Stoffwechsels. Diese gelangen in den sogenannten Primärharn. In den nachgeschalteten Nierenkanälchen werden dem Primärharn Wasser und Elektrolyte (Salze) wie Natrium und Kalzium entzogen. Übrig bleibt der Urin, der sich im Nierenbecken sammelt, von dort über die Harnleiter in die Blase läuft und dann über die Harnröhre ausgeschieden wird. Jede Niere hat mehr als eine Million dieser winzigen Filtrationseinheiten.
Die unter dem Oberbegriff "Glomerulonephritis“ oder auch "Glomerulopathie“ zusammengefassten Krankheitsbilder können sich sowohl im Hinblick auf die Ursachen als auch auf die Behandlung und den Krankheitsverlauf deutlich unterscheiden. Bei manchen Formen ist die Nierenfunktion kaum eingeschränkt, bei anderen kann es innerhalb weniger Tage zum Totalversagen der Niere kommen - und damit zu einem lebensbedrohlichen Zustand.
Die Glomerulonephritis kann praktisch in jedem Lebensalter auftreten. Schwerwiegende Folge kann die sogenannte chronische Niereninsuffizienz sein, bei der die Nieren nicht mehr richtig arbeiten. Im schlimmsten Fall wird eine Blutwäsche (Dialyse
) notwendig. Insgesamt sind Glomerulonephritiden für etwa zehn Prozent aller chronischen Niereninsuffizienzen verantwortlich. Glomerulonephritiden können aber auch folgenlos ausheilen.
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Autor: Ulrich Kraft; Dr. med. Dirk Nonhoff, erstellt am 25.10.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Anne-Kristin Schulze am 29.03.11
Quelle: Cohen, C. D.: Glomerulonephritis kann Nierenversagen verursachen. Presseinformation der Ludwig-Maximilian-Universität München, 19.09.2006. URL: www.uni-muenchen.de/einrichtungen/zuv/uebersicht/komm_presse/verteiler/presseinformationen/2006/f-10-06.html (Stand 11.04.2011); Corsenca, A.; Ambühl, P. M.: IgA-Nephropathie. Die häufigste Glomerulonephritis-Form. In: Der Nephrologe (2) 2007, S. 14-19; Dendorfer U.; Mann J.: Glomerulonephritis. In: Deutsche Medizinische Wochenschrift (131) 2006, S. 93-100; Groß, R.: Die Innere Medizin. 10. Aufl. Schattauer, 2000; Harrison, T. R.: Harrisons Principles of Internal Medicine. McGraw-Hill, 2001; Karges, W.; Al Dahouk, S.: Innere Medizin … in 5 Tagen. Heidelberg: Springer Medizin Verlag, 2009; Schölmerich, J. (Hrsg.): Medizinische Therapie 2007/2008. 3. Aufl. Heidelberg: Springer Medizin Verlag, 2007; Weiner, S. M.; Waldherr, R.; Kriegsmann, J.: Diagnostik der Glomerulonephritiden. In: Z Rheumatol (68) 2009, S. 295-304.

