Was ist Gonorrhoe?
Gonorrhoe, auch Tripper oder Morbus Neisser genannt, ist eine weltweit vorkommende Geschlechts- beziehungsweise sexuell übertragbare Krankheit. Wahrscheinlich haben bis zu fünf unter 100.000 Personen hierzulande eine Gonorrhoe. Allerdings vermuten Experten eine hohe Dunkelziffer und schätzen, dass bis zu 40 Fälle unter 100.000 Einwohnern vorkommen.
In Afrika und in fernöstlichen Ländern infizieren sich wesentlich mehr Menschen mit der Gonorrhoe. Die Erkrankung kommt besonders bei jungen, sexuell aktiven Menschen mit häufigem Partnerwechsel vor.
Das Bakterium Neisseria gonorrhoeae, so benannt nach ihrem "Entdecker" Albert Neisser, ruft die Gonorrhoe hervor. In den befallenen Zellen lagern sich die Bakterien paarweise zusammen, daher auch die Bezeichnung Diplokokken. Ein anderer Name für die Erreger lautet Gonokokken.
Wie bekommt man Gonorrhoe?
Die Übertragung der Erreger erfolgt fast ausschließlich durch Geschlechtsverkehr. Dabei gelangen die Gonokokken nicht nur bei Genital-, sondern auch bei Oral- oder Analverkehr in die Rachen- oder Darmschleimhaut. Die Übertragungswahrscheinlichkeit vom Mann auf die Frau ist bei einmaligem Kontakt etwa doppelt so hoch wie umgekehrt.
Bekommt eine infizierte Mutter ein Kind, kann das Kind sich bei der Passage durch den Geburtskanal mit dem Erreger anstecken. Die Erkrankung äußert sich bei den Neugeborenen dann mit schweren Entzündungen der Augen (Gonoblennorrhoe), die unbehandelt zu Blindheit führen können. Diese Erkrankung ist in den Industrieländern mittlerweile sehr selten.
Wie äußert sich die Erkrankung?
Innerhalb von zwei bis sieben Tagen nach der Ansteckung (Inkubationszeit) kann eine eitrige Entzündung entstehen. Diese manifestiert sich beim Mann meist als Harnröhrenentzündung (Urethritis) mit eitrigem Ausfluss und Schmerzen beim Wasserlassen. Komplizierend können selten Entzündungen von Nebenhoden und Prostata hinzukommen.
Bei der Frau sind nicht selten ebenfalls die Harnröhre und der Gebärmutterhals betroffen. Die Entzündung kann sich unter Umständen auch auf die Bartholin-Drüsen an den kleinen Schamlippen und die Eileiter ausbreiten. Bei der Entzündung des Gebärmutterhalses tritt eitriger, grün-gelber Ausfluss auf. Eine Urethritis verursacht auch bei der Frau Schmerzen beim Wasserlassen und häufigen Harndrang. Vom Gebärmutterhals kann sich die Infektion auf andere Geschlechtsorgane wie Eileiter, Gebärmutterschleimhaut oder Eierstöcke ausdehnen. Kommt es zu einer sogenannten oberen Gonorrhoe mit Entzündung der Eileiter (Salpingitis), sind starke Unterbauchschmerzen oder Fieber mögliche Beschwerden..
Auch Enddarm und Rachen können betroffen sein
Bei beiden Geschlechtern ist auch eine Entzündung des Enddarms möglich (Proktitis). Dabei können Schmerzen im betroffenen Bereich, Ausfluss, Durchfall und Juckreiz auftreten. Es gibt aber auch symptomlose Verläufe. Abhängig von den sexuellen Praktiken kommt eine Gonorrhoe unter Umständen auch im Rachen vor (Pharyngitis). Sie kann sich durch Schluckstörungen, Halsschmerzen, Rötung und Absonderungen äußern, allerdings bestehen oft keine Beschwerden.
Symptomlose Verläufe gibt es jedoch nicht nur, wenn Rachen und Enddarm betroffen sind. Eine Gonorrhoe kann bei 40 bis 80 Prozent der betroffenen Frauen und etwa zehn Prozent der Männer ohne Beschwerden verlaufen. Allerdings besteht bei derartigen Infektionen trotzdem Ansteckungsgefahr!
Mögliche Folge einer Gonorrhoe ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen eine Unfruchtbarkeit. Frauen haben zudem ein erhöhtes Risiko für Eileiterschwangerschaften und anhaltende Schmerzen im Unterleib. Außerdem können vor allem bei Männern Vernarbungen und Verengungen der Harnröhre auftreten, was das Wasserlassen erschwert.
Bei bis zu drei Prozent der Betroffenen breiten sich die Erreger auf andere Organe wie Haut und Gelenke aus (Disseminierung). Dann besteht ein allgemeines Krankheitsgefühl begleitet von einem Hautausschlag in Form von eitrigen Bläschen an Händen und Handgelenken, Fieber und Entzündung größerer Gelenke mit Schwellung, Rötung und Schmerzen. Unter Umständen treten auch Entzündungen der Hirnhaut (Meningitis), der Herzinnenhaut (Endokarditis) und des Herzbeutels (Perikarditis) auf.
Wie wird die Gonorrhoe diagnostiziert?
Der Nachweis von Gonokokken kann direkt aus Abstrichen der betroffenen Schleimhautareale etwa der Harnröhre oder des Gebärmutterhalses erfolgen: Nach spezieller Anfärbung lassen sich die Bakterien unter dem Mikroskop erkennen. Den Beweis bringt eine Anzucht der Erreger aus dem Abstrichmaterial auf einem speziellen Nährboden (Kultur). Dabei lässt sich auch die Empfindlichkeit der Gonokokken auf bestimmte Antibiotika testen.
Es sollte auch nach parallel bestehenden anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie einer Chlamydieninfektion oder Syphilis gesucht werden, denn in 20 bis 50 Prozent der Fälle liegen Doppelinfektionen, das heißt die gleichzeitige Ansteckung mit Gonokokken und anderen sexuell übertragenen Erregern, vor.
Wie wird die Gonorrhoe behandelt?
Die Therapie der Gonorrhoe beruht auf der Gabe eines Antibiotikums, das gegen die Gonokokken wirkt. Das sind derzeit vor allem bestimmte Cephalosporine. Unter Umständen kommt bei einer Doppelinfektion ein weiteres Antibiotikum hinzu.
Das gegen Gonokokken wirksame Antibiotikum kann in den Muskel, als Tablette oder in die Vene verabreicht werden. Die Therapie sollte möglichst früh beginnen, damit keine Folgeschäden auftreten. Nach der Behandlung führt der Arzt erneut Untersuchungen durch, um den Behandlungserfolg zu überprüfen.
Wichtig ist, dass die Sexualpartner, auch wenn sie keine Beschwerden haben, untersucht und gegebenenfalls therapiert werden.
Prinzipiell sollte man sich vor der Ansteckung mit Gonokokken schützen. Hilfreich ist hierbei die Anwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr. Auch die Aufklärung, besonders der Risikogruppen, spielt eine wichtige Rolle.