Was ist der Grüne Star?
Als Grünen Star oder auch Glaukom bezeichnen Mediziner Augenerkrankungen, die den Sehnerv zerstören können. Meistens ist dabei der Druck im Inneren des Auges, der Augeninnendruck, erhöht. Ohne Behandlung führen diese Krankheiten zu Gesichtsfeldausfällen und Erblindung. Das Glaukom ist weltweit die häufigste Erblindungsursache.
Der Grüne Star schreitet meist langsam und schmerzlos voran. Daher erkennen viele Betroffene ihre Krankheit erst, wenn der Sehnerv schon beschädigt ist.
In Deutschland sind etwa 800.000 Menschen an einem Glaukom erkrankt und fast drei Millionen Menschen leiden an erhöhtem Augeninnendruck, der eine Glaukomvorstufe sein kann. Etwa zehn Prozent der Betroffenen droht die Erblindung. Die Häufigkeit des grünen Stars steigt mit dem Lebensalter an. Nach dem 40. Lebensjahr haben etwa 2,4 Prozent aller Menschen einen zu hohen Augendruck, ab dem 70. Lebensjahr sind es etwa sieben Prozent.
Wie entsteht ein Glaukom?
Beim Glaukom gehen die Nervenfasern des Sehnervs und der Netzhaut zugrunde. Diese Fasern bündeln die Seheindrücke und senden sie zum Sehzentrum im Gehirn. Die beiden wichtigsten Gründe für die Zerstörung der Nervenzellen sind ein erhöhter Druck innerhalb des Auges und eine unzureichende Blutversorgung dieser Zellen.
Ein erhöhter Augeninnendruck entsteht, wenn die Flüssigkeit der Augenkammer, das Kammerwasser, sich im Auge staut. Dazu kommt es, wenn das Kammerwasser nicht mehr ungehindert abfließen kann.
Außer dem erhöhten Augeninnendruck gibt es noch weitere Risikofaktoren für die Entstehung eines Glaukoms:
- hohes Alter
- genetische Veranlagung
- schwarze Hautfarbe
- starke Fehlsichtigkeit (zum Beispiel Kurzsichtigkeit ab minus fünf Dioptrien)
Durchblutungsstörungen
Welche Ursachen und Formen des Glaukoms gibt es?
Normalerweise fließt das Kammerwasser ungehindert über einen Winkel zwischen Horn- und Regenbogenhaut, den sogenannten Kammerwinkel, ab. Je nachdem, ob und warum sich das Kammerwasser staut, unterscheiden Ärzte verschiedene Formen des Glaukoms.
Offen- oder Weitwinkelglaukom
Beim Offenwinkelglaukom ist der Kammerwinkel offen, der Abfluss des Kammerwassers über das schwammähnliche System im Augenwinkel aber behindert. Über 90 Prozent aller Betroffenen leiden an dieser Form des grünen Stars. Da sich das Kammerwasser im Auge staut, steigt der Augeninnendruck und die Fasern des Sehnervs nehmen Schaden.
Normaldruckglaukom
Etwa ein Drittel der Patienten mit einem Offenwinkelglaukom hat die typischen Anzeichen der Erkrankung wie Gesichtsfeldausfälle und Schäden am Sehnerv, ohne dass der Druck im Inneren des Auges erhöht ist. Ärzte sprechen in diesem Fall von einem Normaldruckglaukom.
Wahrscheinlich ist bei diesen Patienten die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Sehnervs gestört. Oft leiden die Betroffenen nicht nur im Bereich der Netzhaut an Durchblutungsstörungen sondern auch in anderen Körperteilen. Um diese spezielle Glaukomform zu erkennen, reicht es nicht aus, nur den Augeninnendruck zu messen. Der Augenarzt sollte auch den Augenhintergrund regelmäßig kontrollieren.
Winkelblock- oder Engwinkelglaukom
Beim Winkelblock- oder Engwinkelglaukom ist der Abflusskanal für das Kammerwasser verengt. Diese Form macht etwa fünf Prozent der Fälle aus. Bei einem Engwinkelglaukom kann der Druck im Augeninnern massiv ansteigen. Dann ist das Auge gerötet und schmerzt. Es droht ein akuter Glaukomanfall.
Glaukomanfall
Der akute Glaukomanfall ist ein Notfall, den der Augenarzt sofort behandeln muss, um bleibende Schäden zu vermeiden. Bei einem Glaukomanfall ist der Abflussbereich des Kammerwassers plötzlich komplett verlegt. Der Anfall ist sehr schmerzhaft und der Patient leidet unter akuten Sehstörungen. Das Auge ist stark gerötet, die Pupille erweitert. Oft klagen Patienten zudem über Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Bei Druck auf den Augapfel fühlt sich dieser steinhart an.
Angeborenes Glaukom
Anatomische Fehlentwicklungen des Embryos im Mutterleib können dazu führen, dass bereits Säuglinge und Kleinkinder an einem Glaukom erkranken. Die Kinder sind häufig lichtscheu und ihre Augen tränen. Das betroffene Auge wird im Verlauf der Erkrankung immer größer und droht zu erblinden. Sehr große, größer werdende oder unterschiedlich große Augen eines Kindes muss daher der Augenarzt untersuchen.
Sekundärglaukom
Es gibt Erkrankungen, die den Sehnerv oder die Netzhaut schädigen. Dazu gehört zum Beispiel die Zuckerkrankheit, der Diabetes mellitus. Auch Verletzungen, Entzündungen, Stoffwechselerkrankungen oder Medikamente können ein Glaukom verursachen.
Wie können Sie ein Glaukom selbst erkennen?
Häufig bemerken Betroffene ein Glaukom erst spät. Oft ist der Sehnerv dann bereits so stark geschädigt, dass er nicht mehr repariert werden kann. Außer im Glaukomanfall bereitet der grüne Star in aller Regel keine Schmerzen. Die Krankheit schreitet langsam voran und verursacht zu Beginn kaum Beschwerden. Nur ein Augenarzt kann einen erhöhten Augeninnendruck oder Veränderungen des Sehnervs rechtzeitig erkennen.
Bei plötzlich auftretenden starken Augenschmerzen sollten Sie sofort einen Augenarzt aufsuchen: Es könnte sich um einen Glaukomanfall handeln, den der Arzt sofort behandeln muss.
Wie untersucht der Arzt?
Die wichtigsten Untersuchungen zur Diagnose des Glaukoms sind:
Messung des Augeninnendrucks
Der Augenarzt kann den Druck innerhalb des Auges entweder mit einem feinen Luftstrahl oder mit einem sogenannten Tonometer messen. Beide Methoden sind völlig schmerzfrei.
Messung des Gesichtsfeldes
Das Gesichtsfeld ist der Bereich, den Sie mit ruhig stehendem Auge wahrnehmen können. Bei der Glaukomerkrankung verkleinert sich dieser Bereich zunehmend. Diesen schleichenden Vorgang nehmen die Betroffenen meist nicht wahr. Der Arzt kann die Grenzen des Gesichtsfeldes ausmessen. Dabei muss der Patient auf eine Vielzahl von Lichtreizen reagieren. Die Untersuchung dauert je nach Aufwand fünf bis 30 Minuten und ist schmerzfrei.
Untersuchung des Sehnervs
Manchmal ist der Kopf des Sehnervs bereits geschädigt, bevor das Gesichtsfeld verändert ist. Der Augenarzt kann einen Schaden des Sehnervs mit dem Augenspiegel erkennen. Oft muss er vor der Untersuchung die Pupille mit Augentropfen erweitern. Sie können dadurch vorübergehend schlechter sehen und sollten daher einige Stunden nach der Untersuchung nicht selbst Auto fahren. Die Kontrolle des Augenhintergrunds ist wie die schmerzfrei und eine der wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen.
Nervenfaseranalyse
Mithilfe eines Lasers kann der Augenarzt die Dicke der Sehnervfasern beurteilen. So kann er ein Glaukom diagnostizieren oder auch den Verlauf der Erkrankung überwachen.
Beurteilung des Kammerwinkels
Zur Beurteilung des Kammerwinkels setzt der Arzt eine becherförmige Linse auf die betäubte Hornhaut. Damit kann er den Kammerwinkel einsehen und dort nach einer möglichen Verklebung als Ursache des Glaukoms suchen.
Welche Therapien helfen beim Glaukom?
Es gibt verschiedene Medikamente, die der Arzt je nach Schwere des Glaukoms einzeln oder in Kombination verordnen kann. Diese Arzneimittel vermindern die Bildung von Augenwasser oder verbessern den Abfluss. Sie sollen den Augeninnendruck senken. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Augentropfen.
Medikamente gegen den grünen Star sind:
Miotika
Sie verengen die Pupille und erweitern den Abflusskanal. Nebenwirkung ist eine schlechte Lichtanpassungsfähigkeit des Auges. Der Patient kann dadurch unter Umständen nicht mehr in der Nacht Auto fahren.
Betablocker
Augentropfen mit diesen Wirkstoffen verringern die Produktion von Kammerwasser. Vorsicht ist geboten bei Patienten mit Asthma und Herzerkrankungen, da Betablocker auch den Blutdruck senken und die Bronchien verengen können.
Karboanhydrasehemmer
Diese Arzneimittel hemmen die Produktion von Kammerwasser. Untersuchungsergebnisse sprechen dafür, dass Karboanhydrasehemmer auch die Durchblutung des Sehnervs verbessern können. Manche Patienten klagen nach der Anwendung solcher Augentropfen über gereizte Bindehäute oder einen metallischen Geschmack im Mund.
Sympathomimetika
Augentropfen mit diesen Arzneistoffen senken den Augeninnendruck, indem sie die Kammerwasserproduktion vermindern.
Prostaglandine
Diese Medikamente verbessern den Abfluss des Kammerwassers, sodass der Augeninnendruck sinken kann. Während der Therapie mit Prostaglandinen können die Augen leicht gerötet sein. Selten kommt es zu einer Verfärbung der Regenbogenhaut.
Akuter Glaukomanfall
Beim akuten Glaukomanfall verabreicht der Arzt notfallmäßig das Parasympathomimetikum Pilocarpin und einen Karboanhydrasehemmer als Spritze oder Infusion über die Vene sowie Augentropfen mit einem Betablocker. Außerdem versucht er durch die Gabe von Mannit, dem Auge Wasser zu entziehen und so den Druck zu senken. Diese Maßnahmen sollen den Patienten schnell von seinen Beschwerden und Schmerzen befreien und das Auge vor Schäden bewahren.
In schweren Fällen ist eine Operation eine weitere Möglichkeit der Glaukomtherapie. Es gibt verschiedene Operationsverfahren, unter anderem auch die Lasertherapie. Welches Verfahren am besten geeignet ist, ist von der Art der Erkrankung abhängig.
Augentropfen und Tabletten, welche die Nervenfasern gegenüber einem erhöhten Augeninnendruck widerstandsfähiger machen sollen, befinden sich zurzeit noch in der klinischen Erprobung.
Was können Sie selbst tun?
Lassen Sie Ihre Augen regelmäßig von einem Augenarzt kontrollieren, besonders wenn es in Ihrer Verwandtschaft schon Glaukomfälle gab. Ab einem Alter von 40 Jahren sollte jeder mindestens alle zwei Jahre zur Vorsorgeuntersuchung bei seinem Augenarzt. So kann der Arzt ein Glaukom früh erkennen und eine Schädigung des Sehnervs verhindern.
Hat der Augenarzt bei Ihnen ein Glaukom diagnostiziert, müssen Sie die verordneten Medikamente regelmäßig und den Anweisungen des Arztes entsprechend anwenden.