Bösartige Neubildungen der Harnblase bezeichnet man als Harnblasenkrebs (Harnblasenkarzinom). In den meisten Fällen entarten die Schleimhautzellen, das sogenannte Urothel. Sie kleiden die Harnblase von innen aus. Man spricht deshalb auch vom Urothelkarzinom.
Harnblasenkarzinome machen rund drei Prozent aller bösartigen Tumoren aus und sind somit relativ selten. Es erkranken vorwiegend ältere Menschen über 65 Jahre, nur fünf Prozent der Patienten sind jünger als 45 Jahre. Männer sind etwa zweieinhalb mal so häufig betroffen wie Frauen. Insgesamt erkranken in Deutschland jedes Jahr etwa 20.000 Männer und 8.000 Frauen an einem Harnblasenkarzinom.
Welche Risikofaktoren gibt es?
Bestimmte Risikofaktoren begünstigen das Auftreten von Harnblasenkrebs. Insgesamt sind über 50 chemische Substanzen bekannt, die das Risiko für ein Harnblasenkarzinom erhöhen, darunter vor allem die sogenannten aromatischen Amine und Nitrosamine.
Zigarettenrauchen ist ein wesentlicher Risikofaktor, der die Entstehung von Harnblasenkrebs fördert, vermutlich durch die im Tabak enthaltenen Substanzen 2-Naphthylamin und Nitrosamine. Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg macht Rauchen für die Hälfte der Erkrankungsfälle bei Männern und für 30 Prozent der Fälle bei Frauen verantwortlich.
Arbeiter in der chemischen sowie in der farb- und gummiverarbeitenden Industrie, in Aluminium verarbeitenden und in Textilbetrieben können mit Chemikalien in Kontakt kommen, die Harnblasenkrebs verursachen. Auch Berufstätige im Bergbau und in der Druckindustrie setzen sich potenziell krebsauslösenden Stoffen aus. Tritt bei einem Arbeiter, bei dem ein langjähriger beruflicher Kontakt mit einem oder mehreren dieser Substanzen nachgewiesen ist, ein Harnblasenkarzinom auf, so ist dieser Krebs als Berufserkrankung gesetzlich anerkannt.
Der weltweit wichtigste Risikofaktor, vor allem in den tropischen und subtropischen Ländern, ist eine Infektionskrankheit, die Bilharziose (Schistosomiasis). Saugwürmer (Schistosomen), die in Wasserschnecken leben, rufen diese Erkrankung hervor. Bei Kontakt mit verunreinigtem Wasser dringen die Schistosomen in den Menschen ein. Die Bilharziose verursacht schwere Entzündungen vor allem der Harnwege, die im weiteren Verlauf zur Entstehung von Harnblasenkrebs führen können. Von der Erkrankung sind weltweit rund 300 Millionen Menschen betroffen.
Auch andere langjährige und wiederholte Entzündungen der Harnblase, Blasensteine, schwere Blasenfehlbildungen, eine langjährige Dauerkatheterbehandlung sowie bestimmte Nierenerkrankungen begünstigen die Entstehung von bösartigen Blasentumoren. Die Zellgifte, die bei einer vorausgegangenen Chemotherapie eingesetzt wurden, haben ihrerseits eine gewisse krebsauslösende (kanzerogene) Wirkung.
- Seite 1: Was ist Harnblasenkrebs?
- Seite 2: Wie macht sich der Krebs bemerkbar?
- Seite 3: Wie wird der Blasenkrebs behandelt?
- Seite 4: Wie ist die Prognose?
Autor: Dr. med. Martina Waitz, erstellt am 20.01.05; zuletzt aktualisiert von Dr. Judith Neumaier am 23.05.11
Quelle: Hanno, P.: Clinical manual of Urology. McGraw-Hill, 3rd edition, 2001; Hautmann, R.: Urologie. Springer, 2. Auflage, 2001; Sökeland, J.: Urologie. Thieme, 12. Auflage, 2002; Hautmann R., Huland H.: Urologie. 3. Auflage, 2006, Springer; Merkle W.: Urologie. 1997, Hippokrates; Interdisziplinäre kurzgefasste Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Harnblasenkarzinom. 2008 (http://www.krebsgesellschaft.de/download/ll_f_04.pdf); Robert Koch-Institut: Krebs in Deutschland 2005/2006. Häufigkeiten und Trends. 7. Auflage, 2010 (http://www.rki.de/cln_169/nn_203956/DE/Content/GBE/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/KID2010,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/KID2010.pdf).

