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Was ist Harninkontinenz?

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Als Harninkontinenz (Blasenschwäche) bezeichnet man den unwillkürlichen Abgang von Urin. Der Begriff Inkontinenz ist vom lateinischen Wort incontinere (nicht zusammenhalten) abgeleitet.

Der Harn geht im Säuglingsalter unterbewusst und reflexartig ab. Beim heranwachsenden Kind wird das Wasserlassen zu einem bewussten Vorgang, der schließlich ab dem zweiten bis vierten Lebensjahr einer willentlichen Steuerung unterliegt. Kontinenz bedeutet, Urin willentlich gesteuert entleeren zu können, das heißt sowohl der Ort als auch die Zeit sind selbstbestimmt.

 

Wie läuft eine normale Blasenentleerung ab?

Die Blase, ein hauptsächlich aus Muskelgewebe bestehendes Hohlorgan, besitzt ein Fassungsvermögen von bis zu etwa 500 Milliliter Flüssigkeit, wobei die individuellen Unterschiede groß sind. Normalerweise ist der am Beginn der Harnröhre liegende Schließmuskel angespannt und verhindert damit einen Urinverlust.

 

Dehnungsfühler (Rezeptoren) in der Blasenwand melden den Füllungszustand an das zentrale Nervensystem, ab einem bestimmten Füllungsvolumen wird dann Harndrang empfunden.

 

Bei der Blasenentleerung arbeiten Blasenwandmuskeln und der Schließmuskel koordiniert zusammen, das heißt, bei willentlich entspanntem, lockerem Schließmuskel zieht sich gleichzeitig der Blasenwandmuskel zusammen und treibt den Urin aus der Blase.

 

Hat sich die Blase vollständig entleert, entspannt der Blasenwandmuskel, und der Schließmuskel dichtet die Blase durch erneute Anspannung ab. Die Kraft des Schließmuskels ist dabei so groß, dass nicht nur die wieder einsetzende Füllung der Blase mit Urin, sondern auch andere Druckbelastungen im kleinen Becken durch Husten, Pressen und Heben schwerer Gegenstände ausgehalten werden. Ist dieses Zusammenspiel der verschiedenen Muskeln und Nerven gestört, kommt es zur Inkontinenz.

 

Wie häufig ist Inkontinenz?

Man schätzt, dass in Europa viele Millionen Menschen an Inkontinenz leiden, in Deutschland zwischen drei und sechs Millionen. Frauen sind mit 75 Prozent wesentlich häufiger betroffen, weil ihr Beckenboden und davon abhängig die Schließmuskelfunktion durch Schwangerschaft und Geburt stärker belastet werden und die Harnröhre kürzer und dadurch weniger muskelgestützt ist als beim Mann. Außerdem trägt der sich ändernde Hormonspiegel nach den Wechseljahren dazu bei, dass die funktionelle Einheit von Blase und Schließmuskel beeinträchtigt wird.

 

Obwohl die Harninkontinenz das Leben der Betroffenen massiv beeinträchtigt, suchen nur zehn bis 15 Prozent von ihnen Hilfe auf. 85-90 Prozent verschweigen ihr Problem und nur die Hälfte der schwer Inkontinenten benutzen Hilfsmittel. Etwa 25 Prozent aller Pflegeheim-Aufnahmen erfolgen wegen Inkontinenz, da diese mit zunehmendem Alter häufiger auftritt.

 

Im Alter lassen viele körperliche Kontrollfunktionen nach. So verändern sich Blase, Harnröhre und beim Mann auch die Prostata, und zahlreiche altersabhängige Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Verstopfung können in Kombination Einfluss auf die Blasenentleerung nehmen.

 

Bei Urinverlust im Säuglings- und Kleinkindesalter muss zwischen einem verspäteten Trockenwerden und einer echten Inkontinenz unterschieden werden. Bei Kindern und auch bei Erwachsenen ist es sehr wichtig, die Krankheitsgeschichte zu beachten und eine sehr genaue körperliche Untersuchung zur Unterscheidung der einzelnen Ursachen, die zum Urinverlust führen, durchzuführen. 

Autor: Dr. med. Stefan Rütten; Dr. med. Martina Waitz, erstellt am 20.01.05; zuletzt aktualisiert von Dr. Judith Neumaier am 29.05.11

Quelle: Dorner, P.: Harninkontinenz NIERE BLASE PROSTATA AKTUELL 1/99:2,1999; Hanno, P.: Clinical manual of Urology. McGraw-Hill, 3rd edition, 2001; Hautmann, R.: Therapie urologischer Erkrankungen, 1992; Hautmann, R.: Urologie. Springer, 2. Auflage, 2001; Hinman, F.: Atlas urologischer Operationen. Enke, 1994; Sökeland, J.: Urologie. Thieme, 12. Auflage, 2002; Hautmann R., Huland H.: Urologie. 3. Auflage, 2006, Springer; Merkle W.: Urologie. 1997, Hippokrates; Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Urologische Diagnostik bei Blasenfunktionsstörungen der Frau. Mai 2004 (); Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie. Harninkontinenz. 9/2009 (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/084-001_S2_Harninkontinenz_09-2009_09-2014.pdf); Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Die überaktive Blase. Stand: Juni 2010 (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-007l_S2k_Ueberaktive_Blase.pdf).

 
 
 

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