Bei etwa 70 Prozent aller gesunden Erwachsenen kommen Pilze im Darm vor, am häufigsten sind Candida-Pilze. Eine Behandlung ist nur in Ausnahmefällen erforderlich.
Wo kommen Hefepilze vor?
Candida-Pilze sind Hefepilze, die im Darm, im Mundrachenraum und in der Scheide vorkommen. Auch auf der Haut gehören Hefepilze zur normalen Besiedelung. Der bekannteste und häufigste Hefepilz ist Candida albicans.
Welche Beschwerden kann eine Infektion mit Hefepilzen verursachen?
Bei vielen Menschen finden sich Hefepilze in geringen Mengen auf der Haut oder in bestimmten Körperarealen, wie zum Beispiel dem Magen-Darm-Trakt oder dem Nasen-Rachen-Raum, ohne krank zu machen. Ob vielfältige Beschwerden der Allgemeinbevölkerung wie Müdigkeit, Verdauungsstörungen, Schlafstörungen oder Gelenkschmerzen auf einen Hefepilzbefall zurückzuführen sind, wird kontrovers diskutiert. Einen wissenschaftlichen Nachweis für diese Theorie gibt es nicht.
Bei abwehrgeschwächten Menschen wie zum Beispiel HIV-Patienten, Krebspatienten, Menschen mit Immundefekten und Menschen, die sich einer immunsuppressiven Therapie unterziehen, können sich die Hefepilze allerdings soweit vermehren, dass sie eine krankmachende Wirkung entfalten. Die Erkrankung kann lebensbedrohlich sein.
Auch bei alten Menschen werden häufiger schwere Verläufe einer Darmpilzbesiedelung beobachtet. Auch eine vorausgegangene Behandlung mit Antibiotika kann eine krankhafte Hefepilzbesiedlung verursachen.
Es kommt zu Durchfällen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Sind die Durchfälle sehr stark und wird nicht genug getrunken, ist ein Flüssigkeitsmangel die Folge. Allgemeine Abgeschlagenheit, Schwäche und Fieber begleiten die Beschwerden. Sind innere Organe betroffen, kann die Hefepilzinfektion zu Entzündungen (zum Beispiel eine Lungenentzündung) und sogar zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen.
Wie behandelt man einen krankhaften Hefepilzbefall?
Nur bei einem krankhaften Hefepilzbefall ist eine Behandlung notwendig. Zur Beseitigung des Hefepilzes stehen Antipilzmittel, sogenannte Antimykotika, zur Verfügung. Bei einem schweren Organbefall erhalten die Betroffenen ein Antimykotikum über die Vene verabreicht. Ist nur der Mundraum oder der Darm befallen, reichen Tabletten oder entsprechende Lösungen aus.
Für den Nutzen einer Anti-Pilz-Diät gibt es keine wissenschaftlichen Nachweise. Sinnvoll ist eine gesunde Ernährung mit ballaststoffreicher Ernährung mit geringem Zuckergehalt. Hilfreich kann auch die Zufuhr von Probiotika (zum Beispiel probiotische Joghurts) sein.
Autor: Dr. med. Sigrid Tapken; Dr. med. Martina Waitz, erstellt am 20.01.05; zuletzt aktualisiert von Dr. Judith Neumaier am 21.12.11
Quelle: Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, (2002 und 2006); Hahn, G.: Klinische Gastroenterologie. 2000; Gesundheitsinformationsnetz der Medizinischen Universität Innsbruck: Moosburger K.A.: Darmpilze: Candida, der Feind im Darm?; Mitteilung der Kommission Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin des Robert-Koch-Instituts: Pathogenetische Bedeutung der intestinalen Candidabesiedelung. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz (2004): 47,587-600; Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie: DGPI-Handbuch, 4. Auflage, 2003; Altmeyer P.: Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie, Umweltmedizin. Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2010; Schulze, J. et al.: Pilze im Darm – von kommensalen Untermietern zu Infektionserregern. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(51–51): 837–42.