Was versteht man unter einer Hepatitis D?
Eine Hepatitis D, auch Delta-Hepatitis genannt, ist eine Entzündung des Lebergewebes, deren Ursache Hepatitis-D-Viren sind. Sie kommt nur bei Menschen vor, die auch mit Hepatitis-B-Viren infiziert sind. Eine zusätzliche Infektion mit Hepatitis D kann eine Hepatitis B deutlich verschlechtern und erhöht das Risiko, dass es zu Zirrhose und/oder Leberkrebs kommt.
Das Hepatitis-D-Virus ist ein unvollständiges Virus, das alleine nicht funktionstüchtig ist. Um sich vermehren zu können, benötigt es die Hülle des Hepatitis-B-Virus.
Die Infektion mit Hepatitis-D-Viren kann entweder gleichzeitig mit Hepatitis-B-Viren (Simultaninfektion) oder nachträglich bei einer bereits bestehenden Hepatitis-B-Infektion (Superinfektion) erfolgen.
Wie kann man sich anstecken?
Die Übertragung von Hepatitis-D-Viren kann über engen Hautkontakt oder durch ungeschützte Sexualkontakte zu infizierten Personen sowie durch infiziertes Blut erfolgen.
Wie weit ist Hepatitis D verbreitet?
Weltweit sind rund zehn Millionen Menschen mit Hepatitis-D-Viren infiziert. In Deutschland kommt die Infektion sehr selten und fast nur in Risikogruppen vor.
Wer ist gefährdet?
Eine besonders hohe Ansteckungsgefahr besteht für
Menschen, die häufig wechselnde Sexualkontakte haben;
- Beschäftigte im Gesundheitswesen, die in Kontakt mit Blut oder Blutprodukten kommen;
- Neugeborene, deren Mutter infiziert ist;
- Drogenkonsumenten, die Utensilien wie Spritzbesteck oder Röhrchen gemeinsam verwenden.
Was sind die Symptome?
Die Symptome einer Hepatitis B und D ähneln denen einer Hepatitis B alleine. Bei einer frischen Infektion gibt es oft keine Symptome. Es können leichte, grippeähnliche Symptome auftreten, heller Stuhl, dunkler Urin, Fieber oder eine Gelbfärbung der Haut und/oder der Augen.
70 bis 90 Prozent der Patienten entwickeln eine chronische Leberentzündung mit schwerem Verlauf. Die meisten Betroffenen haben anfangs zwar keine Symptome, entwickeln später aber Zirrhose oder Leberkrebs.
Besonders gefährlich ist die Doppelinfektion, wenn ein Patient zunächst nur eine chronische Hepatitis B hat und das Delta-Virus später hinzukommt. Leberschäden entwickeln sich dann häufig schneller und schwerer als bei einer Simultaninfektion. Das Sterberisiko ist für Patienten mit einer Hepatitis D zehnmal so hoch wie bei einer alleinigen Hepatitis-B-Infektion.
Wie wird eine Hepatitis-D-Infektion diagnostiziert?
Der Verdacht auf eine Lebererkrankung besteht beim Auftreten charakteristischer Symptome wie zum Beispiel einer Gelbfärbung der Haut. Auch erhöhte Leberwerte (Transaminasen) können Hinweise auf eine Lebererkrankung sein. Diese Symptome können jedoch auch bei anderen Lebererkrankungen auftreten. Daher sollte der Arzt mithilfe weiterer Untersuchungen das Ausmaß der Leberschädigung und die Art der Erkrankung feststellen. Weitere Hinweise erhält er durch die Befragung des Patienten nach besonderen Risiken für eine Hepatitis-B- oder -D-Infektion.
Bei nachgewiesener Hepatitis-B-Infektion wird der Arzt auch untersuchen, ob zusätzlich eine Hepatitis-D-Infektion vorliegt. In Laboruntersuchungen lassen sich beispielsweise gegen Hepatitis-D-Viren und Genmaterial der Viren nachweisen.
Außerdem kann der Arzt die Leberfunktion anhand weiterer Blutparameter beurteilen. Mit einer kann er Krebserkrankungen der Leber und Begleiterkrankungen entdecken. Zusätzlich wird der Arzt HBV-infizierte Patienten auf weitere Infektionen untersuchen, zum Beispiel HIV sowie Hepatitis A und C, da diese häufig gemeinsam vorkommen.
Bei chronischer Hepatitis entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe aus der Leber (), um das Ausmaß der Erkrankung beurteilen zu können.
Wie wird eine Hepatitis D behandelt?
Die Behandlung einer akuten Hepatitis B und D basiert auf körperlicher Schonung und absolutem Alkoholverzicht des Patienten. Weiterhin ist auf eine leichte und ausgewogene Ernährung mit mehreren Mahlzeiten am Tag zu achten. Auf stark fetthaltige Speisen sollten die Betroffenen verzichten. Die Einnahme von Medikamenten darf nur nach Absprache mit dem Arzt erfolgen.
Da eine Infektion mit Hepatitis B und D häufig einen schweren Verlauf nimmt, ist eine Behandlung in speziellen Fachkliniken erforderlich.
Wie bei der Hepatitis B, kommen seit einiger Zeit auch bei der Hepatitis D Interferon-Präparate zum Einsatz, die bei einem Teil der Patienten auch gegen die Hepatitis-D-Viren wirken. Interferone aktivieren die Abwehrkräfte des Körpers gegen die Viren.
Entwickeln sich schwere Leberschäden, ist oftmals eine Lebertransplantation notwendig.
Wie kann man sich schützen?
Wer erfolgreich gegen Hepatitis B geimpft ist, kann auch keine Hepatitis D bekommen.
Folgende Maßnahmen sind sinnvoll, um einer Infektion mit Hepatitis-D-Viren vorzubeugen:
Beim Geschlechtsverkehr schützen Kondome vor einer Infektion mit Hepatitis-B- und -D-Viren sowie vor anderen Erkrankungen. Das Benutzen von Kondomen ist vor allem bei neuen und häufig wechselnden Partnern sinnvoll.
- Drogenabhängige sollten Nadeln und Spritzen nicht gemeinsam verwenden.
- Medizinisches Personal sollte entsprechende hygienische Maßnahmen einhalten, zum Beispiel Tragen von Schutzhandschuhen, Desinfektion von Gegenständen.
- Personen mit engem Kontakt zu Infizierten sollten darauf verzichten, Zahnbürsten, Rasierapparate, Nagelscheren und so weiter gemeinsam zu benutzen.