Was ist Bewusstlosigkeit?

Die Bewusstlosigkeit ist definiert als Zustand, in dem jede bewusste Wahrnehmung ausgeschaltet ist. Der Mensch kann nicht kommunizieren und auf äußere Reize nur eingeschränkt reagieren. Körperliche Funktionen wie Blutkreislauf oder Atmung können jedoch erhalten bleiben.

 

Eine nur wenige Sekunden bis Minuten andauernde Bewusstlosigkeit wird auch als Ohnmachtsanfall oder Synkope bezeichnet.

 

Welche Formen von Bewusstseinsstörungen kann man unterscheiden?

Störungen des Bewusstseins lassen sich in verschiedene Stadien oder Tiefen unterteilen. Die leichteste Form der Bewusstseinsstörung ist die Benommenheit. Dabei sind Denken und Handeln verlangsamt und die Orientierung erschwert. Bei manchen Krankheitsbildern folgt dieser Störung ein Dämmerzustand, aus dem der Betroffene noch durch äußere Reize wie Ansprechen oder Berühren erweckbar ist. Der Patient ist dann jedoch ausgesprochen schläfrig (Somnolenz).

 

Verschiedene Grade der Bewusstseinsstörung möglich

Bei einer noch tieferen Störung des Bewusstseins gerät der Patient in einen schlafähnlichen Zustand, den Sopor. Auch stärkere Reize reichen nicht aus, um den Patienten zu wecken. Erst bei stärksten Reizen, zum Beispiel bei Schmerzreizen, zeigt der Betroffene eine Reaktion.

 

Ein Koma kann lebensgefährlich sein

Die schwerste Form der Bewusstseinsstörung ist das Koma. Der Betroffene kann durch äußere Reize nicht mehr erweckt werden. Die normale Grundspannung der Muskulatur ist herabgesetzt und der Körper ist schlaff. Die Zunge kann in diesem Zustand zurück in den Rachen sinken und die Atemwege blockieren. Wichtige Reflexe, die für den Menschen Schutzfunktionen haben, sind nicht mehr auslösbar. Wenn zum Beispiel der Husten- oder Schluckreflex ausfällt, besteht die Gefahr, dass Erbrochenes in die Luftwege des Bewusstlosen gelangt. Im Koma besteht deshalb Lebensgefahr.

 

Welche Gründe für eine Bewusstlosigkeit gibt es?

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, die zu einer Bewusstseinsstörung oder Bewusstlosigkeit führen können. Wichtige Hinweise auf die Art der Störung kann die Situation vor dem Eintreten des Bewusstseinsverlustes liefern. Manchmal tritt eine Ohnmacht schlagartig ein, ohne dass sich vorher eine Störung des Bewusstseins angekündigt hätte. Andere Formen der Bewusstlosigkeit entwickeln sich langsam aus einer vorherigen Trübung des Bewusstseins. In einigen Fällen wird eine Bewusstlosigkeit durch eine harmlose Kreislauf-Fehlregulation ausgelöst. Aber nicht immer lässt sich die Ursache der Bewusstseinsstörung finden oder lassen sich harmlose von ernsthaften Störungen abgrenzen.

 

Erkrankungen des Nervensystems

Typisch für einen plötzlichen, schlagartigen Bewusstseinsverlust ist eine im Gehirn lokalisierte Störung. Bei einem Schlaganfall (Hirninfarkt) verstopft ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß im Gehirn. Seltener reißt eine Arterie des Gehirns, sodass eine Blutung im Schädelinneren auftritt. Manchmal haben Patienten schon Tage vor dem Bewusstseinsverlust vorübergehende Symptome wie Sehstörungen, flüchtige Lähmungen, Taubheitsgefühle oder Wortfindungsstörungen. Auch Schwindel oder Kopfschmerzen können vorkommen.

 

Auch ein Krampfanfall kann ein Koma auslösen

Im Rahmen eines Krampfleidens (Epilepsie) kann es vor allem nach sogenannten Grand-Mal-Anfällen, die den ganzen Körper betreffen, zu einem Bewusstseinsverlust kommen. Manchmal ist der Betroffene kurz vor dem Anfall wesensverändert. Die Bewusstlosigkeit tritt plötzlich ein und ist häufig von raschen krampfartigen, zuckenden Bewegungen begleitet. Für Beobachter wirken diese Anfälle stets sehr bedrohlich. Nach dem Krampfanfall kann der Patient für längere Zeit sehr schläfrig sein. Es können Stunden vergehen, bis die Orientierung vollständig zurückgekehrt ist.

 

Entzündungen oder Tumore des Gehirns als Auslöser

Bewusstseinsstörungen sind auch infolge einer Entzündung der Hirnhäute (Meningitis) oder des Gehirns (Enzephalitis) möglich. Auslöser können daneben Hirntumoren oder Tochtergeschwülste von Tumoren im Gehirn sein. In selteneren Fällen sind seelische Zustände oder psychiatrische Erkrankungen für schwere Bewusstseinsstörungen verantwortlich.

 

Wenige Untersuchungen reichen aus

Schon durch wenige Untersuchungen kann der Arzt meist herausfinden, ob eine Störung des Gehirns vorliegt. Oft führen Röntgenärzte eine Computertomografie des Gehirns, eventuell mit Darstellung der hirnversorgenden Gefäße durch. Zusätzlich können die Hirnströme Hinweise auf ein Krampfleiden liefern. Aussagekräftig ist zudem die Untersuchung des Hirnwassers.

 

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems

Herz- Kreislauf-Erkrankungen, vor allem Herzrhythmusstörungen können mit einem plötzlichen, meist nur kurz anhaltendem Verlust des Bewusstseins einhergehen. Schon wenige Sekunden unzureichende Sauerstoffzufuhr zum Gehirn reichen aus, um eine Bewusstlosigkeit auszulösen. Manche der Betroffenen spüren vorher einen unregelmäßigen Herzschlag, Schwindel oder Schmerzen im Brustkorb. Die Diagnostik konzentriert sich natürlich auf Herz und Gefäße: Ultraschall, EKG und Blutdruckmessungen sind hier die wichtigsten Instrumente, um die Ursache aufzudecken. Auch lässt sich bei fehlendem Befund die Herztätigkeit über längere Zeit überwachen.

 

Stoffwechselerkrankungen und hormonelle Störungen

Entgleisungen des Zuckerhaushaltes wie Über- und Unterzuckerung, aber auch Fehlfunktionen der Schilddrüse, der Nebenniere und der Hirnanhangsdrüse können ebenfalls zu Bewusstseinsstörungen führen. Auch ein Ausfall der Leber- und Nierenfunktion kann die Wachheit des Patienten trüben. Verschiedene anfallende Abbauprodukte, die der Körper bei einer Leber- oder Nierenschwäche nicht ausscheiden kann, stören die Gehirnfunktion.

 

Blutuntersuchungen notwendig

Erkrankungen des Stoffwechsels lassen sich mit gezielten Blutuntersuchungen erkennen. Viele Blutwerte weisen auf die Funktion einzelner Organe und die Ursache des Bewusstseinsverlusts hin.

 

Vergiftungen

Vergiftungen mit Alkohol, Drogen oder anderen Substanzen können eine Bewusstlosigkeit auslösen. Je nach Aufnahmeart und Substanz tritt die Bewusstlosigkeit unterschiedlich schnell ein. Wichtige Hinweise geben hier Reste der eingenommenen Gifte oder Medikamente in der Umgebung des Bewusstlosen. Auch ein spezieller Geruch liefert bei manchen Vergiftungen zusätzliche Informationen. Im Blut und im Urin ist die genaue Substanz und aufgenommene Menge nachweisbar, sodass sich die Gefährlichkeit der Vergiftung einschätzen lässt.

 

Welche Maßnahmen müssen bei einer Bewusstlosigkeit ergriffen werden?

In vielen Fällen ist ein medizinischer Laie nicht in der Lage, die Ursache für eine Bewusstlosigkeit herauszufinden. Unabhängig vom Grund des Bewusstseinsverlustes kann jedoch jeder Maßnahmen erlernen, die in einer solchen Situation ergriffen werden müssen. Wichtigste Voraussetzung zur Heilung des Betroffenen ist die Aufrechterhaltung von Atmung und Kreislauf. Die wenigen Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes können für das Überleben entscheidend sein. Deshalb sollte sich jeder mit Notfallmaßnahmen wie der stabilen Seitenlage oder auch Herz-Lungen-Wiederbelebungsmaßnahmen vertraut machen.

 

Stabile Seitenlage sichert die Atemwege

Atmet der Bewusstlose selbständig, stellt die stabile Seitenlage eine optimale Lagerung des Körpers dar, bis die Rettungskräfte eintreffen. In dieser Position ist der Kopf überstreckt, was beim Freihalten der Atemwege unterstützt. Da die Mundöffnung in der stabilen Seitenlage dem Boden zugewandt ist, kann Erbrochenes oder Speichel abfließen und nicht in die Atemwege zurücklaufen.

 

Herzdruckmassage sofort beginnen

Bei einem bewusstlosen Patienten sind Herzschlag und Atmung umgehend zu überprüfen. Der Herzschlag ist am sichersten am Hals zu tasten. Ist kein Puls fühlbar, sind umgehende Wiederbelebungsmaßnahmen indiziert. Helfer müssen zuvor Zahnprothesen, Nahrungsreste oder Erbrochenes aus Mund und Rachen entfernen. Durch vorsichtiges Überstrecken des Kopfes verhindern Helfer, dass einem Bewusstlosen die Zunge nach hinten rutscht und die Atemwege blockiert. Erst dann folgt die Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung. Gleichzeitig sollte möglichst ein zweiter Helfer mit der Herzdruckmassage beginnen, um den Kreislauf des Patienten wieder in Gang zu bringen.

 

Alle Informationen mitteilen

Beobachtungen des Vorfalls können sehr hilfreich sein und wichtige Hinweise auf die Ursache der Bewusstlosigkeit liefern. Informationen über Vorerkrankungen (zum Beispiel Zuckerkrankheit oder eine Herzerkrankung) sind für den Notarzt bedeutsam.