Was ist Syphilis?

Die Syphilis (auch Lues oder harter Schanker genannt) ist eine sexuell übertragbare Krankheit, das heißt, sie wird nahezu ausschließlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Der Erreger der Syphilis ist das Bakterium Treponema pallidum.

 

Mit jährlich zirka 3,3 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner ist die Syphilis hierzulande eine relativ seltene Erkrankung. Dabei sind Männer etwa zehnmal häufiger betroffen als Frauen. Mindestens vier von fünf Syphilis-Patienten in Deutschland infizieren sich über sexuelle Kontakte zwischen Männern.

 

Bis zum Jahr 2004 war ein Anstieg der Neuerkrankungen zu verzeichnen. Ursache hierfür war unter anderem, dass die Erkrankung vielfach aus dem Ausland, vor allem aus Osteuropa, Südostasien und Afrika, wo sie sehr verbreitet ist, mitgebracht wird. Seit 2004 bleiben die Erkrankungszahlen relativ stabil bei etwa 3.000 bis 3.500 Neu-Infektionen pro Jahr.

 

Es besteht eine nichtnamentliche Meldepflicht für nachgewiesene Infektionen mit Treponema pallidum.

 

Syphilis bei Neugeborenen

Überträgt eine Mutter die Erkrankung während der Schwangerschaft auf ihr Ungeborenes, kann das Kind von der angeborenen Form, der sogenannten Lues connata, betroffen sein. Die Ansteckung ist ab der 12. Schwangerschaftswoche möglich. Deshalb erfolgt bei allen Schwangeren im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge eine Untersuchung auf das Vorliegen einer Syphilis.  

 

Ist eine Syphilis-Infektion nachgewiesen, erhält die schwangere Patientin ein Antibiotikum. Die Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungen führten dazu, dass die Lues connata in Deutschland nur noch äußerst selten vorkommt. 

 

Welche Beschwerden treten bei der Syphilis auf?

Die Syphilis verläuft in mehreren Stadien. Nur etwa die Hälfte aller Infektionen verursacht Beschwerden. Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem ersten Auftreten von Krankheitszeichen (Inkubationszeit) hängt von der Zahl der Erreger, dem Immunstatus des Betroffenen und eventuell vorhandenen, die Syphilis beeinflussenden Erkrankungen ab und kann zwischen zehn Tagen und drei Monaten variieren.

 

Primäre Syphilis

Die ersten Erscheinungen entstehen nach 14 bis 24 Tagen an der Eintrittsstelle des Erregers, vorwiegend im Genitalbereich. Das erste Zeichen ist ein dunkelroter Fleck oder ein Knötchen an Haut oder Schleimhaut mit kleinsten Verletzungen (Mikroverletzungen). Dieses geht rasch in ein münzgroßes, nicht schmerzhaftes Geschwür mit nässender Oberfläche und derbem Randwall über. Es wird als Primäraffekt oder auch harter Schanker bezeichnet und ist hoch ansteckend. Zusätzlich kommt es einige Zeit später zu einer ebenfalls schmerzlosen Lymphknotenschwellung.

 

Die häufigsten Lokalisationen sind bei Männern die Eichel, bei Frauen die Schamlippen und der Gebärmutterhals. In zehn Prozent der Fälle findet sich der Primäraffekt außerhalb der Genitalregion, zumeist im Mund, an den Brustwarzen oder am Anus. Nach etwa vier bis sechs Wochen heilt er unter Vernarbung von alleine ab. Ohne Behandlung ist der Übergang in weitere Stadien möglich.

 

Sekundäre Syphilis

Vier bis zehn Wochen nach der Infektion zeigt sich das zweite Stadium der Syphilis mit Allgemeinsymptomen (Kopf- und Gliederschmerzen, generalisierten Lymphknotenschwellungen, Fieber) sowie vielgestaltigen Hauterscheinungen.

 

Zunächst tritt ein fleckiger, nicht juckender Ausschlag am Körper unter Aussparung der Gliedmaßen auf, der im Verlauf kleinknotig wird und typischerweise Handteller und Fußsohlen betrifft. Nässende Knoten in der Genitalregion werden als Condylomata lata bezeichnet, sogenannte Plaques muqueuses (fleckförmige Verdickungen der Mundschleimhaut) kommen hinzu. Die Mandeln können anschwellen und eine Mandelentzündung (Tonsillitis) vortäuschen, oft entsteht ein Mäusefraß-ähnlicher Haarausfall (Alopecia syphilitica).

 

Die Erscheinungen des zweiten Stadiums können spontan zurückgehen, bei etwa einem Viertel der Patienten allerdings flammen sie erneut auf (Rezidiv). Typisch sind hierbei größere Knoten in geringerer Anzahl im Bereich rund um den After und die Geschlechtsorgane (Anogenitalregion).

 

Tertiäre Syphilis

Im dritten Stadium, das nach einem oder mehreren Jahren in Erscheinung tritt, zeigen sich sogenannte Gummen. Dabei handelt es sich um Knoten im Unterhautgewebe, die abszessartig einschmelzen und nach außen durchbrechen. Es kommt zu langsam zunehmenden Hautveränderungen mit größeren Gewebezerstörungen und narbiger Abheilung. Im Gegensatz zu den ersten beiden Stadien sind diese Hauterscheinungen nun nicht mehr ansteckend.

 

Bei Befall des Herz-Kreislauf-Systems (zehn Prozent der unbehandelten Syphilis-Fälle) besteht die Gefahr einer Entzündung der Hauptschlagader. Dies kann eine Gefäßaussackung nach sich ziehen, die bei Blutdruckanstiegen einreißen und zum plötzlichen Tod durch Verbluten führen kann.

 

Neurosyphilis

Darüber hinaus kann eine Erkrankung des zentralen Nervensystems (Neurosyphilis) auftreten. Die Entzündung des Rückenmarks führt zu Koordinationsstörungen, Reflexausfällen, Schmerzen und Störungen der Blasen- und Darmreflexe. Ist vorwiegend das Großhirn betroffen, kann sich dies als Demenz, psychiatrische Auffälligkeiten, Krampfanfälle und Koma äußern. 

 

Wie wird die Erkrankung festgestellt?

Diagnose und Behandlung der Syphilis erfolgen im Allgemeinen bei einem Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, ggf. auch bei einem Gynäkologen oder Urologen. Zunächst ist eine genaue Befragung zur Krankheitsgeschichte notwendig, bei Verdacht auf eine Syphilis ist ein besonderes Augenmerk auf Auslandsaufenthalte und Sexualpraktiken zu richten.

 

Der Nachweis der Infektion kann auf verschiedene Weise erfolgen:

 

  • Aus erregerhaltigen Veränderungen der Frühsyphilis kann der Arzt Proben entnehmen und das Bakterium unter dem Mikroskop erkennen (Direktnachweis in der sogenannten Dunkelfeldmikroskopie).
  • Üblicher ist jedoch der serologische Nachweis, das heißt, der Nachweis von Antikörpern, die sich gegen den Erreger richten. Hierfür existieren verschiedene Tests, von denen überwiegend der sogenannte Treponema-pallidum-Hämagglutinations-Test (TPHA) und der Partikelagglutinationstest (TPPA) zum Einsatz kommen. Sie sind äußerst zuverlässig, werden zwei bis drei Wochen nach Infektion positiv und bleiben auch nach erfolgter Therapie meist lebenslang positiv. Ist der serologische Nachweis positiv, wird ein weiterer Test (Fluoreszenz-Treponema-Antikörper-Absorptions-Test, FTA-Abs) zur Bestätigung durchgeführt.
  • Weitere Tests geben Aufschluss darüber, wie aktiv die Erkrankung ist und wie gut die Behandlung angeschlagen hat.  

     

Wie wird Syphilis behandelt? 

Bis heute ist das klassische Antibiotikum Penicillin das Mittel der Wahl zur Behandlung der Syphilis. Auch nach 60 Jahren Behandlung gibt es praktisch keine Resistenzen, sodass nur bei Penicillinallergie ein Ausweichen auf andere Antibiotika (Tetrazykline, Makrolide, Cephalosporine) erforderlich ist.

 

Da sich die Erreger der Syphilis nur sehr langsam vermehren, muss die Behandlung über mindestens zehn Tage erfolgen. Dazu reicht eine einmalige Injektion des Antibiotikums in den Gesäßmuskel (das Medikament wird aus diesem Depot kontinuierlich freigesetzt). Für die Behandlung der Spätsyphilis wird die dreimalige Injektion von Penicillin (an den Tagen 1, 8 und 15) empfohlen, bei Neurosyphilis die Injektion von Penicillin alle vier Stunden über zehn bis vierzehn Tage.

 

Die Partner müssen sich ebenfalls einer ärztlichen Untersuchung unterziehen. Erkrankte müssen alle Personen, mit denen sie in den letzten drei Monaten vor dem ersten Auftreten der Symptome sexuellen Kontakt gehabt hatten, darüber informieren, weil auch sie möglicherweise infiziert sind.

 

Wie kann man sich vor Syphilis schützen?

Geschützter Geschlechtsverkehr (mit Kondomen) ist die beste Vorbeugung gegen Syphilis, ebenso wie vor anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen.