Was ist eine Lyme-Borreliose?
Die Lyme-Borreliose, kurz Borreliose, ist eine von Zecken übertragene Infektionskrankheit, deren Auslöser Bakterien sind. Die Borreliose kann zu akuten und chronischen Beschwerden führen.
Die Borreliose ist die häufigste von Zecken übertragene Infektionskrankheit in Deutschland.
Wie kann man sich mit Lyme-Borreliose infizieren?
Der Stich einer Zecke, die mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi infiziert ist, kann zur Borreliose führen. Durch den infektiösen Speichel der Zecke gelangen die Bakterien in den Körper.
Wo kommt die Lyme-Borreliose vor?
In ganz Europa und in Nordamerika kann man sich mit Borrelien anstecken. Bis zu 35 Prozent der Zecken sind mit Borrelien infiziert. Eine jahreszeitliche Häufung der Borreliose findet sich in den Monaten März bis Oktober mit einem Gipfel in den Sommermonaten. In Deutschland ist nach bisherigen Erkenntnissen bei 1,5 bis sechs Prozent der Betroffenen nach einem Zeckenstich mit einer Übertragung der Erreger zu rechnen. Das Infektionsrisiko steigt mit der Dauer des Saugaktes. Bei 0,3 bis 1,4 Prozent der Menschen zeigen sich nach einem Zeckenstich Symptome einer Borreliose.
Welche Beschwerden treten bei einer Borrelieninfektion auf?
In Europa verursachen Borrelien-Infektionen oftmals keinerlei Beschwerden. Nur bei einem Teil der Betroffenen kommt es zu Beschwerden, die sehr unterschiedlich sein und die Haut, das Nervensystem, die Gelenke und das Herz betreffen können. Generell lässt sich die Borreliose in drei Krankheitsstadien einteilen. Diese können einzeln oder in verschiedenen Kombinationen auftreten.
Stadium I
Drei bis 20 Tage nach einem Zeckenstich kann sich um die Einstichstelle herum eine charakteristische flächenhafte Hautrötung bilden. Das sogenannte Erythema migrans, übersetzt „Wanderröte“, ist scharf abgegrenzt, breitet sich zentrifugal aus und ist im zentralen Bereich häufig aufgehellt. Dieses Frühsymptom ist ein sicheres Zeichen der Erkrankung, tritt aber nicht bei jedem Patienten mit einer Borrelien-Infektion auf. Bei einem Großteil der Patienten bleibt die Wanderröte das einzige Symptom der Borreliose. Begleitsymptome können unspezifische Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen sein. Auch Lymphknotenschwellungen können vorliegen.
Stadium II
Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich kann es zu Störungen des Nervensystems (Neuroborreliose) kommen. Die Betroffenen leiden beispielsweise unter brennenden Nervenschmerzen an den Extremitäten, die sich nachts verschlimmern können. Es treten Lähmungen der Muskeln auf und bei über 60 Prozent der Patienten kommen Störungen der Sensibilität hinzu. Häufig leiden Erkrankte an einem ein- oder beidseitigen Ausfall des Gesichtsnervs (Fazialisparese). Eine Hirnhautentzündung tritt vor allem bei Kindern auf, bei Erwachsenen ist sie relativ selten. Eine Entzündung des Herzens (Myokarditis) ist in diesem Stadium selten, aber möglich. Eher selten kommt es zu knotigen oder flächenhaften, bläulichen, verhärteten Hautbezirken vorzugsweise an den Ohrläppchen, an der Haut des Hodens oder der Brustwarzen (Lymphozytom).
Stadium III
Eine Spätmanifestation der Borreliose ist die Entzündung von Gelenken, die Lyme-Arthritis. Sie tritt bei etwa fünf Prozent der Erkrankten auf. Besonders häufig sind die Kniegelenke betroffen, seltener Sprunggelenke oder andere Gelenke. Die Gelenkentzündungen können chronisch und wiederkehrend sein.
Eine weitere Spätmanifestation ist die chronische Neuroborreliose. Dabei können sich Entzündungen von Rückenmark, weichen Hirnhäuten und Gehirn, Erkrankungen der Gefäße und eine chronische Erkrankung der oberflächlichen Nerven entwickeln und Lähmungen hervorrufen. Diese Krankheitszeichen können sich noch Monate oder Jahre nach dem Zeckenstich ausbilden, sind aber sehr selten.
Selten sind auch die Muskulatur sowie die Augen befallen. Bei Erwachsenen beobachtet man gelegentlich Jahre nach einem Stich eine charakteristische, entzündliche Hauterkrankung, die sogenannte Acrodermatitis chronica atrophicans (ACA). Sie geht mit einer Schwellung und weinroter Hautfärbung (Erythem) und einem nachfolgenden Schwund des Unterhautfettgewebes bevorzugt an der Streckseite von Armen und Beinen einher.
Wie wird eine Borreliose festgestellt?
Der Verdacht auf eine Lyme-Borreliose besteht vor allem beim Auftreten der typischen Wanderröte oder anderer Symptome. Hilfreich kann die Krankheitsgeschichte sein, wenn der Betroffene von einem früheren Zeckenstich berichtet. Oftmals haben die Betroffenen den Zeckenstich aber gar nicht bemerkt.
Zur Sicherung der Diagnose sind Blutuntersuchungen zum Nachweis der gegen Borrelien notwendig. Hierfür stehen zwei verschiedene Tests zur Verfügung, die bei Bedarf nacheinander zum Einsatz kommen. Allerdings sind diese Antikörper-Tests nur begrenzt aussagekräftig. Vor allem in den ersten Wochen nach der Übertragung der Borrelien kann er noch negativ ausfallen. Von einer Borreliose ist nur dann auszugehen, wenn neben dem positiven Antikörper-Test auch die entsprechenden Symptome vorhanden sind.
Bei Verdacht auf Neuroborreliose entnimmt der Arzt außerdem Gehirnwasser (Liquor), um dieses auf Antikörper gegen das Bakterium zu untersuchen.
Ein sicherer Beleg für eine Infektion ist der Nachweis der Borrelien selbst. Dieser gelingt durch Anzucht von Erregern, die aus dem Liquor, dem Blut oder dem Gewebe stammen. Dieses Verfahren ist jedoch sehr aufwändig und erfolgt nur in Ausnahmefällen. Eine weitere Möglichkeit ist der Nachweis des Erbmaterials der Borrelien mithilfe der Polymerasekettenreaktion (PCR).
Außerdem bieten verschiedene Labors Tests zum Nachweis von Borrelien in Zecken an. Diese Tests sind aber nicht sinnvoll, denn das Ergebnis erlaubt keine Aussagen darüber, ob eine Therapie notwendig ist oder nicht. Zum einen ist nicht bekannt, wie zuverlässig die Testergebnisse sind, zum anderen bleiben die meisten Zeckenstiche unbemerkt, sodass ein negatives Testergebnis eine Borrelien-Infektion nicht sicher ausschließt. Außerdem weiß man bei einem positiven Testergebnis nicht, ob es tatsächlich zur Übertragung der Borrelien gekommen ist.
Je nach Beschwerdebild kommen weitere Untersuchungen zum Einsatz wie zum Beispiel Röntgenaufnahmen der Gelenke oder eine (CT) oder Kernspinuntersuchung (MRT) des Gehirns.
Wie wird eine Borreliose behandelt?
Die frühe Therapie einer Borreliose verspricht den größten Erfolg. Bei rechtzeitiger Behandlung ist eine Heilung bei 85 bis 100 Prozent der Betroffenen zu erwarten.
Mittel der Wahl sind Antibiotika, die der Betroffene je nach dem Stadium der Erkrankung zwei bis vier Wochen lang einnehmen sollte. Die Einnahme eines Antibiotikums ist jedoch nur dann empfehlenswert, wenn entsprechende Symptome nach einem Zeckenstich auftreten. Nicht sinnvoll ist die vorsorgliche Gabe eines Antibiotikums bei jedem Betroffenen nach einem Zeckenstich, auch wenn keine Beschwerden auftreten.
Schmerzen und Lähmungen bei einer frühen Neuroborreliose bessern sich bei den meisten Patienten unter Antibiotika-Therapie rasch. Bei der chronischen Neuroborreliose bilden sich die Krankheitszeichen meist erst nach einigen Wochen bis Monaten zurück. Bestehen die neurologischen Ausfälle bereits seit mehreren Jahren, sind Dauerschäden wie Lähmungen oder Kopfschmerzen möglich. Allerdings entwickelt sich eine chronische Erkrankung mit jahrelang anhaltenden Beschwerden nur sehr selten.
Wie kann man sich vor einer Borrelieninfektion schützen?
Der beste Schutz vor einer Infektion besteht darin, Zeckenstiche zu vermeiden. Besonders Kinder und Menschen, die sich viel im Freien aufhalten, sind gefährdet. Geeignete Kleidung (langärmlige Hemden, lange Hosen) senkt die Gefahr eines Zeckenstiches deutlich. Auch Insekten abweisende Mittel bieten einen gewissen Schutz.
Nach einem Aufenthalt im Freien, vor allem in Wäldern und Wiesen, minimiert das Absuchen des Körpers, einschließlich Hautfalten und Kopfhaut, das Risiko einer Infektion. Entfernt man die Zecke innerhalb der ersten 24 Stunden, lässt sich eine Erregerübertragung meist vermeiden. Die Zeckenentfernung gelingt am besten mit einer speziellen Pinzette, die in Apotheken erhältlich ist. Die Anwendung von Öl, Sprays, Klebstoff und ähnliche Maßnahmen sollte unterbleiben, da dies die Infektionsgefahr erhöhen kann. Man sollte darauf achten, den Zeckenleib bei der Entfernung nicht zu quetschen, da man die Erreger so aus der Zecke in die Wunde pressen könnte. Empfehlenswert ist, die Stichstelle anschließend zu desinfizieren und dann über mehrere Wochen auf Hautveränderungen zu achten.
Eine vorsorgliche Antibiotika-Behandlung nach Zeckenstichen ist wegen des verhältnismäßig geringen Übertragungsrisikos nicht notwendig. Eine aktive Schutzimpfung ist derzeit noch nicht möglich.
Die Borreliose ist in einigen Bundesländern nach dem Infektions-Schutzgesetz eine meldepflichtige Erkrankung.