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Was ist eine Mandelentzündung?

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Eine Mandelentzündung oder Angina tonsillaris, kurz Tonsillitis, ist eine Entzündung der Gaumenmandeln. Erreger der mit Halsschmerzen und Schluckbeschwerden verbundenen Krankheit sind meist Viren und Bakterien.

Die Gaumenmandeln sind zwei Gewebeinseln im Rachen. Bei einer Mandelentzündung sind sie in der Regel als Schwellungen der seitlichen Rachenwand links und rechts des Zäpfchens gut zu erkennen. Die Gaumenmandeln sind Teil eines Rings von Immungewebe, der den Rachenraum umschließt (lymphatischer Rachenring, Waldeyerscher Rachenring). Die wichtigste Aufgabe dieses Geweberings ist die Abwehr von Krankheitserregern.

 

Wie entsteht eine Mandelentzündung?

Die Mandelentzündung ist eine ansteckende Krankheit, die meist durch Viren, in etwa 30 Prozent der Fälle aber auch durch Bakterien (bestimmte Streptokokken, Staphylokokken, Pneumokokken) hervorgerufen wird. Die Mandelentzündung kann akut als einmaliges Ereignis, anhaltend (chronisch) oder wiederkehrend (rezidivierend) verlaufen.

 

Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion Glossar-Symbol. Große Menschenansammlungen fördern die Ausbreitung der Erkrankung. Aus diesem Grund sollten Erkrankte den Kontakt mit anderen, zum Beispiel in Kindergärten, Schulen oder Großraumbüros, vermeiden.

 

Welche Beschwerden verursacht eine Mandelentzündung?

Eine akute Mandelentzündung beginnt meist heftig mit starkem Krankheitsgefühl und schnellem Fieberanstieg auf über 38,5 Grad Celsius. Bei Kindern kommen häufig auch Bauchschmerzen und Erbrechen hinzu, aber kein Durchfall. Der Rachen ist gerötet, die Mandeln sind angeschwollen und unter Umständen mit punktförmigen oder länglichen Eiterstippchen belegt. Ein unangenehmer Geschmack im Mund sowie Mundgeruch können ebenfalls hinzu kommen.

 

Die starken Halsschmerzen strahlen bis in die Ohren aus und sind mit Schluckbeschwerden sowie Schwellungen der Halslymphknoten verbunden. In einigen Fällen sind die Schluckbeschwerden das einzige Symptom, eventuell auch in Verbindung mit Kopfschmerzen. Kleine Kinder, die sich noch nicht genau zu ihren Beschwerden äußern können, verweigern eventuell lediglich das Essen, ohne über sonstige Beschwerden zu klagen.

 

Treten Mandelentzündungen in kurzen Abständen immer wieder auf, werden sie als chronisch bezeichnet. Bei größeren Abständen (einige Monate) zwischen den Beschwerdephasen wird von einer rezidivierenden Mandelentzündung gesprochen. Eine chronische Mandelentzündung kann unter Umständen ohne die typischen Zeichen einer akuten Mandelentzündung verlaufen. Die Beschwerden können sich dann auf Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, unangenehmen Geschmack im Mund sowie Mundgeruch beschränken.

 

Mandelentzündungen betreffen besonders oft Kinder und Jugendliche. Eine einmal durchgemachte Mandelentzündung schützt nicht vor dem Wiederauftreten der Erkrankung.

 

Welche Untersuchungen sind bei einer Mandelentzündung notwendig?

Mandelentzündungen werden aufgrund der auftretenden Beschwerden diagnostiziert. Für die Diagnose ist insbesondere die Untersuchung der Mundhöhle, des Rachens und der Gaumenmandeln wichtig. Der Hals wird auf vergrößerte und druckschmerzhafte Lymphknoten abgetastet.

 

Um die richtige Behandlung einzuleiten, ist es wichtig, zwischen bakteriellen und viralen Mandelentzündungen zu unterscheiden. Insbesondere sollte ein Befall durch eine bestimmte Art von Streptokokken möglichst frühzeitig erkannt werden, da diese Bakterien schwerwiegende Komplikationen wie Herzinnenwandentzündungen (Endokarditis), Gelenkentzündungen (Arthritis) und Nierenentzündungen (Glomerulonephritis) verursachen können. Dazu stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

 

  • Streptokokken-Schnelltest
    Dieser Test wird am häufigsten durchgeführt: Dazu streicht der Arzt mit einem kleinen Wattestäbchen über die Mandeln und entnimmt auf diese Weise eine Probe des Erregers (Rachenabstrich). Der Schnelltest kann bereits nach wenigen Minuten ausgewertet werden. Bei positivem Testergebnis liegt eine Streptokokkeninfektion vor.
  • Bakterienkultur mit Antibiogramm
    Ist der Streptokokken-Schnelltest negativ und besteht weiterhin der Verdacht auf eine bakterielle Infektion, wird aus dem Rachenabstrich eine Bakterienkultur angelegt. Bis das Ergebnis vorliegt, vergehen zwei bis drei Tage. Dafür ist die Bakterienkultur wesentlich genauer und kann außer den Streptokokken auch andere Bakterien nachweisen. Außerdem kann bei dieser Untersuchung gleichzeitig die Wirksamkeit verschiedener Antibiotika auf das vorliegende Bakterium bestimmt werden (Antibiogramm).
  • Blutuntersuchungen
    Treten bei einer Mandelentzündung Komplikationen auf, wird häufig eine Blutprobe entnommen. Diese dient der Unterscheidung zwischen Bakterien und Viren als Auslöser der Infektion. Bei einer bakteriellen Infektion ist die Zahl der weißen Blutkörperchen erhöht, die Blutsenkungsgeschwindigkeit  beschleunigt und ein bestimmtes Eiweiß, das C-reaktive Protein (CRP), deutlich erhöht. Sind Viren die Ursache der Mandelentzündung, finden sich keine starken Veränderungen im Blut.

 

Liegt eine bakterielle Infektion vor, ist eine Behandlung mit einem Antibiotikum unbedingt notwendig. Ohne Behandlung mit Antibiotika drohen Folgeerkrankungen, besonders am Herzen, an den Muskeln und Gelenken sowie an den Nieren.

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Autor: Dr. med. Thomas Stehr; Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, erstellt am 24.04.05; zuletzt aktualisiert von Dipl.-Phys. Jan Groh am 23.11.11

Quelle: Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 3. Auflage, Thieme, 1999; Boenninghaus, H.G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer, 11. Auflage, 2000 / Boenninghaus, Lenarz.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. 13. Auflage, 2007, Springer-Verlag; Leitlinien der Dt. Ges. f. Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Antibiotikatherapie der Infektionen an Kopf und Hals. URL: http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/017-066.htm (Stand: 11/2008); The Merck Manuals: The Merck Manual for Healthcare Professionals. Tonsillopharyngitis (Stand: 7/2008). http://www.merckmanuals.com/professional/sec08/ch090/ch090i.html (abgerufen am 25.11.2010); Senska, G. Rezidivierende Tonsillitis bei Erwachsenen: Lebensqualität nach Tonsillektomie. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(36): 622-8; Gemeinsame Empfehlung der Österreichischen Gesellschaften für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie und Kinder- und Jugendheilkunde zur Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie). URL: http://www.hno.at/fileadmin/hno/pdfs/Konsensuspapier_Tonsillektomie_HNO_OEGKJ_9Nov2007.pdf (Stand: 09.11.2007)

 
 
 

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