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Was ist eine manisch-depressive Erkrankung?

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"Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt" - so übersetzt der Volksmund die Diagnose manisch-depressive Erkrankung. Die Erkrankung wird in der Fachsprache auch bipolare Störung genannt, da die Betroffenen sowohl depressive als auch manische Phasen erleben, die von gegensätzlichen Symptomen geprägt sind.

In den depressiven Phasen leiden die Patienten an einer über das normale Maß hinausgehenden seelischen Niedergeschlagenheit sowie am Verlust von Interesse und Freude, was sie selbst als krankhaft und nicht mehr steuerbar empfinden.

 

In den manischen Phasen fühlen sie sich dagegen geradezu euphorisch, neigen zu unüberlegten, übermütigen Verhaltensweisen und überschätzen häufig die eigenen Fähigkeiten.

 

Die Erkrankung verläuft typischerweise in voneinander abgegrenzten Episoden. Etwa 20-30 Prozent der Betroffenen sind auch in den freien Intervallen stimmungslabil oder zeigen Beeinträchtigungen im zwischenmenschlichen und beruflichen Bereich.

 

Welche Beschwerden und Symptome prägen die Erkrankung?

Während der depressiven Phase erleben sich die Betroffenen meist als krank und schätzen ihre Situation als auswegs- und hoffnungslos ein. In der manischen Phase haben sie hingegen meist keine Krankheitseinsicht, fühlen sich gesund und leistungsfähig.

 

Folgende Symptome treten häufig in depressiven Phasen auf:

 

  • Meist grundlose depressive Verstimmung von leichter Bedrücktheit bis zu tiefer Traurigkeit und dem Gefühl der Wertlosigkeit
  • Fehlendes Interesse und fehlende Freude an Aktivitäten und Vergnügungen
  • Erhöhte Ermüdbarkeit
  • Innere Unruhe
  • Schlafstörungen
  • Körperliche Beschwerden wie Magendruck, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Brustschmerzen, Gewichtsabnahme, Herzrasen
  • Gedankenkreisen
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  • Antriebsstörungen
  • Unentschlossenheit, teilweise auch bei einfachen Entscheidungen
  • Geringer Appetit und Gewichtsverlust
  • Verringertes sexuelles Interesse
  • Übertriebene Schuldgefühle und Schuldvorwürfe
  • Mangelndes Selbstbewusstsein
  • Wiederkehrende Gedanken über den Tod, Selbstmordgedanken, Selbstmordversuche

 

Folgende Symptome werden häufig in manischen Phasen beobachtet:

 

  • Unangemessen gehobene, heitere bis euphorische Stimmung
  • Stark gesteigerter Antrieb und Bewegungsdrang
  • Leichte Irritierbarkeit
  • Distanz- und Kritiklosigkeit
  • Rededrang mit erhöhtem Sprechtempo
  • Einfallsreichtum, Gedankensprünge
  • Verringerter Appetit
  • Stark verringertes Schlafbedürfnis
  • Verstärkter Sexualtrieb
  • Häufig streitsüchtige, gereizte und aggressive Stimmung, vor allem wenn die Ideen des Betroffenen von seiner Umwelt nicht ernst genommen werden
  • Selbstüberschätzung bis hin zum Größenwahn

 

In schweren depressiven oder manischen Episoden treten bei etwa der Hälfte der Betroffenen psychotische Symptome wie Wahnvorstellungen auf, die den Realitätsbezug massiv beeinträchtigen. Dabei neigt der Patient in der manischen Episode zur Selbstüberschätzung bis hin zum Größenwahn. Oft haben die Betroffenen in den manischen Episoden auch eine veränderte Wahrnehmung von Farben, Gerüchen oder Musik. Der depressive Patient hingegen wertet sich eher ab und kann zum Beispiel an Versündigungs-, Verarmungs- oder Krankheitswahn leiden.

Autor: Barbara Janker, erstellt am 20.01.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Julia Hofmann am 19.08.11

Quelle: Faust, Volker: Seelische Störungen heute. Wie sie sich zeigen und was man tun kann. Becksche Reihe, 2000; American Psychiatric Association: Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-IV. Hogrefe, 2001; Hautzinger, Martin & de Jong-Meyer, Renate: Depressionen. In Reinecker, H.: Lehrbuch der klinischen Psychologie. Modelle psychischer Störungen. Hogrefe, 1998; Scholz, Hasso & Schwabe, Ulrich (Hrsg.): Taschenbuch der Arzneibehandlung. Angewandte Pharmakologie. Urban & Fischer, 2000 / Mitchell, P.B. et al.: The management of bipolar disorder in general practice. The Medical Journal of Australia, 2006, Vol. 184 (11): 566-570;. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN): AWMF-Leitlinie Affektive Erkrankungen (Kurzfassung),Register-Nr. 038/012,. April 2000 (http://leitlinien.net/)

 
 
 

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