Was ist Mundhöhlenkrebs?

Bösartige Neubildungen in der Mundhöhle bezeichnet man als Mundhöhlenkrebs (Mundhöhlenkarzinom). Betrachtet man das bösartige Gewebe der Mundschleimhaut unter dem Mikroskop, handelt es sich meist um Plattenepithel-Zellen, weshalb Mediziner auch von einem Plattenepithelkarzinom sprechen.

 

In Deutschland erkranken jährlich über 9.000 Männer und über 3.000 Frauen neu an Krebserkrankungen der Mundhöhle oder des Rachens. Waren früher vor allem Menschen jenseits des fünften Lebensjahrzehnts betroffen, so nehmen heutzutage die Erkrankungen auch bei jüngeren Menschen zu.

 

Rund 90 Prozent der Betroffenen sind langjährige Raucher. Auch ein übermäßiger Alkoholgenuss fällt bei vielen Menschen auf, die an einem Mundhöhlenkarzinom erkrankt sind. Alkohol- und Nikotinmissbrauch zählen somit zu den wichtigsten Risikofaktoren von Mundhöhlenkrebs.

 

Schlechte Mundhygiene, ein geringer Verzehr von Obst und Gemüse sowie mechanische Irritationen, etwa durch schlecht sitzenden Zahnersatz sind weitere Risikofaktoren. Auch humane Papillomaviren (Warzenviren) können Krebserkrankungen im Mund auslösen.

 

Wie macht sich Mundhöhlenkrebs bemerkbar?

In frühen Stadien ruft Mundhöhlenkrebs bei vielen Betroffenen keinerlei Beschwerden hervor, was dazu führt, dass die Krankheit oft erst entdeckt wird, wenn sie weiter fortgeschritten ist. Ob und welche Symptome auftreten, hängt davon ab, wo sich der Tumor befindet und wie weit er sich ausgedehnt hat.

 

Im fortgeschrittenen Wachstum verursacht der Tumor häufig Schmerzen beim Essen und beim Schlucken. Der Speichel ist gelegentlich blutig gefärbt. Einige Betroffene fallen durch einen starken, durch den Zerfall von Tumorteilen ausgelösten Mundgeruch auf (Mundfäule). Auch der Verlust von Zähnen und ein Taubheitsgefühl an Zunge, Zähnen oder Lippe können Hinweise auf ein Mundhöhlenkarzinom sein.

 

Eine rasche Gewichtsabnahme oder ein plötzlicher Leistungsknick mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schwäche sind allgemeine Zeichen, die bei einem fortgeschrittenen Krebsleiden vorkommen.

 

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Die genannten Beschwerden oder eine sichtbare Veränderung in der Mundhöhle, die zum Beispiel beim Zähneputzen aufgefallen ist, führen den Betroffenen häufig zum Arzt oder Zahnarzt. Dieser nimmt zunächst eine ausführliche Befragung (Anamnese) hinsichtlich der aktuellen Beschwerden, deren Verlauf, möglichen Risikofaktoren (beispielsweise starkes Rauchen) und Begleiterkrankungen vor.

 

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg schaut sich dann die Mundschleimhaut genau an. In der Regel tut er dies mit einem Spiegelgerät, das es ihm erlaubt, die Mundhöhle besser einzusehen. Um die Ausdehnung des Tumors beurteilen zu können, tastet er die gesamte Mundhöhle sowie die Lymphknoten am Hals ab, da auch diese möglicherweise befallen sind.

 

Bildgebende Verfahren wie Computer- oder Kernspintomografie und gegebenenfalls Ultraschalluntersuchungen liefern weitere Informationen über die Ausdehnung des Tumors. Sie geben Hinweise, ob der Tumor in den Knochen eingewachsen ist oder möglicherweise schon Metastasen (Tochtergeschwülste) in andere Organe oder in die Lymphknoten abgesiedelt hat.

 

Häufig entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem verdächtigen Bereich. Durch eine Untersuchung dieser Gewebeprobe unter dem Mikroskop kann der Pathologe eine sichere Diagnose stellen. Zur Untersuchung der Lymphknoten kann der Arzt bei Bedarf zusätzlich eine ultraschallgestützte Feinnadelbiopsie durchführen.

 

Eine gründliche körperliche Untersuchung durch den Arzt sowie Blutuntersuchungen geben zusätzliche Informationen über den Allgemeinzustand des Patienten. Falls noch nicht geschehen, erfolgt in der Regel erfolgt auch eine zahnärztliche Untersuchung.

 

Wie behandelt man Mundhöhlenkrebs und was sind die Risiken?

Die Therapie von Mundhöhlenkrebs hängt in erster Linie vom Ausmaß der Erkrankung ab. Die Entscheidung zur Operation, Strahlenbehandlung und Chemotherapie hängt von Art, Ausdehnung und Lage des Tumors ab. Auch Kombinationen aus Operation, Strahlen- und Chemotherapie sind möglich. Welche Therapie hinsichtlich ihrer Risiken und ihres Nutzens die beste ist, sollten die Betroffenen eingehend mit den behandelnden Ärzten besprechen.

 

Operation

Bei einer Operation zur Entfernung des Tumors schneidet der Chirurg den Krebs großflächig heraus.

 

Im fortgeschrittenen Tumorstadium streut der Tumor oft in die benachbarten Lymphknoten und bildet dort Metastasen. Um die Überlebenschancen der Patienten zu verbessern, ist es sinnvoll, sämtliche Lymphknoten einer Halsseite, gegebenenfalls auch beider Halsseiten zu entfernen (neck dissection). Da mit der Ausräumung der Lymphknoten auch eine Schädigung des Muskel- und Nervengewebes einhergeht, ist nach der Operation mit teilweise erheblichen Bewegungseinschränkungen im Kopf- und Schulterbereich zu rechnen.

 

Risiken der Operation

Wie jede Operation bergen auch Eingriffe in der Mundhöhle Risiken und Komplikationen. Als Grundsatz gilt, dass umso mehr Komplikationen und Beschwerden auftreten, je umfangreicher die Operation und je mehr Gewebe vom Krebs befallen ist. Der verbleibende Defekt in der Mundhöhle nach der Entfernung des Tumors kann Schwierigkeiten beim Essen, Trinken, Schlucken und beim Sprechen verursachen.

 

Bei den Operationen kann es zu Verletzungen von anderen Strukturen wie Nerven und Blutgefäßen kommen, die Blutungen und Nachblutungen nach sich ziehen können. Infektionen, vor allem im Bereich der Wunde, sind möglich. Schlimmstenfalls führt dies zu einer Blutvergiftung. Blutgerinnsel, also Thrombosen und Embolien, kommen selten vor. Die radikale Halsausräumung ist bei Mundhöhlenkrebs sicherlich als der größte und komplikationsreichste Eingriff anzusehen. Auch hier sind der Nutzen, also die Heilung des Patienten, und die Risiken sorgfältig gegeneinander abzuwägen.

 

Strahlenbehandlung

Eine Strahlenbehandlung kann als alleinige Maßnahme oder vor beziehungsweise nach einer Operation zum Einsatz kommen. Gegebenenfalls kann sie mit einer Chemotherapie kombiniert werden.

 

Die Bestrahlung des umgebenden Gewebes und der Lymphknoten und die Chemotherapie haben zum Ziel, auch das Tumorgewebe zu zerstören. Röntgenstrahlung in bestimmter Dosierung verursacht Zellschäden, von denen sich gesunde Zellen schneller erholen, da sie über bessere Reparaturmechanismen verfügen. Tumorzellen, die primitiver und anfälliger sind, sterben hingegen ab.

 

Nebenwirkungen der Strahlenbehandlung

Durch die Strahlenbelastung kommt es vor allem zu Reizungen der Haut und der Schleimhäute. Die Folge sind Entzündungen des Zahnfleischs, der Speiseröhre, des Magens, des Darms und der Harnblase. Darüber hinaus kann es auch zu Mundtrockenheit kommen, wenn die Strahlentherapie die Funktion der Speicheldrüsen beeinträchtigt. Es kann auch zu einer Lungenentzündung kommen. Die Entzündung der Darmschleimhaut äußert sich mit Bauchschmerzen, Krämpfen und blutig-schleimigen Durchfällen. Strahlenschäden an der Haut (Strahlendermatitis) ähneln einem sehr starken Sonnenbrand. Zu den Spätschäden einer Strahlentherapie kommen unter anderem großflächige Gewebezerstörungen und Geschwüre.

 

Um Schäden der Zähne und des Zahnfleisches zu minimieren, sollten Patienten, die eine Strahlentherapie erhalten, für eine optimale Zahn- und Mundpflege sorgen. Um Strahlenkaries entgegenzuwirken, erhalten die Patienten eine Fluoridierungsschiene. Bei Bedarf sollte vor Beginn der Strahlentherapie beziehungsweise der kombinierten Strahlen- und Chemotherapie eine Zahnsanierung stattfinden. Um die Funktion der Speicheldrüsen zu verbessern, kann der Arzt Medikamente verordnen.

 

Chemotherapie

Eine Chemotherapie erfolgt beim Mundhöhlenkarzinom in der Regel nur in Kombination mit einer Strahlenbehandlung, gegebenenfalls auch vor oder nach einer Operation. Dabei kommen Medikamente (Zytostatika) zum Einsatz, die vorwiegend Krebszellen angreifen. Sie wirken vor allem auf sich teilende Zellen. Da sich Krebszellen sehr rasch und häufig teilen, werden diese bevorzugt zerstört.

 

Nebenwirkungen der Chemotherapie

Eine zusätzliche Chemotherapie schädigt nicht nur die bösartigen Tumorzellen, sondern auch das gesunde Gewebe. Im Prinzip kann die Chemotherapie jedes Organ (zum Beispiel Herz, Nieren, Blase, Leber, Lungen, Knochenmark) mehr oder weniger in Mitleidenschaft ziehen und in seiner Funktion beeinträchtigen. Übelkeit, Erbrechen und allgemeine Abgeschlagenheit sind häufige Begleiterscheinungen einer Chemotherapie. Auch allergische Reaktionen und Haarausfall können auftreten. Die Zellgifte haben ihrerseits eine gewisse krebsauslösende (kanzerogene) Wirkung.

 

Behandlung mit Antikörpern

Für die Behandlung von Mundhöhlenkrebs gibt es seit einigen Jahren einen Antikörper, der sich gezielt gegen bestimmte Faktoren, die für das Wachstum der Tumorzellen notwendig sind, richtet. Er verhindert also, dass sich die Tumorzellen vermehren können. Die Behandlung mit dem Antikörper erfolgt in Kombination mit einer Bestrahlung oder einer Chemotherapie.

 

Maßnahmen zum Wiederaufbau des Kiefers

Bei manchen Patienten ist es notwendig, bei der Operation Teile des Kieferknochens zu entfernen. Um die entstandenen Lücken wieder aufzufüllen, setzt der Arzt zum Beispiel eine Prothese aus Metall oder Kunststoff oder auch körpereigenes Material (zum Beispiel Haut oder Knochen aus einem anderen Körperbereich) ein. Bei Bedarf erhält der Betroffene auch eine Zahnprothese.

 

Wie ist die Prognose von Mundhöhlenkrebs?

Die Prognose von Mundhöhlenkrebs hängt sehr von der Art und Lokalisation des Tumors sowie vom Tumorstadium zum Zeitpunkt der Diagnose ab. Dabei sind der Differenzierungsgrad des Tumors, seine Größe und Ausdehnung, ein möglicher Lymphknotenbefall und das Vorhandensein von Metastasen in anderen Organen von großer Bedeutung.

 

Generell hat sich die Prognose der Erkrankung durch neue, effektivere Behandlungsmethoden in vergangener Zeit verbessert.

 

Nachsorge und Rehabilitation

Nach der Behandlung eines Mundhöhlenkarzinoms sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen notwendig, damit der Arzt den Heilungsverlauf überprüfen und mögliche Folgeschäden der Behandlung sowie ein erneutes Wachstum des Tumors rechtzeitig erkennen kann. In den ersten beiden Jahren sind diese Untersuchungen alle drei Monate, im dritten bis fünften Jahr alle sechs Monate empfehlenswert. Zusätzlich sollten regelmäßige Untersuchungen beim Zahnarzt erfolgen.

 

Logopäden und Physiotherapeuten sollten tumor- oder behandlungsbedingte Beeinträchtigungen des Sprech-, Sprach- und Schluckvermögens beurteilen. Bestehen Kau-, Sprech- und Schluckstörungen, sollte eine entsprechende Behandlung erfolgen. Ist eine Mangelernährung zu befürchten, sind eine Ernährungsberatung und bei Bedarf auch eine Ernährungstherapie sinnvoll.

 

Außerdem können die Patienten eine psychosoziale Betreuung in Anspruch nehmen, zum Beispiel wenn sie unter Angst oder Depressionen leiden.

 

Früherkennung

Je früher eine Krebserkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Veränderungen in der Mundhöhle, zum Beispiel nicht abheilende Entzündungen oder Geschwüre, können ein erster Hinweis auf eine Krebserkrankung sein und sollten unbedingt beim Arzt oder Zahnarzt abgeklärt werden. Dies gilt insbesondere für Menschen, die sich den Risikofaktoren für Mundhöhlenkrebs aussetzen, zum Beispiel starke Raucher oder Alkoholiker.