Lebensmittel-Allergie
In Deutschland leiden etwa fünf Millionen Menschen unter einer Lebensmittel-Allergie. Wir geben Tipps, wie Sie trotz Nahrungsmittel-Allergie den Alltag genießen können.
Was ist eine Nahrungsmittel-Allergie?
Eine Nahrungsmittel-Allergie ist eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln. Dabei bekämpft das Immunsystem irrtümlich einen eigentlich ungefährlichen Inhaltsstoff eines Lebensmittels, das Allergen.
Die moderne Lebensweise spielt eine große Rolle bei der Entstehung von Nahrungsmittel-Allergien: In den Industrieländern gibt es heutzutage eine große Palette nicht nur an Nahrungs- und Genussmitteln, sondern auch an Zusatzstoffen wie Konservierungs-, Farb- und Aromastoffen. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, einen allergieauslösenden Stoff zu sich zu nehmen.
In Deutschland reagieren etwa fünf Prozent der Kinder und zwei Prozent der Erwachsenen allergisch auf bestimmte Nahrungsmittel.
Meistens handelt es sich bei einer Nahrungsmittelallergie um eine Soforttyp-Allergie (Typ-I-Allergie): Dabei binden Antikörper die Allergene, in der Regel Eiweiße, in Nahrungsmitteln.
Der Komplex aus Antikörper und Allergen führt zur Ausschüttung des Botenstoffes Histamin aus bestimmten Immunzellen (Mastzellen). Histamin reizt die Schleimhäute, sodass sie anschwellen, Sekret bilden und damit die angeblich bedrohlichen Fremdkörper aus dem Körper schaffen.
Welche Nahrungsmittel können Allergien auslösen?
Obst, Gemüse, Milchprodukte, Eier, Fisch - alle möglichen Nahrungsmittel können Allergien auslösen. Je nach Lebensalter variieren die Hauptverursacher:
Säuglinge und Kleinkinder reagieren häufig auf Kuhmilch, Ei, Soja, Weizen und Erdnüsse.
Jugendliche und Erwachsene reagieren dagegen empfindlicher auf Gemüse, Obst, Gewürze, Fisch und Nüsse.
In den vergangenen Jahren hat die Zahl derjenigen zugenommen, die sowohl auf Pollen als auch auf Nahrungsmittel wie Gewürze, Nüsse und Gemüse allergisch reagieren. Häufig steckt eine Kreuzallergie dahinter, das heißt, dass ein Allergen aus Pollen Ähnlichkeiten mit Allergenen in Nahrungsmitteln hat. Typisches Beispiel: Viele Birkenpollen-Allergiker reagieren auch gegen Nüsse allergisch.
Wie kann der Körper reagieren?
Eine häufige Unterform der Nahrungsmittel-Allergie äußert sich mit Beschwerden im Mund, zum Beispiel Juckreiz, ein pelziges Gefühl, Schwellungen. Allergische Reaktionen im Magen-Darm-Trakt können sich hingegen durch Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Durchfall und Blähungen bemerkbar machen.
Außerdem kann eine Nahrungsmittelallergie auch Beschwerden an der Haut (zum Beispiel Hautausschlag, Juckreiz, atopisches Ekzem), in den Atemwegen (zum Beispiel Schnupfen, Asthma) oder an den Augen (zum Beispiel Bindehautentzündung) verursachen.
Daneben können Symptome des Herz-Kreislauf-Systems auftreten wie Herzrasen und Blutdruckabfall bis hin zum allergischen (anaphylaktischen) Schock, einem lebensbedrohenden Versagen des Herz-Kreislauf-Systems. Die Reaktionen können von Fall zu Fall unterschiedlich sein und in ihrer Stärke variieren.
Wie findet der Arzt den Auslöser heraus?
Zunächst wird der Arzt nach dem Auslöser der Beschwerden suchen. Außerdem muss er unterscheiden, ob es sich um eine allergische Reaktion handelt oder ob andere Ursachen die Beschwerden auslösen, zum Beispiel eine Nahrungsmittelintoleranz. Verschiedene Methoden, die der Arzt entsprechend den individuellen Gegebenheiten kombiniert, kommen dafür infrage:
- Anamnese: Wichtige Hinweise auf eine Nahrungsmittel-Allergie ergeben sich bereits, wenn der Betroffene die allergischen Beschwerden regelmäßig kurz nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel beobachtet.
- Ernährungstagebuch: Der Betroffene notiert mehrere Wochen lang, was er wann gegessen hat und zu welchem Zeitpunkt welche Beschwerden auftraten. Zusammenhänge zwischen bestimmten Nahrungsmitteln und den Beschwerden sind dadurch möglicherweise zu erkennen.
- Hauttests: Sie gehören zu den gebräuchlichsten Verfahren der Allergiediagnostik. Dabei bringt der Arzt die Haut mit Allergenextrakten in Kontakt. Ist der Patient sensibilisiert, reagiert die gereizte Stelle innerhalb von 15 bis 25 Minuten mit Quaddeln und Rötungen. Ein positives Ergebnis ist aber noch kein Nachweis einer Allergie.
- Bluttests: Im Blut lassen sich spezifische Antikörper gegen die allergieauslösende Substanz nachweisen.
- Auslassdiät: Dabei verzichtet der Betroffene über einen bestimmten Zeitraum auf verdächtige Lebensmittelgruppen. Bessern sich die Beschwerden, ist der Übeltäter in dieser Gruppe vertreten.
- Provokationstest: Dabei nimmt der Betroffene die verdächtige Substanz zu sich. Treten die allergischen Symptome auf, gilt die Nahrungsmittel-Allergie als bestätigt. Der Provokationstest ist die einzige Methode, die eine Nahrungsmittel-Allergie sicher nachweist. Das Verfahren ist relativ aufwendig, und es besteht die Gefahr einer schweren allergischen Reaktion.
Wie wird die Nahrungsmittelallergie behandelt?
Die Grundlage für jede Behandlung ist das Vermeiden des Allergens: Wenn feststeht, welches Lebensmittel beziehungsweise welcher Nahrungsmittelbestandteil die Allergie auslöst, müssen die Betroffenen konsequent darauf verzichten. Dabei sollten sie auch auf die Lebensmittelkennzeichnung achten.
Seit November 2005 müssen die 14 häufigsten Auslöser von Nahrungsmittelunverträglichkeiten in der EU und in der Schweiz im Zutatenverzeichnis jedes Lebensmittels aufgelistet sein.
Wie kann man allergische Beschwerden vorbeugen?
Wenn sich das allergieauslösende Nahrungsmittel nicht sicher meiden lässt, können die Betroffenen Medikamente wie Cromoglicinsäure, Glukokortikoide und Antihistaminika anwenden, um allergische Beschwerden zu verringern oder zu verhindern.
Notfallmedikamente
Kommen die Betroffenen doch einmal mit dem Allergen in Berührung, können bestimmte Medikamente (Antihistaminika) helfen, die Reaktionen zu stoppen oder einzudämmen, die das Histamin hervorruft. Sie verhindern, dass die Immunzellen Histamin im Übermaß produzieren und freisetzen.
Bei schweren Allergien beziehungsweise Reaktionen helfen Antihistaminika oft nicht mehr ausreichend; dann verordnet der Arzt dem Patienten meist Kortison.
Besteht die Gefahr von schweren allergischen Reaktionen, sollten die Betroffenen Adrenalin-Spritzen bei sich haben, die sie sich bei Bedarf selbst verabreichen können.
Eine Hyposensibilisierung scheint bei Nahrungsmittel-Allergien nicht effektiv zu sein. Eine Ausnahme ist die sogenannte pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie (Kreuzallergie). Dabei reagiert der Betroffene sowohl auf bestimmte Pollen als auch auf gewisse Nahrungsmittel allergisch. In diesem Fall könnte eine Hyposensibilisierung helfen.
Welche Tipps vereinfachen das Leben mit Nahrungsmittelallergie im Alltag?
Um mit der Allergie im Alltag zurechtzukommen, können folgende Maßnahmen helfen:
- Machen Sie sich zum Lebensmittelspezialisten. So lernen Sie die Variationsbreite Ihres erlaubten Speiseplans besser kennen.
- Hilfreich ist eine professionelle Ernährungsberatung durch einen niedergelassenen Ernährungsberater (Ökotrophologe).
- In Fertigprodukten verstecken sich häufig Allergene. Beachten Sie die Lebensmittelkennzeichnung und verzichten Sie bei Unsicherheit auf Fertigmenüs, Backmischungen, Soßen und Puddings.
- Einige Nahrungsmittel, beispielsweise manche Gemüsesorten, können durch Erhitzen ihre allergene Wirkung verlieren. Das Gleiche gilt für frische Nahrungsmittel, etwa Kräuter, wenn sie getrocknet werden.
- Lernen Sie, Warenetiketten zu lesen: Hinter der Bezeichnung E 621 verbirgt sich zum Beispiel der Geschmacksverstärker Glutamat, ein häufiger Allergieauslöser.
- Informieren Sie bei Essenseinladungen Ihre Gastgeber rechtzeitig, welche Lebensmittel Sie nicht vertragen.
- Besteht bei Säuglingen aufgrund von allergischen Erkrankungen der Eltern ein erhöhtes Risiko, dass sie ebenfalls eine Allergie entwickeln, wird empfohlen, die Säuglinge vier Monate zu stillen oder sie mit hypoallergener Säuglingsnahrung zu füttern.
- Achten Sie darauf, Ihrem Körper trotz des eingeschränkten Speiseplans ausreichend wertvolle und wichtige Inhaltsstoffe der Lebensmittel, die Sie vom Speiseplan gestrichen haben, zuzuführen, zum Beispiel Kalzium-Tabletten, wenn Sie gegen Milchprodukte allergisch sind.
- Hühnereiweiß-Allergiker sollten einige Impfungen nur unter sorgfältiger Überwachung durch den Arzt erhalten, da bestimmte Impfstoffe herstellungsbedingt Eiweißbestandteile enthalten und somit eine allergische Reaktion auslösen können.