Das Nierenbecken ist ein Teil der Niere. Es bildet einen Hohlraum, der als Auffangbecken für den von der Niere ausgeschiedenen Harn dient und an dem die ableitenden Harnwege beginnen. Wenn Bakterien aus den unteren Harnwegen in das Nierenbecken wandern, kann es zu einer Entzündung kommen. Man spricht dann von einer Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).
Das harnableitende System besteht aus den beiden Nieren, den Harnleitern, der Harnblase und der Harnröhre. Nachdem das Blut durch die Nieren, die eine Art Filterstation bilden, von seinen Abfallprodukten gereinigt ist, fließt der entstandene Urin über sammelnde Nierenkelche in das Nierenbecken. Von dort aus wird er weiter über die Harnleiter in die Harnblase transportiert und anschließend über die Harnröhre ausgeschieden.
Das harnableitende System ist mit einer gut durchbluteten Schleimhaut ausgekleidet, die sich unter bestimmten Umständen entzünden kann. Die Nierenbeckenentzündung ist eine der häufigsten Nierenerkrankungen. Rund zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung sind davon mindestens einmal während des Lebens betroffen. Sie kommt bei Frauen zwei- bis dreimal häufiger vor als bei Männern. Von Blasen- und Nierenbeckenentzündungen sind schwangere Frauen, Frauen nach den Wechseljahren, junge Frauen, die häufig Geschlechtsverkehr haben oder mit Scheidendiagphragmen oder Spermiziden verhüten, sowie Diabetiker besonders oft betroffen.
Welche Beschwerden verursacht eine Nierenbeckenentzündung?
Patienten mit einer Nierenbeckenentzündung haben oft ein deutliches Krankheitsgefühl.
Charakteristisch für eine Entzündung des Nierenbeckens (Pyelonephritis) sind Fieber über 38 Grad Celsius, Schmerzen im Nierenlager (im Bereich der Flanke) und beim Klopfen auf den Nierenbereich. Auch Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen kommen häufig vor.
Viele Patienten haben zusätzlich beziehungsweise bereits vor Beginn der Nierenbeckenentzündung Beschwerden einer Harnblasenentzündung, wie zum Beispiel häufiges und brennendes Wasserlassen. Kinder und ältere Menschen fallen oft nur durch Abgeschlagenheit oder unkontrollierten Urinabgang auf. Es können Bauchschmerzen mit Erbrechen oder Kopfschmerzen auftreten.
Besteht der Verdacht einer Nierenbeckenentzündung, sollte der Betroffene sich an einen Arzt wenden, da die Erkrankung einen dramatischen Verlauf nehmen kann. Komplikationen können Eiteransammlungen (Abszesse) in oder neben der Niere oder das Ausschwemmen der Bakterien in die Blutbahn (Urosepsis) sein.
Komplikationen einer Nierenbeckenentzündung
Bleibt eine akute Nierenbeckenentzündung unbehandelt, kann es zu einem lebensgefährlichen Krankheitsbild mit Aussaat der Keime in die Blutbahn kommen (Urosepsis).
Als weitere Komplikation ist eine chronische Verlaufsform möglich. In diesem Fall kommt es zu keiner vollständigen Abheilung der Erkrankung. Nierenbeckenentzündungen treten dann häufig (mindestens dreimal pro Jahr oder mindestens zweimal pro Halbjahr) auf und können zu dauerhaften Schäden der Nieren und zunehmender Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) führen.
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Autor: Dr. med. Sigrid Tapken; Dr. med. Dirk Nonhoff, erstellt am 25.10.05; zuletzt aktualisiert von Dr. Judith Neumaier am 08.10.11
Quelle: Roth, S.: Klinische Urologie. Springer (2001); Sökeland, J.: Urologie. Thieme (12. Auflage 2001); Hautmann R., Huland H.: Urologie. 3. Auflage, 2006, Springer; Merkle W.: Urologie. 1997, Hippokrates; Herold G.: Innere Medizin. 2007, Selbstverlag; Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Leitlinie zur Harnwegsinfektion im Kindesalter. Januar 1998 (); Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) - Urogynäkologie. Harnwegsinfekt der Frau. Juli 2008 (www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/015-009.htm); Deutsche Gesellschaft für Urologie: S-3 Leitlinie Harnwegsinfektionen, Juni 2010 (www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-044l_S3_Harnwegsinfektionen.pdf).

