Die Funktion der Nieren ist es, Wasser und Stoffe, die der Körper nicht benötigt, auszuscheiden. Die Nieren filtern zu diesem Zweck das zirkulierende Blut und bilden Urin, der über die Harnleiter in die Blase fließt. In der Blase wird der Urin gespeichert und schließlich ausgeschieden.
Weshalb Harnsteine entstehen, ist bis heute noch nicht endgültig geklärt. Ein Faktor ist aber, dass manche der im Harn vorkommenden Substanzen kleine Kristalle bilden oder als Anlagerungsstellen für Kristalle dienen können. Übersteigt der Anteil dieser Substanzen eine kritische Grenze, können Harnsteine entstehen.
Wie viele Kristalle sich in einer bestimmten Menge Urin lösen können, hängt unter anderem vom Säuregehalt des Urins ab, dem sogenannten pH-Wert des Urins. Dieser sollte zwischen 5,5 und 7 liegen und ist von der Ernährung abhängig. Einen pH-Wert unter 7 bezeichnet man als sauer, einen pH-Wert über 7 als alkalisch. Bestimmte Steinarten bilden sich eher im alkalischen Urin, andere eher im sauren.
Zu den Substanzen, die eine Steinbildung im Urin fördern können, zählen Kalzium, Phosphat, Oxalat, Zystin und Harnsäure
. Andere Stoffe können zu einer besseren Löslichkeit der Kristalle führen, wenn sie mit dem Harn ausgeschieden werden. Hierzu zählen Zitronensäure sowie Magnesium bei sogenannten Kalziumoxalatkristallen. Diese Zusammenhänge kann man ausnutzen, um die Neubildung von Steinen zu vermeiden.
Fast fünf Prozent der deutschen Bevölkerung erkranken in ihrem Leben an einem Harnsteinleiden. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, Kinder erkranken seltener. In der Hälfte der Fälle kommt es bei den Betroffenen zu einer erneuten Bildung von Harnsteinen.
Die Neigung zur Harnsteinbildung kann vererbt werden. Bei der Entstehung spielen jedoch meist noch weitere Faktoren eine Rolle. Studien zufolge erhöht sich das Risiko für eine Steinbildung auch bei:
Bewegungsmangel
eiweißreicher Kost
Fettstoffwechselstörungen
Gicht
Übergewicht
Bluthochdruckerkrankung
Blutzuckererkrankung (Diabetes mellitus)
Darüber hinaus können Darmerkrankungen, Harnwegsinfekte und Störungen der Nierenfunktion die Steinbildung begünstigen. Seltener ist eine Erkrankung der Nebenschilddrüsen die Ursache.
Welche Arten von Nierensteinen und Harnleitersteinen gibt es?
Harnsteine können in der Niere und in den ableitenden Harnwegen - dazu gehören Harnleiter, Harnblase und Harnröhre - lokalisiert sein. Je nachdem, wo sich die Steine befinden, spricht der Arzt von Nieren-, Nierenbecken-, Harnleiter- oder Blasensteinen.
Die Harnsteine bilden sich dabei zunächst im Nierenbecken. Wandert der Stein von dort in den Harnleiter, kann er diesen ganz oder teilweise verschließen und so den Abfluss des Urins behindern.
Harnsteine sind Ablagerungen aus Bestandteilen des Urins. Je nach Zusammensetzung treten sie unterschiedlich häufig auf:
- Kalziumoxalate (70 Prozent)
- Harnsäure (10 Prozent)
- Kalziumphosphate (10 Prozent)
- Magnesium-Ammonium-Phosphat (7 Prozent)
- Cystin (1 Prozent)
In zwei von drei Fällen handelt es sich um Mischsteine mit Verunreinigungen durch andere Kristalle.
- Seite 1: Wie bekommt man Nierensteine oder Harnleitersteine?
- Seite 2: Welche Beschwerden können Nierensteine oder Harnleitersteine machen?
- Seite 3: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
- Seite 4: Stoßwellenbehandlung (ESWL)
- Seite 5: Harnleiterspiegelung
- Seite 6: Wie ist der Verlauf der Erkrankung?
Autor: Dr. med. Ellen Ernst; Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, erstellt am 24.04.05; zuletzt aktualisiert von Maren Bradtmöller am 17.08.10
Quelle: Alken, P.: Urologie. VCH Verlagsgesellschaft, 2. überarbeitete Auflage, 1998; Biesalski, H.K.: Ernährungstherapie. Thieme, 1999; Hautmann R., Huland H.: Urologie. 3. Auflage, 2006, Springer; Merkle W.: Urologie. 1997, Hippokrates; Herold G.: Innere Medizin. 2007, Selbstverlag; Hautmann R. E. , Straub M.: Urologe 2006 · [Sonderheft] 45:181–184, Springer Medizin Verlag 2006; Harnsteine - Metabolismus und Diagnostik; Wendt-Nordahl G. et al.: Kalziumoxalatsteinbildung - Neue pathogenetische Aspekte einer alten Erkrankung, Urologe 2008 · 47:538–544, Springer Medizin Verlag 2008; AWMF-S2 Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Methaphylaxe der Urolithiasis (2009); Fauci A. S. et al.: Harrison's Principles of Internal Medicine, 17. englischsprachige Ausgabe, McGraw-Hill Information & Media group

