Was ist Eierstockkrebs?

Unter Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) versteht man eine bösartige Erkrankung, bei der Zellen der Eierstöcke entarten und sich unkontrolliert vermehren. Der Eierstockkrebs wächst aggressiv in das angrenzende Gewebe vor und zerstört dieses. Außerdem kann der bösartige Tumor Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen bilden.

 

Die Eierstöcke gehören zu den inneren Geschlechtsorganen und befinden sich im sogenannten kleinen Becken der Frau. In ihnen reifen die Eizellen heran und sie produzieren weibliche Geschlechtshormone wie Östrogene und Progesteron.

 

Welche Krebsformen gibt es beim Eierstockkrebs? 

Es gibt sehr viele verschiedene Formen von Eierstockkrebs. Am häufigsten sind Tumore, die in der äußeren Zellschicht des Eierstocks ihren Ursprung haben, sogenannte epitheliale Ovarialkarzinome. Deutlich weniger häufig kommen Tumore vor, die aus den Gewebezellen des Eierstocks entstanden sind (Stromatumoren). Noch seltener treten Keimzelltumore auf, die sich aus den Eizellen entwickeln.

 

Es gibt auch eine Reihe von gutartigen Eierstocktumoren, die ebenfalls eine erhebliche Größe (zehn Zentimeter und mehr) erreichen können. Obwohl die gutartigen Eierstocktumore an sich harmlos sind und keine direkte Gefahr für die Frau darstellen, ist oft eine weitere Abklärung erforderlich. Erst die genaue Untersuchung des Tumorgewebes unter dem Mikroskop gibt Auskunft, ob es sich um eine gutartige oder bösartige Veränderung handelt.

 

Wie häufig ist Eierstockkrebs?

Eierstockkrebs zählt zu den häufigen Tumoren der weiblichen Geschlechtsorgane. Das Krankheitsrisiko steigt mit zunehmendem Lebensalter an. Neueren Daten zufolge sind die Betroffenen durchschnittlich 68 Jahre alt, wenn sie an einem Eierstockkrebs erkranken. Insgesamt liegt das Risiko für Frauen, Eierstockkrebs im Laufe ihres Lebens zu bekommen, bei etwa 1,8 Prozent.

 

 

Gibt es eine spezifische Vorsorge?

Anders als beispielsweise bei Brustkrebs oder Darmkrebs gibt es für Eierstockkrebs keine speziellen Vorsorgeuntersuchungen, um den Tumor möglichst frühzeitig erkennen zu können. Dennoch ist es wichtig, dass sich auch ältere Frauen regelmäßig, etwa einmal jährlich, von ihrem Frauenarzt untersuchen lassen.

 

Frauen mit einem hohen Risiko für Eierstockkrebs müssen jedoch engmaschiger untersucht werden. Dazu gehören Frauen, bei denen eine genetische, das heißt erbliche Belastung besteht, an Eierstockkrebs zu erkranken. Diese Frauen weisen bestimmte Veränderungen in ihrem Erbgut (Mutationen) auf, die unter anderem das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs erhöhen, zum Beispiel BRCA-1 oder -2.

 

Auf Mutationen testen

Frauen aus Familien, in denen diese Krebserkrankungen gehäuft auftreten, können sich unter bestimmten Voraussetzungen auf Genmutationen testen lassen. Dies ist in einigen Zentren in Deutschland möglich, die darüber hinaus auch eine medizinische und psychologische Beratung durchführen.

 

Weitere Risikofaktoren für Eierstockkrebs

Neben steigendem Alter und erblicher Belastung, die sich auch darin äußert, dass beispielsweise Mutter und/oder Schwester Eierstockkrebs hatten, gibt es weitere Risikofaktoren. So erhöht sich das Risiko bei Frauen, die keine Kinder bekommen haben oder an Brust-, Darm- oder Gebärmutterkrebs erkrankt sind. Weiterhin gelten frühe erste Menstruation und späte letzte Regelblutung als ungünstig. Aber auch Ernährung und Umweltbedingungen könnten von Bedeutung sein.

 

Daneben gibt es schützende Faktoren, wie Experten vermuten. So sollen bei Frauen, die langjährig die Anti-Baby-Pille eingenommen haben, weniger Erkrankungen an Eierstockkrebs auftreten. Auch junges Alter bei erster Geburt und mehrere Schwangerschaften beeinflussen anscheinend das Risiko positiv.

 

Was sind Anzeichen für eine Eierstockkrebserkrankung?

Da sich der Tumor in der Bauchhöhle relativ unbemerkt ausbreiten kann, verläuft die Erkrankung bis zu einer bestimmten Größe des Tumors oft ohne verdächtige Anzeichen. Dies ist der Grund, warum die Erkrankung meist erst spät entdeckt wird.

 

Beschwerden unspezifisch

Mögliche Symptome sind dann Bauchschmerzen, eine Zunahme des Bauchumfangs durch eine Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum (Aszites), ein anhaltender Brechreiz oder Veränderungen der Verdauung. Außerdem sind unklare Gewichtsabnahme, allgemeine Schwäche sowie abnorme oder nach den Wechseljahren plötzlich wieder auftretende Blutungen verdächtige Beschwerden, die ein Frauenarzt abklären sollte. Auch ein häufiger Harndrang, ein Druckgefühl im Becken und Kreuzschmerzen können durch einen Tumor bedingt sein. Der Tumor kann auch so groß werden, dass man ihn tasten kann.

 

Wie kann der Arzt einen Eierstockkrebs feststellen?

Erste Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung erhält der Arzt aus der ausführlichen Befragung der Betroffenen (Anamnese). Dabei erkundigt er sich unter anderem nach den Beschwerden und möglichen Risikofaktoren. In der Regel schließt sich eine körperliche Untersuchung an, die beispielsweise das Abtasten der Bauchdecke und die Tastuntersuchung über Scheide sowie Enddarm einschließen kann.

 

Eine weitere wichtige Maßnahme ist die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) durch die Scheide (vaginale Sonografie). Hierbei führt der Arzt einen dünnen Schlauch mit Optik und Lichtquelle in die Scheide ein und kann so die inneren Geschlechtsorgane genau betrachten. Daneben spielt die Sonografie des Bauchs eine Rolle. Sie stellt Organe wie Darm, Niere oder Leber dar, außerdem lassen sich mit ihrer Hilfe Wasseransammlungen im Bauchraum (Aszites) oder zwischen den beiden Blättern des Brustfells (Pleuraerguss) erkennen.

 

Andere bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie oder Kernspintomografie bringen in der Regel keine zusätzlichen Informationen im Hinblick auf die Suche oder Feststellung des Eierstockkrebses. Allerdings kann man mit diesen Methoden die Ausbreitung des Tumors im Bauchraum, Absiedlungen in anderen Organen (Metastasen) oder vergrößerte Lymphknoten feststellen.

 

Eventuell erfolgen Röntgenaufnahmen des Brustkorbs oder der Nieren und der Harnwege. Auch eine Spiegelung von Harnblase und Enddarm sind mögliche Maßnahmen. Unter Umständen entnimmt der Arzt Flüssigkeitsproben (Punktion) im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung aus dem Bauchraum oder dem Brustfell. Diese können bösartige Zellen enthalten. 

 

Tumormarker nur zur Verlaufskontrolle geeignet

Weitere Anhaltspunkte liefern mitunter Laboruntersuchungen, zum Beispiel die Bestimmung von Tumormarkern. Dies sind Eiweiße, die die Tumorzellen produzieren und eventuell im Blut nachweisbar sind. Bei Verdacht auf Eierstockkrebs lässt sich beispielsweise der Tumormarker CA 125 bestimmen.

 

Dieser Wert ist jedoch nicht bei allen Betroffenen erhöht und kann auch bei anderen gynäkologischen Erkrankungen, zum Beispiel bei entzündlichen Prozessen, verändert sein. Deswegen eignet sich der Marker nicht zur Suche oder Diagnosestellung, kann aber zur Verlaufskontrolle hilfreich sein.

 

Probenentnahme nur im Rahmen der Operation

Oft lässt sich die Diagnose und das Stadium der Krebserkrankung nur durch eine Operation sichern, nachdem zuvor andere Untersuchungen erfolgt sind. Dabei entnimmt der Operateur während des Eingriffs Gewebeproben aus auffälligen Gebieten, die ein Arzt anschließend genau unter dem Mikroskop betrachtet. Erst wenn sicher feststeht, dass Eierstockkrebs vorliegt, geht die Operation weiter.

 

Vier Tumorstadien werden unterschieden

Entsprechend der Ausbreitung des Tumors im Bauchraum unterscheidet die sogenannte FIGO-Klassifikation vier Tumorstadien:

 

  • I: Die Erkrankung ist auf einen oder beide Eierstöcke begrenzt.
  • II: Die Erkrankung hat sich im kleinen Becken ausgebreitet
  • III: Der Tumor hat das Bauchfell und/oder Lymphknoten befallen
  • IV: Es finden sich Tochtergeschwülste in anderen Organen (Fernmetastasen)

 

Das Stadium, in dem sich der Eierstockkrebs zum Zeitpunkt der Diagnose befindet, ist von großer Bedeutung hinsichtlich der weiteren Behandlung und der Prognose der Erkrankung.

 

Eine weitere Stadieneinteilung bietet die sogenannte TNM-Klassifikation. Dabei steht T für die Tumorgröße, N für die befallenen Lymphknoten und M für das Vorliegen von Metastasen. Weiterhin lassen sich verschiedene Stadien der Tumorgröße (T1-4), der Menge und der Lokalisation der befallenen Lymphknoten (N0-3) sowie der Metastasen (M0 für keine und M1 für vorhandene Metastasen) unterscheiden. So bedeutet T1N1M0 einen kleinen Tumor mit befallenen benachbarten Lymphknoten auf einer Seite und ohne Metastasen.

 

Wie wird Eierstockkrebs behandelt?

Zur Behandlung des Eierstockkrebses stehen vor allem zwei Möglichkeiten zur Verfügung: die Operation und die Chemotherapie.

 

Operation

Ziel der Operation ist es, den Tumor auch in fortgeschrittenen Stadien möglichst komplett zu entfernen. Man weiß, dass der Verlauf der Erkrankung maßgeblich vom Stadium und vom Ausmaß der Tumorreste nach der Operation abhängt. Bei der Operation öffnet ein Arzt den Bauch mit einem Schnitt. Zur Standardoperation gehört die Entfernung der Gebärmutter, beider Eierstöcke, des sogenannten großen Netzes (vor dem Darm liegendes Fettgewebe) sowie von Teilen des Bauchfells, mitunter auch der Lymphknoten. Weitere Schritte, etwa die Entnahme von Darmanteilen oder des Blinddarms richten sich nach der Ausbreitung und der Art des Tumors. 

Fortgeschrittene Stadien ebenfalls radikal operieren

Wie bereits oben erwähnt, sollte auch bei ausgedehntem Tumorbefall und sogar im metastasierten Stadium immer versucht werden, so viel Tumormasse wie möglich zu entfernen. Große wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Patientinnen ohne sichtbaren Tumorrest nach Abschluss der Operation die beste Prognose haben. Bei der Operation müssen nach einem standardisierten Vorgehen die gesamte Bauchhöhle angesehen und alle befallenen Areale sowie entsprechende Lymphknotenstationen soweit wie möglich entfernt werden.

 

Chemotherapie

Nach der Operation kann sich eine Chemotherapie anschließen, was oft notwendig ist. Hierzu erhalten die Betroffenen Zellgifte (Zytostatika), die die verbliebenen Krebszellen abtöten sollen. Dafür stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung. Ihr Einsatz richtet sich unter anderem nach dem Befinden und den eventuell vorhandenen Begleiterkrankungen der Patientin. 

 

Rückfall der Erkrankung

Tritt der Eierstockkrebs erneut auf (Rezidiv), kommen wieder Operation und/oder Chemotherapie infrage. Die Therapiewahl richtet sich nach verschiedenen Faktoren, zum Beispiel wann sich das Rezidiv entwickelt.

 

Wie sieht die Zeit danach aus?

Nach der Therapie sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen erfolgen. Diese Nachsorgeuntersuchungen dienen zum einen dazu, das Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv) zu entdecken. Zum anderen können Auswirkungen der Therapie und mögliche Begleiterkrankungen behandelt werden. Nicht zuletzt spielt bei der Nachsorge die physische, psychische und soziale Betreuung der Betroffenen eine wichtige Rolle. Im Regelfall sind in den ersten drei Jahren vierteljährliche, in den nächsten zwei Jahren halbjährliche und danach jährliche Kontrolluntersuchungen notwendig.

 

Vaginaler Ultraschall empfohlen 

Neben einer ausführlichen Befragung der Patientin findet eine sorgfältige körperliche und vor allem gynäkologische Untersuchung statt. Der Frauenarzt tastet den Enddarm aus und führt eine Ultraschalluntersuchung über die Scheide aus. Daneben können je nach individuellen Voraussetzungen weitere Untersuchungen folgen.

 

Folgen der Therapie

Durch die Operation mit Entfernung beider Eierstöcke tritt die Frau, die zuvor noch nicht in den Wechseljahren war, vorzeitig in die Wechseljahre ein, was zu entsprechenden Beschwerden führen kann. Ausgedehnte Operationen im Bauchraum können zu verschiedenen Problemen führen, etwa Verwachsungen, Schwierigkeiten mit der Verdauung und der Blasenentleerung. Auch die seelischen Folgen sind nicht zu vernachlässigen. Zur Beratung der Frauen stehen in den meisten Zentren speziell ausgebildete Psychologen zur Verfügung.