Das Sandmückenfieber (Phlebotomusfieber) ist eine fieberhafte Erkrankung, die durch Phleboviren verursacht wird. Überträger dieser Viren sind Sandmücken (hauptsächlich Phlebotomus pappatasi). Hauptverbreitungsgebiet ist der Mittelmeerraum, Afrika, Arabien und Vorderasien. Die Nordgrenze des Vorkommens liegt auf Höhe der Alpen.
Die Sandmücken sind zwei bis drei Millimeter groß und gehören zu den Schmetterlingsmücken. Man erkennt sie an ihrer eigenartig hüpfenden Fortbewegung.
Da die Mücken in Europa nur im späten Frühjahr und Sommer aktiv sind, kommt die Krankheit hier im Winter und Herbst kaum vor. In tropischen Gebieten kann man sich allerdings ganzjährig anstecken. Gefährdet sind in erster Linie Kinder und Reisende, da die einheimische Bevölkerung durch wiederholte Infektionen immun ist.
Sandmücken brüten in feuchter Umgebung, ihre Larven entwickeln sich in sandigem Boden und Mauerritzen. Häufig findet man sie im Badezimmer, wo sie kurz auffliegen, wenn sie gestört werden, um sich wenige Zentimeter weiter wieder niederzulassen.
Wie bekommt man Sandmückenfieber?
Die Sandmücken benutzen den Menschen als Nahrungsquelle und stechen bevorzugt nachts und in der Dämmerung. Beim Stich der blutsaugenden Mücken gelangt virushaltiges Material in die Blutbahn des Menschen. Die Phleboviren vermehren sich zunächst sehr stark, bis es nach circa drei bis sechs Tagen (Inkubationszeit) zum Ausbruch der Krankheit kommt.
Wie macht sich Sandmückenfieber bemerkbar?
Der Stich der Sandmücke ist oft mit einem schmerzhaften Juckreiz verbunden. Ungefähr drei bis sechs Tage nach der Infektion kommt es zu plötzlichem Fieberanstieg mit häufig kräftigen grippeähnlichen Beschwerden wie Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
Das Fieber klingt jedoch in den meisten Fällen nach ungefähr drei Tagen von selbst wieder ab und die Krankheit heilt ohne Folgen aus. Dieser Verlauf hat der Erkrankung auch den Namen Dreitagefieber eingebracht. Manchmal kann es jedoch nach vorübergehender Besserung zu einem erneuten Fieberanstieg kommen. Die vollständige Genesung kann sich dann über Wochen hinziehen. Nur sehr selten entwickeln sich Komplikationen wie eine Entzündung der Hirnhäute.
Wie wird Sandmückenfieber festgestellt?
Entscheidende Hinweise auf das Vorliegen von Sandmückenfieber liefern die genannten Krankheitszeichen bei Personen, die sich in den Hauptverbreitungsgebieten aufgehalten haben. Ein weiterer Hinweis ist das Vorhandensein von Mückenstichen.
Deshalb steht die Erhebung der Krankengeschichte an erster Stelle. Der Befund der körperlichen Untersuchung und eine Blutuntersuchung können ebenfalls den Verdacht auf eine Viruserkrankung lenken. Allerdings zeigen viele virale Infektionen ähnliche Symptome.
Eindeutig lässt sich die Krankheit ab dem fünften bis achten Krankheitstag durch eine spezielle Blutuntersuchung auf Antikörper
nachweisen. Außerdem kann man das Virus in Zellkulturen isolieren und sein Erbmaterial mithilfe der Polymerase-Kettenreaktion nachweisen.
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Autor: Dr. med. Karl Addicks; Dr. med. Dirk Nonhoff, erstellt am 25.10.05; zuletzt aktualisiert von Dr. Judith Neumaier am 03.08.11
Quelle: Lang: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. Thieme (2000); Kretschmer/Kusch/Scherbaum: Reisemedizin. Urban & Fischer (1999); Kretschmer, H.; Kusch, G.; Scherbaum, H.: Reisemedizin, Beratung in der ärztlichen Praxis. 2. Auflage, München: Urban & Fischer, 2005; Reisemedizinischer Infoservice (2007): Sandmückenfieber. (www.fit-for-travel.de/krankheiten_a-z/sandmueckenfieber.thtml, Stand 01.08.2011); Robert Koch-Institut (2006): Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten

