Was sind schlafbezogene Atmungsstörungen?

Charakteristisch für schlafbezogene Atmungsstörungen sind unregelmäßige Atempausen während des Schlafs, die der Betroffene oft selbst nicht bemerkt. Die wohl bekannteste ist das Schlaf-Apnoe-Syndrom (SAS).

 

Der Begriff Schlaf-Apnoe beschreibt eine Atempause während des Schlafes mit einer Dauer von über zehn Sekunden. Als krankhaft wertet man mehr als zehn Pausen pro Stunde Schlaf.

 

Insgesamt drei bis sieben Prozent der Männer und zwei bis fünf Prozent der Frauen sind von der Erkrankung betroffen, darunter vorzugsweise Übergewichtige nach dem 40. Lebensjahr.

 

Welche Ursachen sind bekannt?

In den meisten Fällen handelt es sich um ein obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom, bei dem die oberen Atemwege verengt sind. Im Schlaf erschlaffen die oberen Luftwege in der Höhe des Rachens. Die Aktivität der Atemmuskeln ist allerdings erhalten und der Betroffene schnarcht. Die zunehmende Erschlaffung der Atemwege kann schließlich zu einer kompletten oder teilweisen Verlegung der Atemwege mit Minderung der Luftströmung in der Einatmung führen.

 

Bei einem Atemstillstand kommt es zu einer Sauerstoffunterversorgung. Dadurch wacht der Betroffene auf und schnappt nach Luft. Die Atempausen können zehn Sekunden und länger andauern und sich während einer Nacht hundertfach wiederholen.

 

Etwa zwei Drittel der Menschen mit einer schlafbezogenen Atmungsstörung zeigen anatomische Auffälligkeiten, die zu mechanischen Behinderungen des Luftstromes führen und die Atemaussetzer im Schlaf begünstigen.

 

Dazu zählen unter anderem:

 

  • Rachenmandelvergrößerung
  • Gaumenmandelvergrößerung
  • Kieferfehlbildung
  • Nasenscheidenwandverkrümmung
  • Vergrößerung der Zunge
  • Kurzer, dicker Hals
  • Tumor

     

Außerdem kann ein fehlerhaftes Zusammenspiel des zentralen Nervensystems mit der Atemmuskulatur die Ursache für eine schlafbezogene Atmungsstörung sein. Man spricht dann von einem zentralen Schlaf-Apnoe-Syndrom - ohne Verengung der oberen Atemwege. Diese Form ist allerdings mit circa zehn Prozent wesentlich seltener.

 

Medikamente, die zur Muskelentspannung oder zu einer Minderung des Atemantriebs führen, begünstigen das Auftreten nächtlicher Atemaussetzer. Außerdem fördern Übergewicht, Alkoholgenuss, Rauchen und Bewegungsmangel das Auftreten schlafbezogener Atmungsstörungen.

 

Wie wird eine schlafbezogene Atmungsstörung erkannt?

Hinweise auf eine schlafbezogene Atmungsstörung sind Schnarchen, Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen beim Erwachen, Gereiztheit und plötzliches Einnicken am Tag. Eine ausführliche Befragung des Betroffenen sowie seines Partners bezüglich des Schlafverhaltens kann wichtige Informationen liefern. Der Arzt wird dabei nach Begleiterkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck oder Herzschwäche sowie nach eingenommenen Medikamenten fragen. Es gibt auch standardisierte Fragebögen zu schlafbezogenen Atmungsstörungen.

 

Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Zur Diagnostik gehören weiterhin Blutuntersuchungen, um neben dem Allgemeinzustand des Patienten auch Hinweise auf den Sauerstoffgehalt des Blutes zu bekommen.

 

Ebenfalls sinnvoll ist eine gründliche Untersuchung durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt und falls nötig auch durch einen Kieferorthopäden, um eventuelle Erkrankungen oder Fehlbildungen in den oberen Atemwegen zu erkennen.

 

Im Schlaflabor

Die sogenannte polysomnografische Langzeitregistrierung ist die sicherste Methode zum Nachweis und zur Beurteilung der Schwere einer schlafbezogenen Atmungsstörung. Dabei wird der Betroffene während des Schlafes überwacht und verschiedene Werte der Atmung (beispielsweise Atempausen, Atemgeräusche), Puls und Herzfrequenz sowie der Blutdruck registriert. Diese Untersuchung erfolgt am besten in einem Schlaflabor oder Schlafzentrum. 

 

Ist eine Behandlung notwendig?

Die Erkrankung ist sehr ernst zu nehmen und nicht als "lästige und störende Angewohnheit" abzutun.

 

Die Folgen einer schlafbezogenen Atmungsstörung können sich nicht nur auf die Psyche auswirken (etwa in Form schwerer Stimmungsveränderungen wie Depressionen), sondern auch körperliche Schäden verursachen. Aufgrund des nächtlichen Sauerstoffmangels haben die Betroffenen ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Betroffene Männer haben zudem häufiger mit Potenzproblemen zu kämpfen.

 

Aus diesem Grund sollten Menschen mit schlafbezogenen Atmungsstörungen auf jeden Fall einen Arzt um Rat fragen. Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt von der Art und vom Ausmaß der Beschwerden, den bestehenden Begleiterkrankungen und weiteren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab. Dabei muss der Betroffene mit entscheiden, ob er eine Behandlung wünscht.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Gesund leben

Wer übergewichtig ist, sollte versuchen abzunehmen. Es ist ratsam, den Konsum von Alkohol und Nikotin zu reduzieren sowie in Rücksprache mit dem Arzt Beruhigungs- und Schlafmittel zu meiden. Empfehlenswert ist außerdem eine angemessene Schlafhygiene mit Einhaltung eines regelmäßigen Schlafrhythmus.

 

Schlafen in Rückenlage vermeiden

Das Tragen eines Rucksacks oder einer Weste, in deren Rückenteil ein Ball eingenäht ist, kann dafür sorgen, dass der Betroffene auf der Seite liegen bleibt und sich nicht mehr auf den Rücken dreht. Dadurch lässt sich verhindern, dass die Zunge infolge der im Schlaf abnehmenden Muskelspannung nach hinten fällt und die Atemwege vorübergehend verschließt. Diese Maßnahme ist sinnvoll, wenn der Patient in Seitenlage normal atmet, in Rückenlage aber Atmungsstörungen auftreten.

 

Medikamente, Schienen und Überdruckbeatmung

Es gibt keine Medikamente, die bei schlafbezogenen Atmungsstörungen wirksam sind.

 

Bei leichten und mittelschweren Formen der obstruktiven Schlafapnoe werden bei geeigneter Anatomie Unterkieferschienen empfohlen.

 

Die Standardtherapie bei mittelschwerer bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe ist die Überdruckbeatmung über eine Atemmaske, die sogenannte nCPAP-Therapie ("nasal continous positive airway pressure"). Dabei werden durch den zugeführten Druck die Atemwege offen gehalten und so die Atempausen vermieden. Die Therapie ist zunächst gewöhnungsbedürftig, da sich der Betroffene vor dem Schlafengehen eine Beatmungsmaske aufsetzen muss, die viele anfangs als störend empfinden. Außerdem verursacht das Gerät ein leises Brummgeräusch.

 

Doch die Behandlung ist in den meisten Fällen sehr hilfreich, und der Patient fühlt sich wieder ausgeschlafen und fit für den Tag. Außerdem kann die Überdruckbeatmung einen erhöhten Blutdruck und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.

 

Operative Behandlungsmöglichkeiten

Eine Operation kann notwendig werden, etwa bei nachgewiesenen krankhaften Veränderungen der Nase oder im Rachen. Dazu zählen die Entfernung von Polypen oder der Rachenmandeln, die Begradigung einer Nasenscheidewand-Verbiegung oder die Einkürzung des weichen Gaumens mit seinem Zäpfchen. Vor einer Operation sind Risiken und Nutzen der Behandlung sorgfältig abzuwägen.